Ein Land verhungert

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Ein Land verhungert

Von Christoph Kuhn, 24.06.2020

Donald Trump treibt Venezuela weiter ins Elend.

Nach wie vor hält die Pandemie unsere Medien in Atem. Andere wichtige Themen haben es schwer, die nötige Beachtung zu finden. Entlegene Länder geraten uns aus den Augen. Venezuela zum Beispiel. Der südamerikanische Staat, einst wegen reicher Ölvorkommen einer der wohlhabendsten der Region, droht zu verhungern.

Misswirtschaft und politische Unfähigkeit erlebt das Land seit Jahren – jetzt steht es am Abgrund. Die Inflation ist weltweit eine der höchsten, die Ölproduktion ist eingebrochen, der Ölpreis zerfallen. Weil es an allem fehlt, auch am Essen, weil öffentliche Dienste kaum mehr funktionieren, Perspektiven nicht vorhanden sind, haben an die fünf Millionen Venezolaner ihr Land in den letzten Jahren verlassen. 

Als wäre das alles nicht schlimm genug, erscheint das Land als politisch blockiert. Präsident und Regierung schotten es ab, die Opposition vermag sich nicht durchzusetzen. Präsident Nicolás Maduro regiert mit harter Hand, ohne sich gross um demokratische Spielregeln zu kümmern; er trickst die Opposition regelmässig aus, kann sich aufs Militär verlassen und aussenpolitisch auf Russland und China. Sein Widersacher Juan Guaidó, von der Nationalversammlung gewählter Parlamentspräsident, der Maduro für abgesetzt erklärt, sich selber als Übergangspräsidenten sieht und von immerhin 40 Staaten als solcher anerkannt wird, schafft es nicht, den Amtierenden zu entmachten.

Eine Schlüsselrolle in der verfahrenen Situation hat die USA – aber Donald Trump als aussenpolitischer Irrläufer ist eben daran, alles zu verschlimmern. Er, der Maduro mit Beschimpfungen, Drohungen und Boykottmassnahmen in die Knie zwingen wollte und alles versuchte, um Guaidó an die Macht zu bringen, erklärte vor ein paar Tagen plötzlich, dass er sich eine Begegnung mit Maduro, die er bisher kategorisch ausgeschlossen hatte, vorstellen könne. Nach vehementer Kritik an diesem Vorhaben behauptete er, ein solches Treffen diene ausschliesslich dazu, die Modalitäten von Maduros Abgang zu besprechen. Diese ebenso billige wie abstruse Erklärung überzeugte natürlich niemanden. 

Der Schaden ist angerichtet. Maduro sieht sich durch das Trumpsche Gesprächsangebot gestärkt und Guaidó weiter geschwächt. Eine Verbesserung der Situation für das notleidende Volk ist nicht in Sicht.

Kommentare

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Richtig, immer, wenn in einem Land etwas schief läuft, ist Trump ein Argument. Was, wenn Trump nicht mehr gewählt wird?

Es ist schon seltsam wenn die USA, Trump, in einem fremden Land einen Politiker an die Macht bringen wollen, Guaidó. Das schmeckt nach Regime change Politik, wie seinerzeit in Chile, dem Iran, Syrien usw. Auch die US Sanktionen machen Venezuela kaputt, besonders weil westliche Staaten diese völkerrechtswidrigen Sanktionen auch übernehmen, wie im Falle des Irans, Syrien auch.

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