Kurzsichtig

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Kurzsichtig

Von Heiner Hug, 12.10.2017

Trump will das Atomabkommen mit Iran kündigen oder neu verhandeln. Wieso eigentlich?

Alles, was Obama zustande gebracht hat, will Trump einreissen. Dabei geht es meist nicht um die Sache, sondern darum, seinen Vorgänger zu diskreditieren. Das befriedigt offenbar Trumps Ego. Jetzt könnte die Reihe am Iran-Abkommen sein.

Wir alle wissen: Iran ist kein Musterschüler. Das Land unterstützt Terroristen, verletzt die Menschenrechte, führt Krieg in Jemen, unterstützt Asad und droht Israel, das Grund dazu hat, besorgt zu sein.

Anderseits hält sich Teheran an die Abmachungen des 2015 geschlossenen Atomabkommens. Wenn Trump jetzt dieses Abkommen kündigt, wird Iran weiterhin Terroristen unterstützen, weiterhin Krieg führen, weiterhin Israel drohen.

Keines der Probleme, die der Westen mit Iran hat, wird bei einer Kündigung aus der Welt geschafft. Im Gegenteil: Neue Probleme werden entstehen.

Iran wird erst recht aufrüsten, das Budget für die Revolutionsgarden wird erhöht, die Hardliner im Land werden gestärkt. Und die Hände beim Bau von Atomwaffen sind den Iranern dann nicht mehr gebunden.

Trump handelt sich mit seiner Kündigung viele zusätzliche Probleme ein – und löst kein einziges bestehendes. Er zeigt einmal mehr, dass er nicht weitsichtig ist und als Präsident der Vereinigten Staaten nichts taugt.

Kommentare

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Unter der falschen Vorspiegelung es sei "im Interesse des Westens" (Was und wo ist das überhaupt, und wer ist da demokratisch wie vertreten?) haben die Regierungen der USA schon immer konsequent und oft genug gewalttätig stets nur gemacht was ihnen allein (und den Profiteuren ihrer überdimensionierten Kriegsmaschinerie) nützte und nützt. Mit Trump wird das leider nicht anders, aber zum Glück offensichtlicher. Vor ihm liessen sich die mutlosen EU- und Nato-Europäer erschreckend oft als nützliche Mitläufer in verheerende Kriege der USA (gegen Afghanistan oder Irak) und willkürliche Sanktionen (gegen Iran und Russland) hineinreiten. UNO und Nato waren und sind den Machthabern in Washington dabei nur Mittel zum eigenen Zweck. Die Folge: Selbst deutsche Panzertruppen stehen jetzt (seit 1944 erstmals) wieder in Südeuropa (im Kosovo, wo sie die überdimensionierte US-Militärbasis Bondsteel bewachen helfen!) und sogar im tausende Kilometer entfernten Afghanistan. Ein Unfug! Mit Trumps krudem Weltbild ("America first!") zeigt der US-Hegemonismus nun seine ungeschminkte Fratze: Raus aus dem Klimaschutz, raus aus der Unesco, raus aus dem soliden Abkommen mit dem Iran (den auch die neutrale Schweiz boykottieren „musste“ obwohl er uns ja weissgott nie bedroht hat). So isoliert Trump den eigenmächtig eigennützigen "Weltpolizisten USA", den uns seine Vorgänger beschert hatten, nachhaltig. Das ist ein Lichtblick für die "Restwelt". N. Ramseyer, BERN

AUT REGEM AUT FATUUM NASCI OPORTERE
König und Narr ist man von Geburt
(ODER VOM WAHLTAG AN)

IMPUNE QUAELIBET FACERE,
ID EST REGEM ESSE
Das heisse ich König sein,
straflos zu tun, was beliebt
(Jug. 31, 26)

Wo bleiben die "Check and Balances"?
Seine Meinung äußern ja - unbedingt - aber mit Maß und mit dem Ziel, einen Weg zu finden, der Hass und Gewalt den Boden entzieht. Wie kann das amerikanische Volk diesen 'Turm'p von Babel' ertragen? Wie können die verantwortlichen Politiker in Amerika zulassen, die Welt von solch einem Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen? Menschen bis ins Mark zu demütigen, wird keine Früchte tragen. Die Kunst ist es, aus Fallobst guten Saft zu machen. Die überein stimmenden Staaten, die während langer Jahre mit dem Iran verhandelt haben, haben einen doch trinkbaren Saft gekeltert und somit Hoffnung gegeben. Aber nein, da kommt so ein "Destroyer" - vermutlich von seinem beratenden Freund Steve Bannon geistig unterstützt (der bekannter weise den Phoenix aus der Asche heraufbeschwören will) und zerreisst das hauchdünne Band. Selbst Christiane Amanpour (CNN – sie hatte Herrn Rouhani vor kurzem eingeladen) erwähnte, dass sie den iranischen Präsidenten noch nie so aufgeregt gesehen habe. Ich bedaure die jungen Menschen im Iran, die in der Wahl ihres Präsidenten und die Unterzeichnung des Vertrages ihre Hoffnung für eine bessere Zukunft gesehen haben. Verstehen Sie mich nicht falsch, überall gibt es "Narren im Königsmantel".
Ich bin keine Lateinerin; aber ich habe auch diesen Spruch gefunden in "Urban und Human" (1956 - Heinrich G. Reichert):
"Quidquid Delirant Reges, plectuntur achivi" - "Das wahnsinnige Beginnen der Könige büßen die Völker."
Ein gut gemeinter Rat für Herrn Donald Trump: Wenn du sprichst, sollst du nicht dem alles verheerenden Gewitterregen gleichen. (Orientalisches Sprichwort)

Karin Montes

Da warten sie nun vor den Toren, lechzend nach gefüllten Auftragsbüchern, die Europäer, vor allem Deutschland. Die Enttäuschung wird gross sein, weil, es geht hier in einer Art zweiter Linie eben auch um Wirtschaftskrieg. So ist das halt, so läuft das halt!.. cathari

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