Spass mit Fragezeichen

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Spass mit Fragezeichen

Von Stephan Wehowsky, 19.03.2019

Der Autoverkehr könnte insgesamt deutlich weniger Schadstoffe ausstossen, wenn nicht so viele massige Offroader gekauft würden.

Ein kompetenter Fachjournalist hat heute auf der Technik- und Motorseite einer Tageszeitung, die sich speziell an „kluge Köpfe“ wendet, eine Glosse zu einem neuen SUV von BMW veröffentlicht. Der neue SUV X7 sei 5,15 Meter lang, wiege 2,5 Tonnen, der Motor habe 4,4 Liter Hubraum und leiste 462 PS. Speziell Frauen seien davon hellauf begeistert. Er ist es auch.

Sein Argument für diese Protzkiste: Die Kunden wollen es so. „Soll man denn jeden Spass verbieten?“, fragt der Motorjournalist. Schliesslich seien Kundinnen und Kunden speziell in den USA, China und den Golfstaaten ebenfalls ganz wild darauf. Offenbar handelt es sich um ein weltweites Begehren, das selbstverständlich auch in Europa befriedigt werden muss.

Umgekehrt hören und lesen wir von Autos, die in der Zukunft fast emissionsfrei umhersirren sollen. In den PR-Abteilungen und der Werbung der grossen Automobilhersteller wird gern die Verantwortung beschworen, die man wahrnehme, indem man in diese Zukunftstechnologien investiere. Offenbar will man auf zwei Hochzeiten zugleich tanzen: Für die Grünen plant man elektrisch, bei den anderen bedient man energiefressende Machtfantasien.

Sollen wir Herstellern, die derartig widersprüchlich auftreten, abnehmen, dass sie aus eigener Verantwortung heraus handeln? Eher liegt der Gedanke nahe, dass sie gegenwärtige und künftige Trends zu gleichen Teilen bedienen wollen. Das nennt man doppelzüngig.

Und es stimmt auch nicht, dass der „Spass“, für den sich der erwähnte Motorjournalist in seiner Glosse einsetzte, etwas Naturwüchsiges wäre, auf das die Automobilindustrie in aller Unschuld bloss reagierte. Kundenwünsche werden durch Angebote erst geweckt. Je mehr Offroader auf den Strassen rollen, desto mehr steigt die Nachfrage.

Die Automobilindustrie hätte sehr wohl die Möglichkeit, hier steuernd einzugreifen. Und das Argument, wenn wir es nicht bauen und verkaufen, tun es eben die anderen, zieht nicht. Denn in vielen Bereichen sprechen sich die Anbieter hinter den Kulissen ab – nicht selten zum Nachteil ihrer Kunden. Aber da dieser Spass mit den Material- und Spritfressern nun einmal sein muss, tun sie es nicht. Statt dessen setzen Politiker verschärfte Grenzwerte und lösen damit in der Industrie Zeter und Mordio aus. Reglementierung, Reglementierung!, heisst es dann auch in dem Blatt für kluge Köpfe. Aber irgendjemand muss dem Wahnsinn schliesslich Grenzen setzen.

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Ein Denkfehler: Es ist nicht der Besitz eines SUV, der mich zum Umweltsünder macht, sondern der Gebrauch. Ich fahre mit meinem Offroader rund 10'000 km pro Jahr und stosse damit weniger CO2 aus, als der Fahrer eines Kleinwagens, der pro Jahr 25'000 km unterwegs ist.

Zuerst versucht es die Politik mit Aufrufen zu freiwilliger Vernunft, was aber selten bis nie klappt, und dann müssen wegen dieser kleinen Gruppe von Uneinsichtigen halt Gesetze oder Verordnungen erlassen werden. Im konkreten Fall wohl durch eine massive Zusatzbesteuerung dieser Strassenpanzer, welche beim älteren Fahrer abnehmende Potenz verraten und bei den jüngeren fehlende Persönlichkeit und Selbstvertrauen. Und ja, Frauen gibt es ja auch, welche diese Dinger fahren. Was wird wohl dort kompensiert?

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