Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Kommentar 21

Gauck in Davos

21. Januar 2016
Stephan Wehowsky
Aus dem Slogan der deutschen Kanzlerin, „Wir schaffen das“, ist die heimliche Parole, „Rette sich, wer kann“, geworden.

Von Kabinettsdisziplin kann in der deutschen Bundesregierung nicht mehr die Rede sein. Vor diesem Hintergrund durfte man auf die Rede des deutschen Bundespräsidenten vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos ganz besonders gespannt sein. Was würde er wem ins Stammbuch schreiben?

Sein entscheidender Satz lautete, dass es ethisch geboten sein könne, Grenzen zu schliessen. Dieses Gebot leitete er daraus ab, dass nicht nur die Aufnahmefähigkeit eines Staates begrenzt sei, sondern auch die Akzeptanz der Bürger. Begrenzung helfe, „Akzeptanz zu erhalten“. Das ist sehr höflich formuliert. Schliesslich hat sich in Deutschland eine Phalanx gebildet, die vom Vorwurf des Verfassungsbruchs seitens eines ehemaligen Bundesrichters und einzelner namhafter Politiker bis zum tobenden Mob speziell in östlicher gelegenen Städten reicht. Und am Tag von Gaucks Rede beschloss Österreichs Regierung eine Obergrenze, die drastischer kaum sein könnte.

Das eigentliche Dilemma kleidete Joachim Gauck in eine Formulierung, die erst entschlüsselt werden muss. Er sprach die ethischen Werte Europas und insbesondere die „Solidargemeinschaft“ an. Ein rigoroses Abschotten würde dieses Selbstverständnis beschädigen. Genau das aber ist in vollem Gange und wird sich noch ungeahnt steigern. Denn es ist egal, ob man die Grenzen ganz im Süden „sichert“ oder sich wieder national abschottet: Diejenigen, die abgewiesen werden, erleiden ein grausames Schicksal. Aus europäischer Solidarität wird Schulterzucken.

Letzte Artikel

Imperiale Illusion und die Grenzen militärischer Macht

Reinhard Schulze 14. Mai 2026

Gibt es überhaupt noch universelle Massstäbe?

Eduard Kaeser 14. Mai 2026

Leidensweg eines Buckelwals

Christoph Egger 14. Mai 2026

Federleichter Eröffnungsfilm in turbulenten Zeiten

Patrick Straumann 13. Mai 2026

Der Gott der Philosophen und der Gott der Geschichte

Erwin Koller 13. Mai 2026

Nuria Real singt Opernarien von Telemann

Iso Camartin 12. Mai 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.