«Mir langets!»

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«Mir langets!»

Von Urs Meier, 28.09.2015

Ein Student protestiert mittels Sozialer Medien gegen Wahlkampfmethoden, die mit Emotionen arbeiten, statt Inhalte zu vermitteln.

Donat Kaufmann ist Student der Germanistik, Philosophie und Anglistik an der Uni Zürich, musiziert in der Krautpop-Band «One Sentence. Supervisor» und arbeitet daneben auf einem Bio-Bauernhof. Offensichtlich liest er beim Pendeln zwischen seinem Wohnort Baden und Zürich das «20 Minuten». Dessen Ausgabe vom 15. September war ummantelt mit Wahlwerbung der SVP. Die Frontseite propagierte hauptsächlich den Song «Wo e Willi isch, isch ou e Wäg»; politische Aussagen zu den Wahlen waren auf die zweite Seite verwiesen. Rund 130'000 Franken hatte sich die SVP diese Selbstdarstellung vor den Gratiszeitungslesern kosten lassen.

Anstatt das Blättchen bloss genervt und angewidert wegzulegen, beschloss Donat Kaufmann, dieser Ranschmeisse eine Antwort zu erteilen. Er setzte eine Aktion in Gang, die zurzeit am Laufen ist. Man darf gespannt sein, ob sie ihr Ziel erreicht, nämlich mit dem gleichen Werbemittel laut und deutlich kundzutun: «Mir langets!» Die Kosten von fast 140'000 Franken will Donat Kaufmann per Crowdfunding finanzieren. Den Platz für die Mantelwerbung beim «20 Minuten» hat er für den 14. Oktober reserviert. In diesem Video erklärt er seine Idee:

Bei Abfassung dieses Artikels waren auf der Crowdfunding-Plattform wemakeit.com von über 5'700 Personen bereits rund 64'000 Franken zusammengekommen, das ist knapp die Hälfte der Zielsumme. Wer sich mit einem Beitrag von 5 Franken an der Aktion beteiligt, kann seinen Namen auf die Titelseite des «20 Minuten» setzen lassen. Auf der fast leeren Rückseite werden die Zeilen stehen: «Aufmerksamkeit kann man kaufen. Unsere Stimmen nicht.»

Der Wahlkampf 2015 ist trotz den politischen Herausforderungen, vor denen das Land steht, bisher enttäuschend uninspiriert verlaufen. Donat Kaufmann belebt ihn mit seiner originellen Intervention. Es ist ihm zu wünschen, dass seine Aktion das Ziel erreicht. Sie wird die Wahlen nicht beeinflussen. Aber sie hat schon bewiesen, dass jeder Einzelne mit den modernen Mitteln der Kommunikation sich sehr rasch einmischen und Gleichgesinnte mobilisieren kann.

Kommentare

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Nun, man kann ja sagen was man will. Ich sage dazu, dass das typisch SP ist: andere bezahlen dafür, dass man seine eigene Botschaft verbreiten kann

Und jetzt ist klar, warum nur die Wahlplakate der SVP landesweit vandalisiert sind.

Ich bedanke mich für folgenden Hinweis aus der Leserschaft: Die SVP-Titelseite von 20 Minuten propagierte nicht den Song „Wo en Willy isch…“, sondern den Kampagnen-Song „Welcome to SVP“.

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