Ins Knie geschossen

Stephan Wehowsky's picture

Ins Knie geschossen

Von Stephan Wehowsky, 05.12.2016

Die Rechte liebt Zahlen, aber sie stolpert darüber - wie jetzt in Österreich.

Dem neuen österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen kann man gleich doppelt gratulieren. Er hat gewonnen und er hat sein Ergebnis vom 22. Mai mehr als deutlich verbessert. War damals sein Wahlsieg über den rechten Biedermann und Brandstifter Norbert Hofer noch knapp ausgefallen, so hat er ihn diesmal buchstäblich abgehängt. Das Gelärme der Rechten hat viele erschreckt, aber es hat die politische Vernunft nicht ausgeschaltet. Die Rechte hat sich verrechnet.

Ist die politische beziehungsweise symbolische Bedeutung der österreichischen Entscheidung überschätzt worden? Marine Le Pen wird das jetzt so sehen, dazu Viktor Orban oder Frauke Petri. Sie alle werden jetzt den österreichischen Kaffeesatz lesen und behaupten, dass sie von dem nie viel erwartet hätten. Und ihre Gegner atmen auf: Zum Glück ist daraus keine braune Sosse geworden. Aber es gibt eine Markierung, die den rechten Volksverführern die Grenzen aufzeigt: Sie können nicht rechnen. In Österreich haben sie sich gründlich verrechnet.

Rechte Populisten lieben es, ständig mit Zahlen aufzuwarten, die noch dem letzten Anumeriker die Bierdose aus der Hand schlagen. Fantastische Zahlen werden da wieder und wieder genannt, von der Einwanderung über die Ausländerkriminalität bis hin zu den fabelhaften Arbeitsplätzen, die massenhaft vorhanden wären, wenn es nur nicht die böse ausländische Konkurrenz gäbe.Trump und seine Anhänger torkeln zwar von einem Argumentationsloch zum nächsten, aber Zahlen sind ihnen scheinbar so geläufig, als wären diese die letzten Pflöcke in ihrem geistigen Nirwana.

In Österreich hat jetzt ein vergleichsweise biederer Ökonomieprofessor einem rechten Schreihals gezeigt, dass eine Mehrheit sich doch lieber auf Fakten, Argumente und – ja doch: auf Zahlen - verlässt als auf Bauchgefühle. Das ist mehr als Kaffeesatz. Das ist eine Hoffnung.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21 behält sich vor, Kommentare gekürzt oder nicht zu publizieren. Dies gilt vor allem für unsachliche und themenfremde Beiträge sowie für Kommentare, die ehrverletzend oder rassistisch sind oder anderweitig geltendes Recht verletzen. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Newsletter kostenlos abonnieren