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European Economic Forum

Luzern – Hauptstadt Europas für einen Tag

11. Dezember 2025
Daniel Woker
Margreth Vestagen
Die langjährige frühere Kommissarin für Wettbewerbspolitik der EU-Kommission gehörte zu den prominenten Anwesenden am European Economic Forum in Luzern. (Foto: Keystone/AP Photo/Jean-Francois Badias)

Die Schweiz ist bekanntlich nicht Mitglied der EU und tut sich schwer mit ihrer Europapolitik. Das European Economic Forum, dessen jährliches Hauptevent eben in Luzern stattgefunden hat, hält dagegen. 

Früher war es das «Europa Forum Luzern», später und internationaler der «Lucerne Dialogue» und seit diesem Jahr das «European Economic Forum», EEF, ein Begegnungsort der schweizerischen Wirtschaft mit führenden Politikern und Wirtschaftsvertretern aus Europa. Das jährliche Flagship Event – um im modernen Latein der globalisierten Welt zu bleiben; Englisch ist durchgehend  Konferenzsprache – findet jeweils Ende November im grosszügigen Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) statt. 

Europa: Erfolg, Warnung, Herausforderung und Chancen

Auch dieses Jahr wieder mit einem eindrücklichen Programm, gespickt mit «grossen Namen» aus europäischer Politik und Wirtschaft, das ein bemerkenswert junges und gendergerechtes Publikum primär aus der schweizerischen Wirtschaft nach Luzern gelockt hat. Mehr als die Hälfte der rund 700 Teilnehmenden waren unter 45 Jahre alt, davon ein gutes Drittel weiblich; unter den Keynote Speakers herrschte ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern. 

Eindrücklich die Darstellung von René Obermann, CEO von Airbus, der sprichwörtlichen industriellen Success Story Europas unter dem Titel, der alles  sagt, was zu diesem Erfolg nötig ist: «Airbus as an example of courage, collaboration and competitiveness». Die klarste Warnung an Europa und speziell an die EU kam  von Stefan Paul, CEO des weltgrössten Logistikunternehmens in See- und Luftfracht, Kühne+Nagel. Gemessen am weltweiten Handelsvolumen falle Europa zurück gegenüber der Transportachse USA–Asien und dort speziell China. 

Eine Art Gegenposition  vertrat Gaya Herrington, Vicepresident Sustainibility des französischen Energie Technologie-Giganten Schneider Electric mit ihrer Präsentation «How an economy of ‘enough’ can be Europe’s superpower». Der im eigenen Land wenig bekannte Schweizer Bruno Giussani verband eine Warnung an Europa – wir kommunizieren untereinander durchwegs auf der Basis von nicht-europäischer Technologie – mit der Herausforderung, bessere Rahmenbedingungen für diese Kommunikation zu gestalten. Giussani lebt das vor als langjähriger Europa-Chef der «TED (Technology, Entertainment, Design)Talks», dem interessenunabhängigen Podcast, dem weltweit unter dem Motto «Ideas change everything» zugehört wird. 

Europäische Glanzlichter setzten Margrethe Vestager sowie Robert Habeck, früherer deutscher Vizekanzler und Wirtschaftsminister. Beide zeigten auf, dass Europa anders, einzigartig ist und sein muss. Die langjährige Wettbewerbszarin der EU-Kommission wies darauf hin, dass Innovation und deren Rahmen, ihre Regelung  zwei unverzichtbare Seiten derselben Medaille sind. Unter dem in Europa bestehenden «social contract», der demokratischen Grundsatzvereinbarung zwischen Volk, Regierung und Wirtschaft, ist dies das einzig Mögliche, um anderswo bestehenden oder einsetzenden Tendenzen hin zur Autokratie zuvorzukommen. Habeck seinerseits verband den eindringlichen Appell für «Mehr Europa» mit der herzlichen Bitte an die Schweiz, in Europa aktiver mitzutun.

Netzwerke

Das EEF hat um seine Jahreskonferenz ein ganzes Netzwerk von auch zu anderen Zeitpunkten tätigen Strukturen gewoben. Die zwei wichtigsten sind einmal die «EEF Friends», ein Club von Unternehmensführern, welche regelmässige interne Austausche und eine Exkursion an einen europäischen Hotspot während des Jahres durchführen. Das «EEF Basecamp» sind mehrtägige Zusammenkünfte von jungen Berufsleuten und Studenten aus verschiedenen Ländern, die sich in einem «Hackathon» gegenseitig messen. Letzteres ist ein neudeutsches Wort für Arbeitstreffen, bei denen gegenseitig eben am Computer geschriebene Texte ausgetauscht werden. Dies in der Absicht, zu einem vorgegebenen Thema – dieses Jahr «Wie stärken wir aus der Wirtschaft heraus Demokratien» – die beste Lösung zu finden, welche, ausgewählt von einer Jury, von den Autorinnen und Autoren im Rahmen des EEF Haupttreffens dem ausverkauften Haus vorgestellt werden darf.

Im Plenarsaal blieb tatsächlich kaum ein Stuhl unbesetzt, was die Nachfrage für eine solche Veranstaltung beweist. Sie ist natürlich nicht gratis, aber verglichen mit «Davos» ein Klacks (CHF 900.–) für teilnehmende Wirtschaftsvertreter und erschwinglich auch für Studierende (CHF 250.–). Ein weiterer wohltuender Unterschied zum WEF ist die unauffällige, aber sehr effiziente Organisation, einschliesslich des Chefs, Dominik Isler, der sich aber persönlich zurückhält und verstanden hat, dass die Rednerinnen und Redner die alleinigen Stars einer solchen Veranstaltung sind.

Basislager für Europa

Die eben erwähnte Bezeichnung «Basecamp» kann allenfalls auch als  Anspielung auf die Tatsache gesehen werden, dass sich die Schweiz bei der europäischen Zusammenarbeit erst am Fusse des Berges befindet. Dass sie dort aber energisch(er) tätig ist, hat die grosse Teilnahme am EEF bewiesen, ebenso das Referat von Bundesrat Cassis zur Eröffnung am Vorabend, der energisch und eindringlich zugunsten der Bilateralen III warb, der im Moment einzig bestehenden Brücke zwischen der Schweiz und der EU.

So konnte Isler in einem kurzen, aber einprägsamen Fazit der gesamten Veranstaltung feststellen: Luzern, die Hauptstadt Europas für einen Tag. 

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