Totalitarismus 2.0

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Totalitarismus 2.0

Von Urs Meier, 15.08.2013

Der Mensch, der Verbrecher, der Terrorhelfer.

Die nach Snowdens Enthüllungen um Geheimdienste und Überwachungsinstrumente entbrannten Debatten sind kein mediales Sommertheater. Angesichts der Tragweite des Skandals ist die Aufregung sogar erstaunlich bescheiden. Was zum Vorschein kam, ist für eine offene Gesellschaft ungeheuerlich: Es wird nicht etwa Verdächtiges gezielt observiert, sondern schlicht alles, und zwar von allen: Telefongespräche, E-Mails, ja offenbar sämtliche durch Netze laufende Daten. Ein riesiges Heer von Spezialisten durchforscht mit aberwitzigen Einrichtungen den gesamten digitalen Kosmos. Ansatzweise wird nun erhellt, in welchem Ausmass Staaten, die sich als Vorposten des «freien Westens» verstehen, totalitäre Strukturen aufgebaut haben. Sie handeln nach den Paradigmen des Generalverdachts und der Verachtung. Menschen sind nach ihrer Logik generell als Verbrecher und Terrorhelfer verdächtig, und sie sind so blöd zu glauben, sie hätten eine geschützte Privatsphäre. Die seit einem Jahrzehnt als «Web 2.0» gefeierte Entwicklung einer digitalen Parallelwelt schlägt um in den von Mahnern seit je befürchteten «Totalitarismus 2.0». Wer meint, davon nichts befürchten zu müssen, wird die Auswirkungen auch noch bemerken, nur eben vielleicht zu spät. Das im Zuge der Totalüberwachung vom souveränen Bürger zum gegängelten Untertan umgedrehte Menschenbild verändert schleichend Politik und Gesellschaft. Und wo sensible Daten heimlich und unkontrolliert angehäuft sind, da werden sie missbraucht, unvermeidlich. (Urs Meier)

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Kommentare

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Der Datenmissbrauch und der Grund dafür geht uns alle an. Es müsste jetzt eigentlich langsam auch allen bewusst werden!
Tatsache ist auch, dass es weltweit Milliarden von Usern gibt, die in allen Bereichen des Lebens Daten produzieren (ausser auf dem Klo?).
Angesichts der riesigen Masse von Menschen und den gigantischen Datenflüssen die von ihnen jede Sekunde übermittelt werden und die von den Geheimdiensten überwacht und kontrolliert werden sollen, müsste aber auch klar sein, dass bis zum heutigen Tag ein totaler Bigbrother mehr eine stragegisch geschürte Angstvision ist als mögliche nackte Tatsache.
Angesichts der Reaiität in der (jetzt gerade) Milliarden von Menschen weltweit den Geheimdiensten und Regierungen gegenüberstehen, (gegenüber - nicht an der Seite!) sollte man sich aus der Schockstarre dieser neuesten Enthüllungen befreien und neben dem was man eigentlich schon immer hätte wissen können (!)
sich darüber klar werden, dass sämtlichen Aktivitäten der Geheimdienste niemals die ersehnte Kontrolle über die schwer lenkbaren Massen erreichen können. Man lügt, manövriert, schindet Zeit, bleibt undurchsichtig und lnszeniert so in den Gehirnen der Völker den grossen schwarzen Schatten dem sie hilflos ausgeliefert sind wenn sie nur schon die Kaffeemaschine anstellen (könnte verwanzt sein!)
Das alles an Daten gesammelt wird was zu kriegen ist glaube ich sofort, aber sinnvoll auswerten kann man sie (noch) nicht und mit dem ausgewerteten Material was nützliches anfangen schon gar nicht (wie war das in Boston?).
Das Heilmittel gegen Regierungen mit ausser Kontrolle geratenen und autonom agierenden Geheimdiensten ist immer noch das Bewusstsein darüber, dass sehr Wenige mit allen windigen Tricks zu verindern versuchen das die Vielen sich ihrer wahren Macht bewusst werden und anfangen ihr "Potential" auszuleben.
Das steckt dahinter, deshalb lügt man über die Macht der Schlapphüte und bläst das ganze tüchtig auf.
Zufälligerweise kommen diese sicher wahren Enthüllungen genau zu Zeiten ans Licht in denen alles was mit Globailsierung/Verfilzung von Politik und Wirtschaft, wirtschaftlicher Absturz von USA/EU etc. und das zunehmende Elend der Bürger aller Staaten sich nicht mehr schönreden lässt.
Angst machen - hat erste Priorität - wenn schlimme Wahrheiten ans Licht kommen.

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