Trump braucht einen Krieg

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Trump braucht einen Krieg

Von Urs Meier, 14.08.2017

Der gefährlich erfolglose Präsident schürt den Konflikt mit Nordkorea. Noch besteht Hoffnung, dass es beim Krieg der Worte bleibt.

Er bringt einfach nichts zustande. Obamacare ist nicht abgeschafft und durch „etwas Grossartiges“ ersetzt. Die Wunder wirkende Steuerreform wurde noch nicht in Angriff genommen. Herausposaunte Arbeitsplatzbeschaffungen sind als Propagandatricks entlarvt. Von der gigantischen Offensive zur Instandstellung der Infrastruktur ist nichts zu sehen. Im Weissen Haus herrscht Dauertumult. Die Schlinge der Ermittlungen in der Russland-Affäre zieht sich zu. Zustimmungswerte des Präsidenten: abgesoffen. Anfängliche Euphorie der Börsen: verflogen.

Will Trump nicht den letzten Rückhalt in seiner Partei und die Glaubwürdigkeit beim harten Kern seiner Fans verlieren, so muss er liefern – und zwar rasch. Da hilft aus seiner Sicht einzig ein äusserer Feind. Kim Jong Un, das pöbelnde und zündelnde Milchgesicht mit umgekehrter Trump-Frisur und einem Hang zu bombastischer Rhetorik, kommt da wie gerufen. Trumps sich überschlagende Entgegnungen sind weder mit seinem Kabinett noch mit der Armeeführung abgesprochen. Das zeigt nur, wie sehr er auf diese Gelegenheit gewartet hat.

Kein Zweifel, Kim Jong Un ist gefährlich und wird es mit jedem Tag mehr. Aber er ist berechenbar. Dem nordkoreanischen Potentaten geht es allein um den Machterhalt – seine einzige Überlebenssicherung. Mit Leuten wie ihm sind Deals, auf die sich Trump angeblich so hervorragend versteht, möglich. Denn Politik kann man auch mit Schurken machen, wenn deren Interessen bekannt und kalkulierbar sind.

Der Konflikt kann ausser Kontrolle geraten, wenn Trump sich nicht darauf besinnt, als grösster Dealmaker aller Zeiten gelten zu wollen, sondern vielmehr den militärischen Beweis sucht, dass „America great again“ ist. Was man bei ihm nicht weiss: Unterliegt er tatsächlich dem Wahn, beim Pulverfass Korea sei eine schnelle kriegerische Problembeseitigung möglich? Oder glaubt er als notorisches Grossmaul schon gesiegt zu haben, wenn er lauter und drohender ist als der Feind? Das zweite liesse die Hoffnung zu, dass es beim Krieg der Worte bleibt.

Kommentare

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Krieg der Worte;
Krieg der Knöpfe;
Krieg der Hosenlatzknöpfe..........
Ein gefährliches Spielchen von zwei verkorksten Lümmeln, die von Mephistopheles (da gibt es so einige Kopien in deren Entourage) persönlich eingeflüstert werden. Phönix aus der Asche und derlei destruktive Gehirngespinste.
Und die 'vernünftige' Welt schaut diesen an "Apocolocyntosis" (Seneca) leidenden Typen zu als wäre das eine "Black Comedy".
Wieder zu viele Worte für zwei "Borderliner"!

der autor dieses artikels denkt nach meines erachtens überholtem politischem muster: wers innenpolitisch nicht richten kann, soll es aussenpolitisch, immer mit dem ziel vor augen, das fussfolk euphorisch zu gunsten des regierenden zu stimmen.
der jetzige präsident von amerika kam nicht aus dem politischen gezüchteten lager von parteigängern mit entsprechendem denkmuster, sondern aus der wirtschaft, so ziemlich ahnungslos, wie politik zu machen ist. es fragt sich, wie sie zu machen ist? nach veraltetem denkmuster oder nach demjenigen, welches zur zeit populär ist (türkei, ungarn, russland, frankreich, etc.). wers noch nicht gemerkt hat: wir geraten zusehends in eine neue form der politik, wo populismus und wählergunst mehr zählt, als political corectness basieren aus historisch gewachsenen parametern. hauptgrund für das mit einhergehende dahinschmelzen ethischer werte ist das versagen eben dieser verstaubten und abgehobenen denkweise politischer eliten, die sich vom volk entfremdet haben. dabei darf nicht vergessen werden, dass mr. trump nicht dumm sein kann und er sehr wohl risiko und nutzen als erfolgreicher geschäftsmann gut abwägen kann.
die zukunft wird zeigen, ob journalisten wie der autor dieses artikels dem "journalistischen populismus" verfallen gewesen sind oder ein schlaumeier die neuen politischen verhaltensweisen intelligent genutzt hat, um im eigenen stall, und damit meine ich die politische kultur in den usa, aufzuräumen und amerika ins neue politische denkzeitalter zu führen. nötig wäre ein politischer umbruch in neue rasterdenkweisen allemal.

wie sieht denn ihrer Meinung nach das neue politische Denkzeitalter aus, in dass der Messias Trump die USA führen wird? Und bitte beachten: die Erklärung sollte 140 Zeichen nicht übersteigen. Denn länger ist ein Tweet nun halt mal nicht. Und die Türkei, Russland Ungarn und co als Vorbilder für diese Entwicklung zu nennen lässt tief blicken. Denn dort heißt Politik fürs Volk (der so gelobte Populismus) doch nur dass alle die, die die Meinung des Herrschenden nicht teilen als "terroristen" oder "Volksverräter" gebrandmarkt und verfolgt werden. Und nein: in CH oder DE ist vergleichbares für Vertreter einer vom "Mainstream" abweichenden Meinung nicht zu erwarten. Allem Wehklagen über angebliche "denkverbote" oder "gesinnungsterror" zum Trotz.

Solange China und die USA nicht an einem Strang ziehen, hat Kim Jong-un mehr oder weniger Narrenfreiheit. Die Chinesen fürchten nicht den Krieg mit Nordkorea, aber die anschliessenden Folgen. D. Trump wird nur aktiv werden, wenn die Nordkoreaner einen wirklichen militärischen Fehler machen. Sonst wird er sich verhalten wie sein Vorgänger B. Obama, ausser bei den Worten und auf Twitter.

Auch wenn sich die Akteure aus Ost und West dieses groteske Nordkorea extra dafür aufbewahrt und genährt haben, werden es die Amis unter Trump hoffentlich aufgeben, dort auch noch einen neuen Krieg anzetteln zu wollen. Dass ein nordkoreanischer Raketenangriff gegen Ziele auf US-Territorium nach siebzig Jahren Entwicklung militärischer Raketenabwehr Aussicht auf Erfolg haben könnte, ist dazu nahezu ausgeschlossen. Bloss wenn am selben Tag gleich alle Abwehrmassnahmen wie an 9/11 in vom Vizepräsidenten selber geleiteten Manöver verwickelt wären und die Gegenmassnahmen deshalb verwirrt würden und nicht wüssten, ob die Angreifer nun eine Übung oder es ernst ist und dann auf Befehl nichts unternähmen und die Feinde deshalb ins Ziel träfen, wäre als kleine Verschwörungstheorie am Rande aber noch vorstellbar.

9/11 als großer Bluff der CIA. Bin Laden und al Kaida als Teil der Verschwörung? Dunkle Mächte allerorten? Ockhams Razor allein steht dagegen, aber wenn das eigene Weltbild den Glauben an die USA als Wurzel allen Übels benötigt ...

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