Das Rätsel der Labilität

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Das Rätsel der Labilität

Von Stephan Wehowsky, 20.08.2018

Gegen die sexuellen Abstürze mancher Gottesmänner helfen keine noch so gut gemeinten Reformen.

Auch Feinde der katholischen Kirche hätten sich nicht die Abgründe vorstellen können, die seit einigen Jahren nach und nach ausgeleuchtet werden. Die jüngsten Urteile in Australien und Pennsylvania, die allzu spät zugegebenen Skandale in Chile markieren noch längst nicht das Ende dieser Odyssee des Horrors.

Jetzt spricht der Vatikan von Reformen. Fehlverhalten solle schneller erkannt und geahndet werden. Laien sollen mehr Mitsprache erhalten. Überhaupt wird mehr „Sensibilität“ eingefordert. Das ist nötig, aber alle Reformen dieser Art gehen am eigentlichen Problem vorbei. Denn eine entscheidende Frage wird nicht gestellt:

Wie ist es möglich, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Männern, die sich den edelsten spirituellen Zielen verschrieben haben, offenbar willenlos sexuellen Fantasien und Obsessionen erliegen? Irgendetwas stimmt da nicht.

Man muss und kann so fragen, denn Sozialpsychologen haben schon vor Jahrzehnten schonungslos die tieferen Gründe für die moralischen Abstürze unserer Kulturen untersucht. So hat Stanley Milgram zum Beispiel nachgewiesen, dass ganz normale Bürger problemlos Mordbefehle ausführen, wenn sie dazu von angeblichen wissenschaftlichen Autoritäten verleitet werden. Später hat Philip Zimbardo in Experimenten gezeigt, wie stark Menschen unter Gruppendruck ihren moralischen Kompass verlieren. Unsere Kultur hat eine blank geputzte Oberfläche, darunter aber lauern die Teufel. Zimbardo spricht vom „Luzifer-Effekt“.

Dieser schmerzhafte Weg der Selbsterkenntnis steht der katholischen Kirche, und nicht nur ihr, noch bevor. Sie muss die Frage beantworten, warum für manche Geistliche das spirituelle Leben und Wirken Leerstellen erzeugt, die durch sexuelle Obsessionen ausgefüllt werden. Oder entscheiden sich auffällig häufig auch solche Personen für diesen Weg, die sexuell labil sind? Wir wissen es nicht. Auch um ihrer selbst willen muss die Kirche die Frage beantworten, welche Einflüsse oder Schwächen bei Teilen ihrer Geistlichkeit dazu führen, dass diese von allen guten Geistern verlassen werden.

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Kommentare

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Es dürfte sich bei diesem Problem der vermeintlichen Labilität von Geistlichen einerseits psychologisch um "die Wiederkehr des Verdrängten" handeln. Also wenn unser stärkster Trieb, die Fortpflanzung und die Lust darauf und daran, durch moralische, ethische, kulturelle, sittliche, soziale und juristische Einschränkungen und Verbote unterdrückt wird, bahnt er sich unweigerlich einen pervertierten Weg in die Realität und das Leben, was dazu über die Schwächsten am einfachsten geht. Dabei verstossen die Priester dann nicht gegen eines der 10 biblischen Gebote, nämlich die Ehe nicht zu brechen, sondern bloss etwas unkeusch mit Kindern gewesen zu sein, was sie wohl als nicht so schlimm taxieren, oder ihnen mehr Lust und Befriedigung verschafft, als etwa im realen Leben in eheänhlichem Zustand mit gleich erwachsenen Partnern Geschlechtsverkehr auszuüben. Andererseits erscheint das gehäufte Auftreten zu Hunderten und Tausenden von solchen Fällen nun auf der ganzen Welt, als kollektive Gehirnwäsche und satanistisch- negative Hypnose-Implantate an Manipulations-Opfern, z. B. als "Psy-Ops" und fern applizierte "Mind Control" Operationen im Sinne etwa von Satanisten Boss Col. Michael Aquino und militärischen Konsorten im Dienste der "Full Spectrum Dominance" Doktrin. Damit wird das Gute, Christliche, Nächstenliebende, Pazifistische, Geistige und Heilige und seine Personen so schwer wie möglich beschädigt, und ihre Stimmen, hier im Falle der christlichen Kirchen, etwa 2,26 Milliarden quasi Kriegs- und Gewaltgegner, verlieren an Kraft und Glaubwürdigkeit.

"Rätsel" der Labilität: naja, so rätselhaft ist das vielleicht nicht im System des Zwangszölibats. Die obsessionenwirkende "Leerstelle" kommt eher nicht von der Spiritualität, sondern vom Verbot der guten Gabe Sexualität. Gut, wenn die "Selbsterkenntnis" der katholischen Kirche hier ansetzen wollte... Aber das ist die Fremderkenntnis eines reformierten Pfarrers, pensioniert, der diese Sorgen nicht hatte (aber andere)...

Ein Priester in der katholischen Kirche wird wegen dem Zölibat nur ein Mann, der an einer normalen Sexualität mit Ehefrau und Kindern kein Interesse hat. Darum braucht sich niemand wundern, wenn es in der katholischen Kirche gehäuft zu sexuellen Abstürzen kommt.

Rätsel der Labilität.
Sind wir nicht alle sexuell ¨labil¨?
dh. empfänglich für das Wunder Sexualität, weil wir doch so und nicht anders geschaffen sind? Weshalb müssen sich denn Priester so verhalten als wären sie ohne Geschlecht, gewissermassen körperlos? Wären sie dadurch wertvoller? es liegt am rückständig Traditionellen der Kirche, die gänzlich unzeitgemäss Unmenschliches fordert.

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