Die Unbelehrbaren

Urs Meier's picture

Die Unbelehrbaren

Von Urs Meier, 17.11.2014

Die UBS setzt ihre Skandalserie fort. Diesmal: Devisenmanipulationen zulasten von Kunden und Dritten.

Letzte Woche stand die UBS einmal mehr am Pranger. Im Bericht der Finma über Devisenmanipulationen machte die Grossbank eine miserable Figur. Schon wieder, muss man sagen. Die Skandale des Instituts reihen sich zu einer schwarzen Chronik. 1996 stand der Finanzkonzern im Fokus der Affäre um die nachrichtenlosen Vermögen, 2008 geriet er wegen unverantwortlicher Geschäfte in Schieflage und musste vom Staat gerettet werden, 2011 platzte der Fall Adoboli, und seither jagen sich die Horrormeldungen: Schuldeingeständnis in den USA, Libor-Manipulation, dubiose Geschäfte noch und noch. Als Faustregel gilt mittlerweile: Wo in der Finanzwelt krumme Sachen laufen, ist die UBS vorne mit dabei.

An schönen Versprechungen, sich zu bessern, hat es nie gefehlt. Auch diesmal beeilte sich die UBS, die Schande wegzureden. Ob sie mehr als bloss dies beabsichtigte, wird man ihr erst nach überzeugendem Tatbeweis glauben. Bis dahin muss sie damit leben, dass ihre Glaubwürdigkeit aufs Schwerste beschädigt ist.

Der lesenswerte Bericht der Finma redet Klartext. Er gibt auch einen Eindruck vom Geist, der im 14köpfigen Handelsteam in Opfikon/Zürich und bei dessen Vorgesetzten herrschte. Klare interne Regeln wurden da ebenso selbstverständlich missachtet wie geltende Gesetze und Vorschriften. Warnungen von Revision und Whistleblowern hat das Management mehrfach in den Wind geschlagen. Es ist offensichtlich: Man wollte von den Missständen nichts hören, mehr noch, man billigte sie. Und sie wurden fürstlich belohnt. Die fehlbaren Händler erhielten Boni, die bis zum Siebenfachen ihres Grundgehalts betrugen.

Bankenkreise haben sich gegen strengere Regulierungen ihrer Geschäfte mit politischer Unterstützung von bürgerlicher Seite bisher meist erfolgreich gewehrt. Wenn sie so weitermachen, wird sich der Wind drehen und zu Orkanstärke anschwellen.

 

Ähnliche Artikel

Die Erklärung für dieses Verhalten hat Marx schon vor 150 Jahren zitiert:

"Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens." - Thomas Joseph Dunning, zitiert in Das Kapital, Band I, S. 801, Dietz-Verlag Berlin, 1961

Ich würde heute hinzufügen, dass man von den genannten Zahlen angesichts schwindender Profitraten weltweit wohl eine Null wegstreichen kann …

Und daran werden keine Strafen für Banken als "juristische Personen" (die diese an ihre Kunden weitergeben) oder für Bankster, die deren Verbrechen tatsächlich in deren Namen auf auf eine "Verantwortung" begehen noch "Umerziehungsmassnahmen" etwas ändern: Das MUSS im Kapitalismus so sein, denn da steht – wie der Name schon sagt: – das Kapital im Mittelpunkt. Wäre es der Mensch, hiesse das System ja z.B. auch "Humanismus" …

Vielen Dank für die Kolumne. Leider wird sich diesbezüglich nichts ändern. Die Politik wird weiterhin mehrheitlich auf sozial Schwache eindreschen, nötige Regulierungen abblocken, Systemrelevanz vorschieben und Transparenz (Parteien- und Abstimmungsfinanzierung) verhindern. Wer glaubt, Boni müssten zurückbezahlt werden, ist naiv. Der einfache Arbeitnehmer hingegen wird dafür den Kopf hinhalten müssen (unsichere institutionelle Altersvorsorge)...

Schlimm sind nicht nur die Devisenmanipulationen der UBS zulasten von Kunden und Dritten. Die UBS und andere internationale Banken, und auch CH-Kantonalbanken, investieren auch Milliarden in Konzerne, die Atomwaffen herstellen. Dies wurde im Bericht „Don’t Bank on the Bomb“ dokumentiert, ein Report der die Nichtregierungsorganisationen Pax und Ican erstellt haben.
http://www.dontbankonthebomb.com/wp-content/uploads/2014/11/2014_DBOTB_f...

Allein die Schweizer Bank UBS investiert 3,7 Milliarden Dollar und die Crédit Suisse 1,4 Milliarden in Firmen die an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind. http://www.dontbankonthebomb.com/wp-content/uploads/2014/11/Switzerland-...

Vielleicht werden wir einmal durch den Strick den unsere Banken finanziert haben, die Atomwaffen, aufgehängt werden, elendiglich umkommen.

Die USA, Grossbritannien, China und Frankreich sind heute daran ihre Atomwaffen zu modernisieren, was eben auch mit unserem Geld geschieht. Pakistan, Indien, Israel und Nord-Korea, verbessern ihr atomares Arsenal ebenfalls. Die neun Atomwaffen Staaten verfügen über 10‘000 Atomwaffen in ihren Lagern. Dies wäre genug um die ganze Menschheit mehrmals auszurotten zusammen mit allen anderen Säugetieren. Ist dies gesund, wenn sogar unsere Banken helfen einen solchen Irrsinn auch mit unserem Geld mitzufinanzieren?

Die Situation ist heute gefährlicher den je: Die USA und Russland verfügen über 1800 Atomwaffen in höchster Alarmbereitschaft, Diese Atomraketen können in fünf bis 15 Minuten gestartet werden. Sie könnten auch auf Grund einer Panne, aus einem Irrtum heraus auf uns los gelassen werden. (http://www.globalresearch.ca/the-impending-dangers-of-nuclear-war-americ...)

Danke - schier unglaublich, dass einem Unternehmen mit derart krimineller Substanz - gegenüber den Gesetzen und der Gesellschaft - überhaupt noch Seriosität (oder meine nur ich damit etwas, das vor 30 Jahren noch viele verstanden haben, was gemeint ist damit) zugestanden wird.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren

«Belarus - ein Modell unserer Zukunft»

Reinhard Meier: Die belarussische Nobelpreisträgerin Swetlana Aleksijewitsch hat die russischen «Brüder» um Solidarität mit ihrem Volk gebeten. Die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja antwortete, Belarus sei ein «Modell unserer nahen Zukunft». Mehr…