Leidenschaft für Bücher

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Leidenschaft für Bücher

Von Journal21, 13.03.2019

Journal 21.ch hat einige besondere Buchhandlungen gebeten sich vorzustellen. Heute tut dies die Buchhandlung Nievergelt in Zürich. Die Leiterin der Buchhandlung, eine Buchhändlerin und ein Lernender geben uns persönliche Lesetipps.

Bei Nievergelt geht es seit über 130 Jahren um Bücher! 126 Jahre war die Buchhandlung in Familienbesitz. Nach dem Verkauf der Liegenschaft an eine Pensionskasse führte diese die Buchhandlung weiter mit dem Ziel, den Fortbestand der Buchhandlung langfristig zu sichern. Anfang 2019 fand sich mit der Buchhandlung und Verlagsvertretung Scheidegger & Co. AG aus Affoltern am Albis die gesuchte Lösung. Unter dem Scheidegger-Dach arbeitet Nievergelt weiterhin eigenständig und mit denselben engagierten BuchhändlerInnen.

Mit Freude und Ideen beraten wir an der Franklinstrasse die Kundschaft, beliefern Schulen, Firmen und Bibliotheken und bieten Veranstaltungen rund ums Buch. Unser Bücher-Herz schlägt vor allem für die Belletristik, für Kinder- und Jugendbücher sowie fundierte Sachbücher. Darüber hinaus bieten wir eine gut sortierte Reise- und Landkarten-Abteilung, ein ausgesuchtes Spiele-Sortiment für Kinder sowie Schönes & Feines zum Schenken. Wir freuen uns über wissbegierige LeserInnen jeden Alters und geben eigene Buchtipps gerne weiter. Wir stöbern für unsere Kunden vergriffene Bücher genauso gerne auf wie wir lieferbare Bücher besorgen. Und wir möchten mit der Buchhandlung einen lebendigen Ort schaffen, wo man sich über Bücher informieren und austauschen kann.

Daniela Kartus Mai, Buchhändlerin, empfiehlt

John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt, S. Fischer

Daniela Kartus Mai
Daniela Kartus Mai

Ein Mann und ein Wal stranden an der Küste eines Fischerdorfs in Cornwall. Die Einwohner können beide retten, ohne zu ahnen, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. Denn der Gestrandete ist Börsenbroker und vor einem Wirtschaftskollaps aus London geflohen. Dann bricht auch noch eine weltweite Grippeepidemie aus .. Bedeutet das Auftauchen des Wales das Ende der Zivilisation?

Dies ist ein Roman, der einem den Glauben an die Menschheit zurück gibt, denn er zeigt, dass wir auch globale Krisen meistern können –  wenn wir zusammenstehen.

                                                  ***

Mauro Schiantarelli, Lernender im 3. Jahr, empfiehlt

Kai Strittmatter: Die Neuerfindung der Diktatur, Piper 2018

Mauro Schiantarelli
Mauro Schiantarelli

Der Autor Kai Strittmatter studierte in China und Taiwan und arbeitete viele Jahre als Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Peking. Er schafft es, in diesem Buch den Leserinnen und Lesern Einblicke hinter die sorgfältig aufgezogene Kulisse jenes 1,3 Milliarden-Einwohner-Staates zu geben.

In Neuerfindung der Diktatur beschreibt er die systematische Vorgehensweise des chinesischen Staates bei seiner Einführung eines allumfassenden Überwachungssystems. Beim Lesen dieser Ausführungen kann einem durchaus ungemütlich werden. Mit einem akribischen Punktesystem werden die chinesischen Bürger schon bald von ihrer Regierung bewertet werden, Algorithmen belohnen oder bestrafen ihre Taten und vielleicht kann das System schon bald im Voraus erkennen, ob eine Person vorhat, ein Verbrechen zu begehen, was der Algorithmus dann natürlich im Voraus verhindern könnte ... Es ist ein Big-Brother-System, wie es George Orwell wohl nie hätte erahnen können. Das Punktesystem hat ganz alltägliche Folgen: Je nach Punkten erhält man einen Reisepass, darf die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen oder – wenn man eine schlechte Punktebilanz hat – wird man sanktioniert. Damit sollen „perfekte Bürger“ herangezüchtet werden.

                                                 ***

Ruth Schildknecht, Leiterin der Buchhandlung, empfiehlt

Raffaella Romagnolo: Bella Ciao, Diogenes 2019

Ruth Schildknecht
Ruth Schildknecht

Giulia Masca kommt 1946 als gemachte Frau in ihre Heimatstadt im Piemont zurück. Vor beinahe fünfzig Jahren verliess sie Italien Hals über Kopf und baute sich in New York eine neue Existenz auf. Die Wirren des ersten und zweiten Weltkriegs und das Ringen zwischen Kommunisten und Faschisten hat sie aus der Ferne durch Erzählungen der italienischen Immigranten, Kunden in ihrem Grocery Store, und aus der Zeitung verfolgt. Von ihrer Mutter, ihrer besten Freundin Anita und ihrem früheren Verlobten hat sie nie wieder gehört. Wie es ihnen in all den Jahren wohl ergangen ist?

Dicht erzählt und mit vielen Rückblenden erfahren die LeserInnen von Raffaella Romagnolos Roman Bella Ciao nicht nur die Lebensgeschichte zweier Familien. Scheinbar nebenher erzählt die Autorin die Geschichte Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Figuren werden dabei so lebendig beschrieben, als sähe man sie im Kino vor sich auf der Leinwand. Dieser Roman ist definitiv mein Lieblingsbuch in diesem Frühjahr. Ich wünsche ihm viele LeserInnen und ich wünsche mir weitere Übersetzungen von Raffaella Romagnolos Büchern.

Reisen Sie mit diesem Buch ins Piemont des vorigen Jahrhunderts – sie werden es nicht bereuen.


Buchhandlung Nievergelt Scheidegger & Co. AG
Franklinstrasse 23, CH-8050 Zürich
044 317 50 10
www.buchnievergelt.ch

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