Trump und die Joker

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Trump und die Joker

Von Ignaz Staub, 20.02.2017

US-Präsident Donald Trump und sein Team sind längst populäre Ziele der Satire. Zu Unrecht, finden neuerdings einige.

Unter den einzigen, die von Donald Trumps Präsidentschaft uneingeschränkt profitieren, sind Amerikas TV-Satirikerinnen und -Satiriker. Nacht für Nacht oder Woche für Woche persiflieren sie einen Commander-in-Chief, der – zugegeben! – ein leichtes Ziel abgibt, von seinem Äussern mit dem einzigartigen Haarkonstrukt bis hin zu seinen inkohärenten Äusserungen bei Pressekonferenzen. Satirische Nebenschäden treffen Trumps Stab wie etwa Beraterin Kelleyanne Conway, die Erfinderin „alternativer Fakten“, oder Pressesprecher Sean Spicer, der den schwierigen Job hat, zu verteidigen, was sich nicht verteidigen lässt.

Im Element war der 45. US-Präsident letzte Woche während eines 77-minütigen Solo-Auftritts im Weissen Haus, als er wiederholt die Medien aufs Übelste beschimpfte, oder beim Besuch einer Flugzeugfabrik in South Carolina, als er zum Thema Flüchtlinge und Terrorgefahr etwas Schlimmes erwähnte, das sich tags zuvor in Schweden ereignet hatte: „Schweden, hätten Sie das für möglich gehalten?“ Dumm nur, dass die Skandinavier nichts von einem Attentat in ihren Grenzen wussten. „Schweden? Terroranschlag? Was hat er geraucht? Fragen über Fragen“, schrieb Ex-Premier Carl Bildt auf Twitter.

Trotzdem werden in amerikanischen Medien neuerdings Stimmen laut, die finden, die heimische Satire fahre gelegentlich zu schweres Geschütz gegen Donald Trump und seine Entourage auf. Als Beispiel nennen sie einen Sketch der Sendung „Saturday Night Live“ (SNL) des Fernsehsenders NBC. In Anlehnung an den Film „Fatal Attraction“ zeichnet der Sketch Kellyanne Conway als verführerischen Vamp, der alles versucht, um die Aufmerksamkeit der Medien zu erregen. Solche Satire sei frauenfeindlich, hiess es, und die Trump-Beraterin sei zudem Mutter von vier Kindern. Ganz so, als wäre Frau- und Muttersein eine Lizenz zum böswilligen Verdrehen von Fakten.

„Was darf Satire?“ hat Kurt Tucholsky 1919 im „Berliner Tagblatt“ gefragt. Seine Antwort: „Alles.“ Heute im Zeitalter politischer Korrektheit („man/frau“), religiöser Empfindlichkeit („Charlie Hébdo“) und persönlicher Dünnhäutigkeit (Recep Tayyip Erdogan) wird diese Absolutheit auch juristisch relativiert. „Boshaft kann er (der Witzereisser) sein, aber ehrlich soll er sein“, fordert Tucholsky: „Das ist kein rechter Mann und kein rechter Stand, der nicht einen ordentlichen Puff vertragen kann.“

Einigkeit besteht in der Gesellschaft  inzwischen wohl darüber, dass Satire ihre Ziele von unten anvisieren und dass sie Mächtige, nicht aber Wehrlose lächerlich machen soll. Beide Voraussetzungen sind im Falle Trumps, des mächtigsten Mannes der Erde, gegeben. Der Egomane ist alles andere als wehrlos und teilt ohne Bandagen gegen alle aus, die ihm missfallen – gegen Bürgerrechtler, Demokraten, Frauen, Journalisten, Muslime, Richter. „Er mag sich mit denselben Mitteln dagegen wehren, er mag widerschlagen“, gesteht Kurt Tucholsky einem von Satire Betroffenen zu: „Aber er wende nicht verletzt, empört, gekränkt das Haupt.“  Genau das aber tut Donald Trump und dafür bestraft ihn die Satire. Wie sagt der deutsche Aphoristiker Manfred Hinrich? „Grossmaul reimt sich auf Kleingeist.“

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Kommentare

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Ziele der Satire
Warum gibt es nicht mehr Satire mit Angela Merkel, als späte Rache der DDR für die Annexion/Wiedervereinigung? Weil es viel zu traurig ist? Eine von ihr gespaltene Gesellschaft in Linke und Rechte und eine EU kurz vor dem Zerfall sind wohl nicht besonders lustig.

Von Trump lernen heißt siegen lernen.

US-Präsident Trump will die Einwanderung auf die Leistungsfähigkeit von Migranten abstellen: Nur wer für seinen Lebensunterhalt sorgen kann, soll in den USA eine Chance erhalten. Bei der Immigration schlug er ein neues Konzept vor, indem er einem leistungsorientierten System wie Australien oder Kanada das Wort redete. Damit wird die Immigration von Hochqualifizierten befürwortet, welche die amerikanischen Unternehmen benötigen und die wirtschaftlich auf eigenen Füssen stehen können. Dagegen erteilte er der Immigration von Unqualifizierten und Armen ganz klar eine Absage. Im bisherigen System seien sie Lohndrücker für die einfachen Arbeiter und Sozialhilfebezieher, welche die Gemeinwesen belasteten.

Demontieren sich die Medien nicht selbst, wenn sie Trumps Aussagen so interpretieren, dass man es als "alternative Fakten" bezeichnen müsste? Er sprach ja nicht von einem Anschlag. Das wird ihm in den Mund gelegt.
Es erinnert ein wenig an die Uminterpretation der Rede von Putin zum Thema Zerfall der Sowjetunion. Oder an Reagans Coup, wo er eine Rede des Sandinistenführers derart um interpretierte damit der Kongress der Finanzierung der Contras zustimmte.
In beiden Fällen hatten die Medien diese postfaktischen Interpretationen in eine Medien-Kampagne um gemünzt obwohl sie Zugang zu den Quellen, den Reden, hatten.

Und hierbei scheinen wir wirklich im Post-faktischen Zeitalter angekommen zu sein. Während Trump aus egozentrischen Gründen die Massenmedien verunglimpft, geben sich die fortschrittlichen Kräfte in einer Reihe mit McCain und Clinton als Verteidiger der Massenmedien. Man muss sich das vergegenwärtigen, dass gerade auch viele Fortschrittlichen Kräfte welche die Zuschreibung, die Massenmedien seien die 4.Gewalt im Staat, mit genügend Beweisen als utopische Vorstellung entlarvten, nun an der Seite von US-Falken für diese Medien eintreten.

Chaplins Grosser Diktator ist nach wie vor unerreichte Satire. Ein Meister macht aus dem miesesten Vorbild grosse Kunst.
Das Rezept: Perspektive von ganz unten. Die US-Satiriker scheinen mir das aber aus der Perspektive der gescheiterten Kandidatin zu versuchen. Da wird der schärfste Blick trübe.
MfG
Werner T. Meyer

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