Das Labyrinth führt zum Buch

Journal21's picture

Das Labyrinth führt zum Buch

Von Journal21, 11.01.2019

Journal 21 hat einige besondere Buchhandlungen gebeten, sich selbst kurz vorzustellen. Heute tut dies die Buchhandlung Labyrinth in der Basler Altstadt. Mitarbeiter geben uns persönliche Lesetipps.

Die "Buchhandlung Labyrinth» wurde im März/April 1984 gegründet und als «Buchhandlung und Galerie» eröffnet. Vieles veränderte sich über die Jahre. Die Galerie endete, doch die Buchhandlung blieb.

Wir finden einen Weg für Sie zum Buch – das Labyrinth hat einen Ausgang. Wir sind eine Sortimentsbuchhandlung im klassischen Sinne geblieben, haben die geisteswissenschaftliche Ausrichtung beibehalten, unsere Sachgebiete entsprechen den Departementen der Philosophisch-Historischen Fakultät. Alle weiteren Informationen finden Sie auf der Internetseite der Buchhandlung unter www.buchhhandlung-labyrinth.ch. Alle lieferbaren Bücher kann man nicht nur im Laden, sondern auch im Webshop bestellen (und nach Hause liefern lassen). Adresse Webshop: https://shop.buchhandlung-labyrinth.ch

Postadresse: Buchhandlung Labyrinth, Nadelberg 17, 4051 Basel, Telefon 061 261 5767, [email protected]

Hier wohnte und wirkte Erasmus von Rotterdam

Das Haus zur Alten Treu, das seit 1984 die Buchhandlung Labyrinth in ihrem Erdgeschoss beherbergt, hat eine lange Geschichte hinter sich.

Erbaut wurde es nach dem Erdbeben von 1356, wahrscheinlich im Jahre 1362. Sein erster Besitzer war der Junker Hug von Drachen. Das Haus wurde dann von weiteren Junkern, Familien, Handelnden und sogar einem Ritter bewohnt. Von 1521 bis 1529 nannte Erasmus von Rotterdam die Alte Treu sein Zuhause, zuerst als Gast bei dem Buchdrucker Hans Froben, dann, als dieser starb, als Besitzer. In Folge der Reformation verliess Erasmus Basel im Jahre 1529 und das Haus fiel in die Hände der Nachkommen des Buchdruckers Froben.

Nach einigen Besitzerwechseln wurde Niklaus Bernoulli, wahrscheinlich im Jahre 1678, durch die Heirat mit Margaretha Schönauer, Eigentümer des Hauses. Er war der Vater der beiden Mathematiker Jakob und Johannes, die zusammen mit ihrem Bruder Niklaus, der später das Haus erben sollte, hier aufwuchsen.

Buchempfehlungen von drei Mitarbeitern

Die drei Labyrinth-Mitarbeiter Vera Marti, Julian Dilmi und Cedric Lutz
Die drei Labyrinth-Mitarbeiter Vera Marti, Julian Dilmi und Cedric Lutz

Julian Dilmi empfiehlt

Julia von Lucadou: Die Hochhausspringerin.Hanser Berlin 2018

Im Zuge des neuen utopischen Genres nach Dave Eggers beschreibt Julia von Lucadou eine gläserne, glitzernde Stadt, in der alles dank einer totalen, medial funktionierenden Technologie (beinahe) unter Kontrolle ist. Das (Beinahe) holt die Zukunft eng an die Aktualität heran – und den digitalen Totalitarismus an den einzelnen Menschen. Riva ist eine erfolgreiche Hochhausspringerin, die dank der neuen Welt zu Ansehen und Prosperität gelangt ist, die sich aber mit Beginn des Romans aus unerfindlichen Gründen weigert, weiter mitzumachen. Trotz lückenloser medialer Kontrolle ist sie von ihrer Weigerung nicht abzubringen und wird aus der Welt ausgeschlossen und in die Slums verbannt. Rivas Beobachterin aus dem Überwachungsapparat, Hitomi, die Riva zum Weitermachen bringen soll und damit scheitert, erleidet aufgrund dieses Misserfolgs dasselbe Schicksal wie Riva, begibt sich danach in eine Wellness-Klinik für das totale Vergessen. Dort lernt sie all jene Methoden an sich zu verwirklichen, die Bedingung sind, um als Hochhausspringerin überhaupt aufgenommen zu werden. Anstelle von Riva begibt sich nun Hitomi in dieselbe Vertikalität, die sie weit hinaushebt über die gläserne, glitzernde Welt.

Hanser, 2018, 3. Auflage, 288 Seiten

                                                 ***

Vera Marti empfiehlt

Vincenzo Todisco: Das Eidechsenkind

Das Kind ist ein Geheimnis. In Ripa – zu Hause im Heimatland – ist es glücklich, im Gastland darf es nicht sein. So verbirgt es sich, huscht wie eine Eidechse immer ins nächste Versteck. Durch Mauerritzen und unter Möbeln hervor beobachtet es das Leben draussen: den tyrannischen Chef des Vaters, das biedere Hausmeisterpaar, die spielenden Nachbarskinder. Die Jahre vergehen und das provisorische Leben im Gastland wird zur Wirklichkeit. Die Eltern arbeiten unter unwürdigen Bedingungen bis zum Ende ihrer Kräfte und bis ihre Träume zerstört sind. Derweil wird das Eidechsenkind unsichtbar, versteckt sich in den dunkelsten Ecken des Hauses und seiner selbst. Nur wenigen Nachbarn, die selber Aussenseiter sind, zeigt es sich und findet in ihnen Freunde und Verbündete. Die Geschichte des Eidechsenkindes, das nicht einmal einen Namen hat, mag erfunden oder ausgeschmückt sein, sein Schicksal als Kollateralschaden der Gesellschaft hat es wohl mit vielen anderen Gastarbeiterkindern der Schweiz geteilt. Umsichtig und wirkmächtig nimmt sich Vincenzo Todiscos neuer Roman dieses dunkeln Kapitels der jüngeren Geschichte an.

Rotpunktverlang, 2018, 216 Seiten

                                                ***

Cedric Lutz empfiehlt

Erich Hackl: Am Seil. Eine Heldengeschichte

Reinhold Duschka versteckt während der Naziherrschaft die Jüdin Regina Steinig und deren Tochter Lucia vier Jahre lang in seiner Werkstatt in Wien. Ein weiterer von Erich Hackl literarisierter Tatsachenbericht über einen Helden, der keiner sein wollte.

Diogenes, 2018, 128 Seiten

 

 

 

 

 

 

Dringender Aufruf der Buchhandlung Labyrinth

Liebe Freunde, Kunden und Interessierte der Buchhandlung Labyrinth

Seit der Neugründung unserer Buchhandlung im April 2015 generierten wir jedes Jahr mehr Umsatz und dennoch reicht es noch nicht. Um weiter zu bestehen, braucht es einen Bewusstseinsumschwung unter der Basler Leserschaft wie auch unter den Universitätsgelehrten zu konsequent lokalem Denken und Handeln.

Dringend gebraucht: grosszügige Spenden und Kundschaft! Viel mehr Kundschaft sowie ein reges Interesse und eine Zugewandtheit unserer Buchhandlung gegenüber. Im Klartext: Wir erhalten Spenden, um uns von Minusbeträgen zu befreien und wir erzielen einen höheren Umsatz dank Ihnen als Kunden. – In der bisherigen Lage kann die Buchhandlung Labyrinth nicht weiter existieren. Notwendige technologische Investitionen (neue IT, Warenwirtschaftssystem, Webshop) und Kosten für unsere Veranstaltungen führten zum Minusbetrag. In Zukunft soll das «Forum Labyrinth» eigenständig und die Buchhandlung mit einem schlanken Kostenmanagement geführt werden.

Das Labyrinth liegt nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt. Für alle Buchliebhaber und Vielleser unter der Laufkundschaft ist dennoch ein kleiner Umweg erforderlich, um zu uns zu finden, ein Umweg, der sich auf jeden Fall lohnt. Sich von Gewohnheiten zu lösen und der altbekannten Büchereinkaufsmentalität die Stirn zu bieten, ist gefragt. Wir brauchen Sie, deshalb wollen wir Sie und Ihr gesamtes Umfeld, Ihre Freunde, Bekannten, Verwandten und Ihre Studenten einladen, in unsere Buchhandlung zu kommen und Bücher zu kaufen. Leseratten aus allen verborgenen Winkeln Basels: «Vereinigt Euch!» Tragen Sie mit Ihrer Liebe und Ihrem Enthusiasmus zum Überleben des Buches bei. Ihre Nachfrage und Ihre Kauflust sichern unser Fortbestehen.

Wir sind eine geisteswissenschaftlich orientierte Buchhandlung und führen auch eine differenzierte Auswahl an Belletristik und Lyrik. Eine spezielle Abteilung für Schweizer Literatur ist ebenso vertreten wie eine Abteilung für englischsprachige Bücher. – Bestellen können Sie jedes Buch. Auf unserer Homepage erfahren Sie mehr:

http://www.buchhandlung-labyrinth.ch/

Wenn Sie uns helfen und etwas zur Rettung unserer Buchhandlung beitragen möchten, überweisen Sie bitte bis 31. Januar 2019 Ihren gewünschten Betrag (jeder Franken zählt!) auf folgendes Konto:

Bankname und Adresse: Freie Gemeinschaftsbank, 4001 Basel

Konto: 40-963-0, IBAN: CH87 0839 2000 1534 8133 1 Zugunsten von: Buchhandlung Labyrinth GmbH, Nadelberg 17, 4051 Basel Vermerk: Rettung Labyrinth

Ähnliche Artikel

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren

Das Historische Bild