Israels gefährliche Freunde

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Israels gefährliche Freunde

Von Klara Obermüller, 21.05.2018

Eine Heimstätte für Juden: Das ursprünglich zionistische Projekt ist auch zu einem Anliegen evangelikaler Christen geworden – mit verhängnisvollen Folgen.

Was in der allgemeinen Aufwallung fast ein wenig untergegangen ist: Auch in der Schweiz gibt es Kreise, die für eine Verlegung der Botschaft nach Jerusalem und damit für die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels plädieren. Sie finden sich vor allem in den Reihen der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) und der SVP, zu denen bekanntermassen auch viele evangelikale Christen gehören.

Zeitgleich mit der Eröffnung der amerikanischen Botschaft reichte eben diese EDU nun eine Petition mit 20’000 Unterschriften ein, die Bundesrat und Parlament zu einem „Paradigmenwechsel“ in der Israel-Frage – will heissen: zu einer Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem – auffordert. Damit bewegen sich die Schweizer Rechtskonservativen ganz im Dunstkreis jener amerikanischen Bewegung „Christians United for Israel“, in der sich evangelikale Christen seit Jahren für die Rückkehr der Juden nach Israel stark machen. Sie tun es in der Gewissheit, dass sich mit der Gründung des Staates Israel ankündigt, was die Propheten einst verhiessen: die Ankunft des Messias und die Errichtung eines Friedensreiches am Ende der Zeiten. Dieses Projekt voranzutreiben, ist ihr erklärtes Ziel. Das elende Los der Palästinenser in Gaza blenden sie dabei ebenso aus wie die verheerenden Folgen, die eine einseitige Anerkennung Jerusalems als „ewige und ungeteilte Hauptstadt Israels“ für die politische Lage im Nahen Osten haben kann.

In den Vereinigten Staaten machen die Evangelikalen 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung aus und stellen damit für den Präsidenten eine ernst zu nehmende Wählerschaft dar. Dass er ihre Ziele, die sich mit denjenigen nationalreligiöser Kreise in Israel decken, bereitwillig unterstützt, braucht daher nicht zu verwundern. Bundesrat und Parlament in der Schweiz indes sollten Vernunft walten lassen und der Petition aus dem evangelikalen und rechtskonservativen Lager eine entschiedene Absage erteilen.

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Kommentare

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Sich auf Verheissungen von Propheten zu beziehen ist eh schon etwas fragwürdig. Denn wer waren sie denn, diese Propheten? Für wessen Interessen machten sie Propaganda?
Das Alte Testament fand ich schon sehr frūh in meiner Kindheit ziemlich ungeheuerlich. Was für ein Gott das wohl gewesen sein mag?

Nein, mit evangelikalen Kreisen sollte sich der Staat Israel wahrscheinlich wirklich nicht allzu eng einlassen. Und die nationalreligiösen Kreise verfolgen in Israel tatsächlich nicht immer eine Politik, die dem Friedensprozess förderlich ist. Anderseits stammt die Idee, die amerikanische Botschaft nach Israel zu verlegen, bzw. Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen, ursprünglich in keiner Weise von Präsident Trump. Formell beschlossen wurde dieses Ansinnen bereits im Jahre 1995 unter Präsident Bill Clinton. Allerdings wurde die Umsetzung dieses Beschlusses, als man gewahrte, wie viel Konfliktpotential dieses Thema angesichts der israelilsch-palästinensischen Auseinandersetzung birgt, immer wieder hinausgeschoben. Auch die First Lady und Senatskandidatin Hillary Clinton liess sich 1999 dahingehend verlauten, dass für sie Jerusalem "die ewige und unteilbare Hauptstadt Israels" sei. Und der spätere US-Präsident Obama erklärte 2008 vor dem Amerikanisch-Israelischen Ausschuss für Öffentliche Angelegenheiten (AIPAC): "Jerusalem wird die Hauptstadt Isreals bleiben, und sie muss ungeteilt bleiben."
Es sind also in keinster Weise nur evangelikale Kreise in Amerika, die in Jerualem die Hauptstadt Israels sehen. Und es sind in Israel auch nicht nur nationalreligiöse Schichten, die Jerusalem als Hauptstadt betrachten.

Liebe Frau Obermüller, danke für Ihren wertvollen Beitrag! Herr Gietenbruch, Ihnen empfehle ich Ilan Pappes Buch "Die ethnische Säuberung Palästinas": er selber, jüdischer Historiker mit fundiertem Wissen, darf nicht in "seine" Heimat einreisen, weil er unbequeme, präzise Fakten ans Licht bringt. KEIN Unrecht, welches eine Ethnie erleiden musste (und es gibt deren wahrlich viele), gibt ihr die Legitimation, wiederum Unrecht zu begehen.

Hallo Frau Kaufmann
Gestatten Sie, dass ich mich Ihrem Kommentar voll und ganz anschliesse. Allerdings bezweifle ich, dass Herr Gietenbruch von seiner Abneigung gegen Araber und insbesondere Palästinenser, abzubringen ist.

Sehr geehrte Frau Obermüller
Ich gehöre weder der SVP noch der EDU oder einer Freikirche an.
Auch habe ich absolut keine Freude an Trump und an seiner Entourage. Die Situation der Palästinenser beobachte ich trotzdem mit Argwohn. Es ist doch eigenwillig mit welchem Fanatismus die Resultate der Kriege mit und um Israel nicht anerkannt werden wollen. Seit der Gründung Israels vor 70 Jahren und dem ersten verlorenen Krieg herrscht Dauerterror gegen Israel. Die arabische Welt unterstützt die Palästinenser im Hass gegen Israel mit Geld und Waffen. Auch die westlichen Gelder werden oft nicht für ein friedvolles Nebeneinander eingesetzt. Ich finde es mutig wenn unser Aussenminister kritische Fragen, zu den jährlichen 17 Millionen die in das Flüchtlingshilfswerk für Palästinenser fliessen, stellt. Oder wird mit dem westlichen Geld vielleicht Schutz vor Terror erkauft? Stellen Sie sich einmal vor, die rund 20 Millionen Deutsche die nach dem Gott sei Dank verlorenen Krieg, mehr als brutal aus Osteuropa (von langer Hand geplant) vertrieben wurden. Wenn diese Menschen vor ihrer ehemaligen Heimat stünden und Terror machen würden wie die Palästinenser? Sogar Albert Schweizer sprach nach der Verleihung des Friedens-Nobelpreis in den 50er Jahren vom unsäglichen Leid der Vertriebenen.
Vielleicht lesen Sie doch einmal die 4 Berichte über die Vertreibungen nach dem II Weltkrieg im Spiegel-Archiv. Auf Grund Ihrer bisherigen Publikationen hätte ich mehr Weitsicht zum Thema Palästina und Israel erwartet. Freundliche Grüsse
Henning Gietenbruch

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