Die göttliche Ordnung

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Die göttliche Ordnung

Von Klara Obermüller, 10.07.2017

Rechtsbürgerliche und streng religiöse Kreise halten am klassischen Vater-Mutter-Kind-Familienmodell fest und lehnen die „Ehe für alle“ rigoros ab.

Die Vorstellung, dass Kinder wohlbehütet in einer intakten Familie aufwachsen, ist schön. Nur, bei einer Scheidungsrate von rund 52 Prozent entspricht sie längst nicht mehr der allgemein gültigen Norm. Und wo, bitte, steht geschrieben, dass eine „intakte Familie“ aus Mann, Frau und einem oder mehreren Kindern bestehen muss? Und wo ferner, dass alle aus Mann, Frau und einem oder mehreren Kindern bestehenden Familien automatisch auch „intakt“ sind?

Die Gegner der „Homo-Ehe“ oder „Ehe für alle“ können oder wollen nicht sehen, dass Elternschaft und Familie Konzepte sind, die weit über alle Biologie hinausgehen. Gute Eltern sind diejenigen, die ein Kind umsorgen und ihm Geborgenheit und Selbstvertrauen vermitteln. Das müssen nicht notgedrungen die biologischen Eltern, das müssen auch nicht notgedrungen ein Mann und eine Frau sein. Die biologischen Eltern sind auch nicht immer das Beste für ein Kind. Manchmal müssen Pflege- oder Adoptiveltern, manchmal sogar ein Heim an ihre Stelle treten.

Genau an der Kinderfrage aber scheiden sich die Geister. Sollen Schwule und Lesben ihre Partnerschaft eintragen können? Warum nicht – aber „normalen“ Paaren gleichgestellt sein, Kinder adoptieren oder mittels künstlicher Befruchtung gar eigene bekommen dürfen, das dann doch nicht! So argumentierten die Gegner der „Ehe für alle“, die jüngst im deutschen Bundestag Schiffbruch erlitten haben. So werden sie auch in der Schweiz argumentieren, wenn es gilt, das Adoptionsverbot für Lesben und Schwule aufzuheben und homosexuellen Paaren die vollgültige Eheschliessung zu erlauben. Ob sie damit durchkommen, ist zu bezweifeln. Die „Ehe für alle“ ist schlicht ein Gebot der Gleichstellung und darüber hinaus ein wichtiger Schritt zu einem von biologischem Determinismus losgelösten Familienverständnis.

Eine Garantie für Kindeswohl und familiäres Glück gibt es auch für diese neuen Formen des Zusammenlebens nicht. Aber wo gibt es schon eine Garantie für Gelingen und Glück, wenn unvollkommene Wesen wie die Menschen ihre Hände im Spiel haben?

Kommentare

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Der römisch abendländisch christliche Ehebegriff ist eine zivilisatorische Option eines kulturellen Ideals. Wenn man ihn aufgibt, dann gilt es, grundsätzlich offen zu sein für alle mögliche polyamourösen Beziehungsformen, welche einem Kind Liebe und Geborgenheit anbieten können, nicht nur die bigame Homoehe. Doch das würde unsere Gesellschaft grundsätzlich zerrütten.
Was die Adoption von Kindern angeht, so gilt es immer noch ceteris paribus eine klassische Ehe zu priviligieren. Entscheidend ist, dass der menschenverachtenden Perversion einer Leihmutterschaft mit drastischen Strafbestimmungen ein Riegel geschoben wird. Keine Liebesbeziehung hat ein Recht auf ein Kind, wenn es die Menschenwürde zetrampelt. Jedes Kind hat jedoch das Recht mit den natürlichen Eltern aufzuwachsen, wenn es die Umstände erlauben.

Obwohl ich selber ja mal fast schul war und auch Transen und Tomboy Lesben persönlich kenne, finde ich die Vorstellung, dass die in Paarbeziehungen Kinder haben sollen, trotzdem irgendwie abartig bis unnatürlich. Wenngleich Kinder ja im internationalen Handel und von Leihmüttern ab US$ 2000 frei erhältlich sind und sich auch im Labor herstellen lassen, sollten sie meines Erachtens in einem zivilisierten Land dem natürlichen Entstehen durch gesunde Fortpflanzungsorgane entspringen, der Vereinigung eines männlichen Spermiums mit einer weiblichen Eizelle während eines Liebesaktes. Und mit allen Verwandten aufgezogen und sozialisiert werden, mit Geschwistern und Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins und Grosseltern, in Grossfamilien und Clan- und Stammeszugehörigkeiten eingebettet. Ok, Ersatz dafür gibts dann aus der staatlich verordneten Käseglocke-Kernfamile kommend, halt später durch den Quartierverein, die Einwohnergemeinde, die Schule, die Clique, die Arbeitskollegen und den Sportverein, den Shopping-Kolleginnen und durch die Fussballfangrölmnnschaft am Wochenende, mit denen sie sich in riesigen Stadien in Exktase schreien, umarmen und verbrüdern, während sie wie kleine Kinder 22 erwachsenen Männern in kurzen Hosen nachschauen, die einem Ball hinterher rennen. Vereinzelt erwachsen in ihren Single-work-sleep-eat-buy-die-consumer-Haushalten, träumen sie vielleicht noch von der Finanzierung eines Babys oder zwei, drei. Aber bloss nichts anmerken lassen und öffentlich ja keine Freude an Kindern zeigen, sie könnten sogleich als Pädophile in Verdacht geraten, bei der heutigen Manie des allgegenwärtigen Kindsmissbrauchs, der statistisch ja in jeder 4. Familie vorkomme. Warum wohl?

Selbstverständlich gibt es tragende gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Kaum jemand glaubt ernsthaft, dass eine heterosexuelle Lebensgemeinschaft a priori immer idealere pädagogische Rahmenbedingungen bietet. Und es ist wahrscheinlich auch kaum jemand zu finden, von rechts bis links, der sich ausschliesslich vom Prinzip "sola scriptura", auch in dieser Frage, leiten lässt. Dennoch: Nie im Leben hätte ich aufwachsen wollen in einer Familiengemeinschaft, wo zwei Frauen oder zwei Männer das Sorgerecht über mich ausgeübt hätten. Das traditionelle Familienmodell mag sich noch so verändern und verdrängt werden, das Modell der Allein-Erziehenden, sei es infolge zunehmender Scheidungs-Raten oder anderweitiger Lebensentwürfe sich noch so weit ausbreiten, ich votiere dennoch für ein privilegiertes Familiemodell auch für die Zukunft, welches Frau und Mann (wenn möglich Mutter u. Vater) als Regelverantwortliche für die eigentliche Kindersozialisation in die Pflicht nimmt.

Und wie rechtfertigen Sie so ein privilegiertes Familienmodell? Indem alle anderen Formen des Zusammenlebens der Privilegien einer überkommenen Form von Ehe wegen weniger privilegiert sein sollen? Schon ziemlich dreist. Und die minder Privilegierten sind dann gerade noch recht genug, für deren Privilegien zu zahlen. Ich hoffe, die machen Ihnen einen Strich durch die Rechnung. Ganz nebenbei: Die wachsende Zahl von Kindsmisshandlungen in der Schweiz spricht auch nicht gerade für das althergebrachte Familienmodell.

Die Phänomen der Kindsmisshandlungen spricht in keiner Weise gegen ein Modell, wo Kinder in einem eher traditionellen Rahmen, in welchem Frau UND Mann, Mutter UND Vater, die zentrale Rolle bei der Sozialisation spielen. Trotz der Tatsache, dass die meisten Kindsmisshandlungen/Kindsmissbrauch im nächsten sozialen Umfeld sich ereignen: Studieren Sie einmal kriminologische Studien, bevor sie mit diesem Argument traditionelle Modelle in ihrer Bedeutung entwerten oder relativieren wollen. Es liegt mir im Übrigen fern, zu behaupten, dass Allein-Erziehungsmodelle, gleichgeschlechtliche Modelle nicht auch geeignet sind, die Sozialisation zu bewältigen. Ich plädiere nur dafür, dass zweigeschlechtliche Modelle die Regel bleiben sollten.

Bitte nicht ausblenden, dass wir in Westeuropa die Polygamie der eingewanderten Muslime nicht nur tolerieren, sondern sogar mittels unsere Sozialsysteme finanziell unterstützen.

Für die totalitäre Hetero-Ehe und gegen jegliche Kinder-Betreuung durch gleichgeschlechtliche Paare kämpfen nun oft die selben religiös bornierten und verblendeten Kreise, die andererseits wehrlose Kleinkinder Jahrzehntelang brutalen bis perversen Priestern und Nonnen in unzähligen Horror-Heimen oder gewalttätigen Bauern ausgeliefert haben. Und danach die Aufklärung der entsprechenden Misshandlungen und Missbräuche hartnäckig hintertrieben haben. Was sie nicht einsehen und begreifen wollen: Die Chancen und Risiken, dass ein Kind in guten oder schlechten Verhältnissen aufwachsen kann, sind in Hetero- oder Homo-Haushalten ungefähr gleich gross, wie in Einelternhaushalten (mit oder ohne Hund). Sicher ist aber eines: Jene Verdingkinder, die mitunter von religiösen "Unverantwortlichen" aller Art ins Heim-Martirium gezungen und dort dann vernachlässigt und schutzlos vergessen wurden, wären sicher liebendgern in einer Pflegefamilie bei Lesben oder Schwulen aufgewachsen. Oder bei ihren lieblichen Müttern, denen diese Kinder oft in übelster Selbstgerechtigkeit entrissen wurden. N. Ramseyer, BERN

Wenn die "Ehe für Alle" Gesetz wird, stehen unsere christlichen Lebensregeln zur Disposition. Wollen wir das?
Lebensregeln sind Leitlinien die immer schon im Guten wie im Schlechten über- oder unterschritten wurden. Aber als Orientierung sind sie wichtig und nötig. Keine Regeln = zunehmendes gesellschaftliches Chaos!
Ich möchte nicht die ganzen Verfehlungen von Religionen, Staaten, Behörden und Institutionen versuchen aufzuzählen. Das bringt nichts. Aufklären, abklären, beurteilen bis verurteilen ist sicher richtig.
Aber man darf auch die guten Lösungen der Institutionen nicht vergessen!
Wenn jedmögliche Geschlechterverbindung zur Ehe
hochstilisiert wird und dazu noch Adoptionen, Leihmutterschaft und künstliche Befruchtung ein Weg zu Kindern sind, dann stimmt etwas mit unserer Gesellschaftsform nicht mehr.
Warum können sich gleichgeschlechtliche Paare nicht mit der rechtlichen Gleichstellung zufrieden geben? Meiner Meinung nacht
steht der Begriff "Ehe" nur für Beziehungen zwischen Mann und Frau.
Hier noch mein genereller Leserbrief zu diesem Thema:
Sehr geehrte Damen und Herren

Ich bin mein langes privates und berufliches Leben sehr gut mit Lesben und Schwulen ausgekommen.
Auch als Vorgesetzter habe ich mich neutral und korrekt positiv verhalten. Ich bin auch dafür, dass versicherungstechnisch keine Benachteiligung bestehst. Eingeschriebene Partnerschaften etc., alles soweit für mich in Ordnung!

Trotzdem stört es mich sehr, wie seit längerer Zeit besonders zahlreiche und positive Artikel über Lesben und Schwulen - Partnerschaften
in der Presse erscheinen - Mit dem Ziel diese Partnerschaften der Ehe gleichzustellen und auch so zu benennen.
Eingeschlossen darin auch die Möglichkeit der Kindesadoption.
Auch die Umfragen des Bundes mit hoher Zustimmung zur Schwulen und Lesben Ehe zeigen in diese Richtung.

Nun wird auch in Ihrem Heft die Meinung vertreten, dass es keine Rolle spielt wie und wo Kinder aufwachsen.
Hauptsache die liebevolle Betreuung stimmt, egal ob in einer traditionellen Ehe oder in gleichgeschlechtlichen
Partnerschaften. Das mag im Einzelfall so stimmen aber im Gesamten sicher nicht!
Im Anhang gebe ich einen Hinweis zu einigen wichtigen Artikeln der FAZ zu Kindern gleichgeschlechtlicher Paare bekannt.

Es geht nicht an, dass durch moderne Fortpflanzungsmethoden und Adoptionen diese Paare zu Kindern kommen.
Sie werden sicher denken, dass in heutigen Ehen auch nicht mehr so alles in „Ordnung“ ist. Das stimmt: Scheidungen, Fremdgehen,
Lebensabschnitts-Partnerschaften etc. alles nimmt zu. Über die Folgen der „lockeren“ Eheauffassung mit ihren sozialen Schwierigkeiten
und deren Auswüchse sind Sozialbehörden intensiv gefordert bis überfordert!
Und jetzt sollen auch noch die „Ehen“ der Gleichgeschlechtlichen dazu kommen!

Es ist richtig das die Lesben und Schwulen nicht mehr diskriminiert werden und das sie ihre geschlechtlichen Neigungen
offen bekennen können, aber aus der gesellschaftlichen Akzeptanz nun ein Eherecht und Adoptionsrecht abzuleiten
geht mir entschieden zu weit. Der Begriff der Ehe muss für Mann und Frau vorbehalten bleiben. Ebenso das Adoptionsrecht.

Nachdem jahrzehntelanges schrilles Auftreten an Loveparaden und ähnlichen Anlässen nicht den gewünschten Erfolg brachten,
werden uns nun „brave und relativ unscheinbare Musterpartnerschaften“ aus der Schwulen und Lesben-Scene in den Medien präsentiert,
um endlich die absolute Gleichberechtigung mit der Ehe zu erreichen.

Irgendwie versucht die Lesben und Schwulen-Allianz die letzte Bastion der Gesellschaftsnorm im „Husarenstreich“ zu erobern. Das kann es nicht sein!
Als Ehegatte, Familienvater und Grossvater von 7 Enkeln lehne ich die Bezeichnung Ehe für gleichgeschlechtliche
Partnerschaften ab. Dies muss Mann und Frau vorbehalten bleiben.
Für gleichgeschlechtliche Partnerschaften muss eine eigenständige Bezeichnung gefunden werden. Der Begriff der Ehe ist besetzt durch Mann und Frau.

Besonders schwer tun sich meiner Meinung nach die Kirchen. Sie wollen niemand diskriminieren und den „Anschluss an den aktuellen Zeitgeist“ nicht verlieren. Aber sie vergessen dabei die biblischen Inhalte und Gesetze!
Ich plädiere nicht für die strengen alttestamentarischen Vorgaben, aber die geschlechtlichen Normen sollten eingehalten werden. Es geht nicht an, dass die Genderbewegung und die verschiedenen Geschlechtervaritäten
den normalen Mann und Frau Lebensbeziehungen ihre Wunschvorstellungen von Beziehungen aufzwingen!

Es wäre für die Zukunft der christlichen Kirchen eine wichtige Aufgabe für die Beziehungen von Lesben, Schwulen und weiteren
Geschlechtsvarianten eine kirchliche Segensform zu schaffen, die aber nicht den Namen „Ehe“ trägt.
Gleichzeitig sollte die Wichtigkeit der klassischen Ehe und das Aufwachsen der Kinder in liebevollen Mutter- und Vater-Beziehungen gestärkt werden.

Freundliche Grüsse
Henning Gietenbruch

Info: http://www.faz.net/-gpg-79ug1

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