Schumacher und wir

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Schumacher und wir

Von Urs Meier, 06.01.2014

Der Medientross in Grenoble wird auch von den Medien selbst kritisiert. Allerdings ohne Folgen.

Die tagelange Belagerung des Spitals von Grenoble durch Übertragungswagen, TV-Teams, Paparazzi und Reporter, der zusätzliche Auflauf uniformierter Ferrari-Fans und weiterer Schaulustiger – alles ziemlich abstossend. Von dem Rummel wissen wir, weil er in den Medien gespiegelt, thematisiert und kommentiert wird, und zwar oft in anklägerischem Ton. Der Moralismus bleibt selbstverständlich folgenlos. Die Zeitung, die in der Kommentarspalte den Exzess der Branche kritisiert, rapportiert in der gleichen Ausgabe beflissen jede Schein-Neuigkeit und dreht eifrig mit an der Schraube der Spekulationen. Um Argumente für diese Praxis wären die Redaktionen, so sie überhaupt befragt würden, nicht verlegen: Es interessiert das Publikum. Und: Die andern machen es auch.

Was sich nach Schumachers Unfall in der Medienwelt abspielt, ist in der Tat kein Exzess in dem Sinn, dass hier plötzlich die Regeln missachtet würden. Im Gegenteil: Es wird nach den üblichen Regeln gespielt, bloss mit höherem Einsatz als im courant normal.

Die schockierenden Bilder des Medienrummels von Grenoble führen uns nichts anderes als die «Ökonomie der Aufmerksamkeit» vor Augen: Die von der Bilder- und Informationsflut übersättigte, in tausend Interessengruppen zersplitterte Öffentlichkeit bekommt einen Stimulus, sich um ein herausragendes Ereignis zu scharen und sich dabei als so etwas wie eine Gemeinschaft zu erleben. Immerhin, etwas Anteilnahme ist durchaus auch dabei.

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Erinnert mich an den Tod von Ayaton Senna. Die Fans rannten auf die Rennstrecke und kratzten sein Blut von der Piste!
Was werden sie von wo abkratzen wenn ............? Brrr...!

Nur speziell das es Schuhmacher auf (oder neben) der Skipiste erwischt hat und nicht im Rennwagen. Speefreaks gehen dieses Risiko immer ein - was solls?
Er ist noch am Leben und keiner weiss wie es mit ihm weiter geht.
Das Verhalten der Fans ist traurig, dass der Presse widerlich.

Das idealisieren einer Person in diesem Ausmass, dass Verdrängen von allem was hinter dem gloriosen Auftritt steckt - nämlich ein riesiges Business in dem es wie überall nicht fair zugeht und von dem Schumi und alle anderen Fahrer ebenfalls, ein gut bezahlter Teil ist - diese Sucht von Menschen nach Helden, "Gewinnern" - das Ausblenden von jeglicher persönlichen Distanz, auch von Pietät, Anstand, Respekt ist bedenklich.

Wie die Zecken gieren sie nach möglichst grosser Nähe zum "Wirtstier" (Projektionsfläche für ihre Träume, Ersatz für eigenes Nichtgelebtes),
blenden dabei komplett aus, das gerade Rennfahrer u.a. letzlich Geschäftsleute sind, die sich alle Jahre wieder möglichst gut verkaufen müssen.
Mit Heldentum hat das nichts zu tun, nur mit knallhartem Business, ask Ecclestone!
Die Fans benehmen sich als hätten sie ein Anrecht auf ihn, wenn man sie liesse würden sie sich um sein Krankenbett herumdrängeln, auf die Schläuche treten und ihn ersticken. Was für eine Art von "Liebe" ist denn das?
Die Journaille würde ihn ausweiden - für's liebe Geld.
Alles nicht nachvollziehbar. Aber profitabel.

Schreiben Sie bitte nicht "wir"! Mich interessiert diese Story überhaupt nicht und ich lese sie auch nicht.

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