Teufelskreis

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Teufelskreis

Von Alex Bänninger, 07.08.2017

Für den Bundesrat sind jetzt Signora oder Madame, Signore oder Monsieur dran. Heimatschein vor Leistungsausweis. Ziemlich riskant.

Die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Mitglieds des Bundesrates brauchen keine Spannung. Sonst übertrifft die Aufregung die Bedeutung des Geschäfts. Auf die Gewähr kommt es an, es würden die besten Kräfte nach bestem Gewissen um die beste Lösung ringen. Dieser Anspruch ist offenbar so kompliziert, dass er auch bei der gegenwärtigen Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten nicht in die handelnden Köpfe will.

Die Parteispitzen interessiert vorab, ob die Nachfolge von Didier Burkhalter weiblich oder männlich, aus dem Tessin oder der Romandie geregelt wird. Heimatschein und Geburtsurkunde als Erleuchtung. Auch die Frage spielt eine Rolle, wie sich die Kandidatur auf die Besetzung der übernächsten Vakanz auswirkt. Taktisches Gambling eben.

Es drückt sich um die allein wichtige Antwort herum, ob die diskutierten Personen fähig sind, zum Landeswohl eine der schwierigsten und anstrengendsten Führungsaufgaben zu meistern. Die Prüfung vergleichbarer Leistungsausweise fehlt. Mit ihr würde klar, wer blitzgescheite Ideen besitzt und den Mut, Stürmen zu trotzen. Doch es gilt tatbeständlich die Zuversicht, wem Gott ein Amt gebe, dem gebe er auch Verstand.

Erweist sich dieser Glaube als Irrtum, greift die Bundesverwaltung noch so gerne korrigierend ein. Die eidgenössischen Räte vernebeln dann ihren Schnitzer mit bitteren Klagen über die Verbürokratisierung der Schweiz. Ein Teufelskreis.

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Kommentare

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Endlich! Das erste Mal, dass ich diese richtige Erkenntnis von einem Journalisten niedergeschrieben sehe. Dieser Matrixraster von Partei-, Geschlechts-, Parlaments- und Kantonszugehörigkeit beschränkt die Auswahl in fahrlässiger Weise auf eine einstellige Zahl an meist mässig geeigneten Personen.

Der Ruf nach einer "Herrschaft der Weisen" (oder neuerdings Expertokratie) ist etwa so alt, wie die Menschheit. Die Botschaft hat man oft gehört, nur dass der Glaube daran zum Glück meist fehlte. Zum Glück, weil das Erfolgsgeheimnis unseres politischen Systems wesentlich auf Kompromissen und Mittelmässigkeiten beruht: Auch als oberste Magistraten machen da normale Menschen einfach nur ihr Möglichstes. Und was sie dem Volk (Souverän) nicht erklären können (Steuergeschenke für reiche Aktionäre und Grossfirmen, "Friedens"-Kampftruppen ins Ausland, unnötige Bombenflugzeuge, Rentenalter 67 oder EU-und Nato-Beitritt), das lassen sie eben bleiben. Zum Glück auch: Regierung und Parlament haben auch sonst noch genug (Sinnvolles) zu tun. Niklaus Ramseyer, BERN

Das ist ein Faktum von vielen, warum der Bürger das, was mit Politik und ihren Protagonisten zu tun hat, als abgekartetes, jegliche Glaubwürdigkeit zersetzendes Spiel bezeichnet. Diese Leute untergraben das Gute am System Demokratie genauso wie die Lügenbarone der Konzerne das Gute am System Marktwirtschaft.

Ja Herr Bänninger, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Es kommt doch nur darauf an, wer gescheit genug ist, das Amt eines Bundesrates oder Bundesrätin auszuüben. Können wir Schweizer und Schweizerinnen nicht endlich diesen unsäglichen und schier unerträglichen Kantönligeist in wichtigen Fragen überwinden? Auch ob Frau oder Mann ist doch unwichtig, Qualität ist gefragt. Wir haben doch schon genug Mittelmässigkeit in unserer Führungsetage.

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