Schwamm drüber, wir fliegen wieder

Heiner Hug's picture

Schwamm drüber, wir fliegen wieder

Von Heiner Hug, 13.08.2018

Die JU-Air reagiert unsensibel und unbeholfen auf die Vorwürfe der Pietätlosigkeit.

Am kommenden Freitag, nicht einmal zwei Wochen nach dem Absturz am Piz Segnas, wird die JU-Air wieder fliegen. Es war die grösste Flugzeugkatastrophe in der Schweiz seit 17 Jahren. 20 Menschen starben. Doch man wartete nicht einmal die Identifizierung der Opfer ab. Schon gab die Gesellschaft bekannt, sie würde bald wieder fliegen. Fast stolz sagte ein JU-Air-Sprecher, die Flüge seien bis auf weiteres ausgebucht. Das Wort Pietät gilt heute nicht mehr viel. Aber wäre es nicht angebracht gewesen, im Andenken an die Opfer und aus Respekt vor ihren trauernden Angehörigen ein starkes Zeichen zu setzen und den Flugbetrieb für eine Zeit lang auszusetzen? Nicht für zwei Wochen, sondern für zwei, drei Monate. Sozusagen als verlängerte Schweigeminute. Nein, die Airline reagierte nach dem Motto: Dumm gelaufen, aber Schwamm drüber, wir fliegen wieder, und zwar so schnell wie möglich. Hätte man nicht – im Minimum – die Beerdigung der Opfer abwarten müssen, bevor man die Wiederaufnahme der Flüge bekanntgab? Noch heute wirbt sie auf der Homepage mit dem Slogan: Mit der JU-Air macht fliegen Spass. Hätte man diesen Claim nicht für einige Zeit aussetzen sollen?

Die JU-Air reagierte wenig professionell auf die Vorwürfe der Pietätlosigkeit. „Man muss doch sehen“, sagte ein JU-Air-Sprecher, „dass es bei einer normalen Airline kein Grounding gegeben hätte“. Doch die JU-Air ist keine normale Gesellschaft, niemand ist auf sie angewiesen. Die JU-Air ist eine reine Fun-Air-Gesellschaft. Und den Fun hätte man nach dem schmerzenden Ereignis am Piz Segnas für einige Zeit ruhen lassen können. Die JU-Air hat nicht nur durch den Absturz einen riesigen Schaden erlitten. Ihr unprofessionelles, unsensibles Verhalten nach dem Unglück hat schwer an ihrem Image gekratzt.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Ganz Ihrer Meinung Herr Hug! Eine Tragik für sich. Unglaublich die fehlende Sensibilität gegenüber Opfern. Um so mehr es sich höchst wahrscheinlich (auch) um menschliches Versagen gehandelt hat: Nichtberücksichtigung von Hitze z.B. Wo sind die Medien, die darauf hinweisen?

Lieber Roland Huber,

der JU-Air Pietaetslosigkeit vowerfen um im selben Atemzug selbst kraeftig in den Fettnapf zu treten. Ihre Vermutung, "hoechst wahrscheinlich" menschliches Versagen ist ein Affront gegenueber den toten Piloten, ein Schlag ins Gesicht von deren Angehoerigen, den Arbeitskameraden, den Freunden der beiden. Was berechtigt Sie zu dieser Annahme ? Geradezu zynisch die Frage an die Medien, doch Fakten zur Unfallursache zu vermelden. Es waeren alles Erfindungen von sogenannten moechtegern "Experten", denn auch die Fachleute haben bis heute kein Ergebnis fuer die Absturzursache. Mangels Aufzeichnungsgeraeten ist es auch aeusserst schwierig zu ergruenden was wirklich passierte. Alle Laien haben nur eine Aufgabe jetzt ; schweigen.

Bei der "fehlenden Sensibilität gegenüber Opfern" bleibe ich! Warten wir zusammen ab, Herr Froehlich, was der finale Bericht über die Ursache aussagen wird.

Lieber Heiner Hug,

zu Trauer, Pietaet, Zeit kann man ganz verschiedene Auffassungen haben. Sie ihre, ich meine.
Ihre Behauptung, niemand ist auf die JU-Air angeweiesen, bei allem Respekt, ist respektlos gegenueber saemtlichen Mitarbeitern , deren Familien. Es geht um Arbeitsplaetze und Lohn.
Vereinfachend ist zu sagen, jede Fluggesellschaft koennte theoretisch fueer einige Monate trauern und nicht mehr fliegen, es hat genug Ersatz. Wie war das noch beim German-Wing Drama ? Ich googelte "german wing absturz bedtriebseinstedllung" : Kein Ergebnis !

Der Unfall machte auch mich betroffen. So sandte ich Herrn Kurt Waldmeier die nachstehenden Zeilen :

Lieber Kurt Waldmeier,

auch mich - heute in Spanien lebend - hat das Unglueck stark beruehrt. Nicht zuletzt wegen dem persoenlichen Bezug zu historischen Flugzeugen, begleitete als Journalist das Fokker Team um Captain Schilliger die den Orion wieder flott machten und schrieb fuer die "Schweizer Jugend" ueber den gelungenen Rollout.

Nun verfasste ich diese Zeilen bei SRF :

"Banale Tatsache, nach jedem Unglueck und sei es noch so schwer, geht das Leben weiter. Ausnahmslos fuer alle, seien es Betroffene von Opfern, Familie, Freunde, Bekannte, und so auch fuer das Unternehmen, dessen Leitung, alle Mitarbeiter. Fuer jeden Einzelnen besteht auch eine Verantwortung, naemlich positiv mitzuwirken dem Sinn des Lebens und der Arbeit wieder eine Perspektive zu geben. Der 17. August ist eines von vielen moeglichen Signalen."

Meine Ueberzeugung, es gibt keine Zufaelle, auch nicht alles laesst sich erklaeren und so entdeckte ich gestern diesen Filmbeitrag. Fast wie eine Bestaetigung meiner Gedanken.

Die beruehrende Geschichte koennte Sie interessieren, ist vielleicht gar geeignet irgendwann mit Betroffenen gemeinsam anzusehen.

https://www.ardmediathek.de/tv/Menschen-hautnah/Wie-ich-mein-Gl%C3%BCck-...

Jüngst ist auch noch ein Segelflugzeug mit einem Kantonsrichter darin tödlich abgestürzt, der vierte tödliche Flugunfall in der Schweiz innerhalb drei Wochen. Mein Beileid auch an seine Angehörigen. Die Ursachenforschung wird von der selben Amtsstelle SUST vorgenommen, welche schon den grössten Verlust an Menschenleben in der Schweizer Flug Unfall Geschichte untersucht habe; den Absturz des Swissair Flug SR 111 bei Hallifax vor 20 Jahren, der nebst 229 Menschen auch noch eine Diamanten und Edelsteine Sammlung im Wert von ca. CHF 1/2 Milliarde mit an Bord gehabt habe, die nachher nicht mehr aufgefunden werden konnte, dafür aussergewöhnlich viel Magnesium (Brand) Spuren, wofür der ermittelnde kanadische Polizeibeamte jedoch abgesetzt und still gestellt wurde. Hoffen wir, dass die aktuellen vier Unfall Ursachen in der Schweiz nun seriös aufgeklärt werden, weshalb ich persönlich sogar ein totales Grounding anordnen würde, bis jegliche Verschwörung mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Ein St. Galler Kantonsrichter im Wallis, der wichtigste ehemalige Auslandchefredaktor der Schweizer Presse mit sicher noch mehr Promis dabei (was der wohl alles wusste), der bedeutenste professionelle Testflugchefpilot der Schweiz mit der gesamten Familie, sowie ebenfalls im Wallis, zwei bi-nationale Eltern mit zwei ebensolchen erwachsenen Söhnen von Sion aus gestartet, über die aber auch nichts bekannt gegeben wird. Da stimmt doch was ganz gewaltig nicht, wozu diese quasi Pietätlosigkeit aus Dübendorf dazu noch genau ins Bild passt.

Mehr als eigentuemlicher Kommentar. Ein Mix von verschiedenen Flugunfaellen, Grounding Aufforderung, wegen Vertuschung usw. , und, sich offensichtlich nicht bewusst, dass Sie die bislang schlimmsten Verschwoerungsgedanken veroeffentlichen.
So viel Unverstand ist allen Betroffenen der von ihnen erwaehnten Ungluecken im Prizip nicht zuzumuten. Es waere, meine Meinung, eine gute Idee, die Redaktion wuerde ihren Beitrag loeschen.

Da kann ich Herrn Hug nur recht geben. Man bekommt den Eindruck, dass Leben kaum mehr etwas bedeutet. Das sind diejenigen, die am lautesten ausrufen, wenn z.B. bei der Post finanzielle Unregelmässigkeiten geschehen. Geld ist mehr wert als das Leben der 20 Menschen, die umgekommen sind. Wir fliegen wieder! Hauptsache, das Geld kommt rein bei diesem Fun in der Luft.

Liebes Journal 21, der Ju Air fehlt jedes Fingerspitzengefühlt. The show must go on.

Ich bin ein grosser Fan der Ju-Air, aber die Kritik in diesem Punkt ist leider berechtigt. Der Respekt gegenüber den Unfallopfern sollte höher gewichtet werden, als organisatorische oder finanzielle Aspekte.

Liebe / er Stefania Brambilla, Mario Monaro, haben Sie in Ihre Gedanken miteinbezogen, die Ju-Air ist kein Verein von Hobbypiloten die auch noch fuer ein Entgeld Passagiere auf ihre Luftausfluege mitnehmen. Die Rechtsform zwar ein Verein, doch der Betrieb laeuft kommerizell. Bedauerlichweise gibt es keine Angaben ueber die Zahl der Mitarbeiter, also Lohnempfaenger die mit ihren Familien auf das Einklommen angewiesen sind.
Sollte Wartung und Betrieb von unbezahlten freiwilligen geleistet werden, dann unterschreibe ich ihren Protest. Es waere also auch an der Zeit, dass die JU-Air transparent informiert.

Die Prämisse des Kapitalismus ist nicht Pietät, Innehalten oder Reflexion, sondern die Kapitalvermehrung. Somit ist es stringent, dass so schnell wie möglich wieder geflogen wird und der Profit ins Zentrum rückt. Immerhin braucht die JU-Air auch Kunden und sie scheinen gewillt zu sein, bedenkenlos in einer Maschine Platz zu nehmen und sich herumfliegen zu lassen. Wer sich vom Geschäft noch etwas anderes erhofft, ist ein Ewiggestriger. Ich würde mir schon längstens eine Einkehr bezüglich einem Kapitalismus wünschen, der nicht über Leichen geht. Nur mache ich mir nichts mehr vor, weil alles andere Augenwischerei wäre.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren