Buchhandlung als Kulturzentrum

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Buchhandlung als Kulturzentrum

Von Journal21, 26.10.2018

Journal 21 hat einige besondere Buchhandlungen gebeten, sich selbst kurz vorzustellen. Heute tut dies „Wortreich“ in Glarus. Mitarbeiterinnen geben persönliche Lesetipps.

Im ehemaligen Fabrikationsgebäude mit den hohen Räumen bietet die Buchhandlung Wortreich nebst der Sortimentsbuchhandlung ein grosszügiges Antiquariat an. Sie ist kein üblicher Buchladen, sondern ist im Laufe der Jahre – es wurde dieses Jahr das Zehnjährige gefeiert – auch ein Kulturzentrum geworden. Es werden monatlich Filme gezeigt, Lesungen, Vernissagen, Konzerte, Theater, Vorträge, Workshops durchgeführt. Auch können sich die Kunden hier einfach treffen, auf einen Schwatz verweilen, in den Büchern stöbern und dazu einen hauseigenen Kaffee trinken. Verweilen kann man sich auch auf der gut strukturierten Website www.wortreich-glarus.ch mit Büchertipps, Veranstaltungs-Kalender und weiteren Infos. Ein Onlineshop sowie eine interessante Fotogalerie gehören selbstverständlich dazu.

Christa Pellicciotta macht den Leserinnen und Lesern von Journal 21 zwei Vorschläge:

Ein Umweltkrimi: «Das Meer»

Christa Pellicciotta
Christa Pellicciotta

Eine junge Biologin verschwindet auf hoher See von einem spanischen Fischfangschiff. Eine Umweltaktivistin greift zu radikalen Mitteln, um endlich die Zerstörung der Meere zu stoppen. Und drei Männer versuchen alles, um das Leben der beiden Frauen zu retten.

Wolfram Fleischhauer entwirft ein erschreckend realistisches Katastrophenszenario und erzählt zugleich von den Grenzen der Liebe und unserer Sehnsucht nach einem neuen Umgang mit der Natur. Das Thema Meer, dessen Überfischung, Verschmutzung und Kriminalität sind aktueller denn je. Trotz der sehr realistischen Geschichte bleibt es ein klassischer Umweltkrimi und keine Moralpredigt.

Töpfe & Köpfe im Glarnerland

Mir gefällt dieses neue Glarner Kochbuch, weil es nicht nur alte Glarner Rezepte bewahrt und in Erinnerung ruft, sondern auch, weil es so toll aussieht! Die Autorin, Lea Jakobovic Schindler, die bei 60 hier lebenden Personen in die Küche guckte, hat die Rezepte aufgeschrieben sowie Gerichte und Menschen in Bildern festgehalten.

Ich habe einige Rezepte nachgekocht. Vor allem die Zigerhöreli von Fotograf Fridolin Walcher sind etwas für Hardcore-Esser. Aber ich würde keine anderen mehr wollen. Von den acht Rezepten, die von Migranten stammen, konnte ich die Paella von Javier Ortega original probieren. Eine «Sonntagspaella», wie der Koch selber sagt.

Die Bezeichnung «Schlemmerschunken mit viel Herz, Butter und manchmal sogar Lunge» finde ich sehr passend. Es soll im Glarnerland Leute geben, die mit dem Buch unter dem Kopfkissen schlafen. Vielleicht träumen sie dann eine der Glarner Sagen, die im Buch erzählt werden.

Elisabeth Trümpy empfiehlt:

«Bleib bei mir»

Elisabeth Trümpy
Elisabeth Trümpy

Yeijde und Akin, junge moderne Menschen, verlieben sich, heiraten und hätten gerne ein Kind. Die Schwiegermutter erwartet, dass Yeijde bald ein Kind bekommt. Sie setzt beide unter einen enormen Druck, sie zwingt Akin, eine Zweitfrau zu nehmen, welche ihm den ersehnten Stammhalter schenken soll.

Weder Akin noch Yejide können mit dieser aufgezwungenen Lösung leben. Yeijde flüchtet sich in eine Scheinschwangerschaft und Akin sucht eine Lösung, die vorerst ganz gut funktioniert ... Der Kinderwunsch wird durch den Druck der Familie und der Gemeinschaft zur Obsession und alles verblasst und wird unwichtig – sogar die politischen Umstürze.

Die junge nigerianische Autorin erzählt in ihrem Debütroman in  blumiger Sprache nicht nur von einer grossen, trotz allen Wirrnissen unzerstörbaren Liebe, sondern auch von alten Gebräuchen und Traditionen.

Kontakt:
Buchhandlung Wortreich
Abläschstrasse 79, 8750 Glarus
055 650 25 35, [email protected]

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Tröstlich, dieser optimistische Lichtblick. Leider gehen die Leserzahlen in unseren Ortsbibliotheken seit Jahren zurück, eben so die Buchhandlungen in allen, auch grossen Schweizer Städten. Das Bücherlesen wird immer weniger von Eltern vorgelebt, dank dem Dulden der elektronischen Apparätli. Parallel dazu zeigt sich ein Verfall der korrekten schriftlichen Ausdrucksweise. Der Lehrplan 21 befeuert diesen.

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