CO2-Abgabe

Stephan Wehowsky's picture

CO2-Abgabe

Von Stephan Wehowsky, 29.04.2019

Der spürbare Klimawandel löst Proteste, zugleich aber lähmendes Entsetzen aus. Was hilft gegen die Schockstarre?

Es ist nicht nur billig, sondern auch schäbig und niederträchtig, gerade jungen Leuten vorzuhalten, etwas Besseres als regelmässige Demonstrationen fiele ihnen in Anbetracht der nahenden Klimakatastrophe nicht ein. Wie sollten sie auf Lösungen kommen, die auch andere Aktivisten, die sich schon vor ihnen für den Klimaschutz eingesetzt haben, vergeblich suchten?

Auf der anderen Seite wird mit Scheinlösungen jongliert: Grosse Teile der Automobilindustrie preisen die Elektromobilität an und übersehen geflissentlich, dass auch die nicht emissionsfrei sein wird und viele neue Probleme schafft. Zudem braucht ihre Einführung sehr viel Zeit, die wir schon längst nicht mehr haben.

Dabei gibt es eine Lösung, die wenigstens in Ansätzen bereits verwirklicht und erprobt ist: die CO2-Abgabe. Die ist so einfach wie logisch: Diejenigen, die CO2 produzieren, müssen dafür Steuern zahlen. Ein Braunkohlekraftwerk würde dadurch zum Beispiel sehr viel teurer als bisher, weil die Betreiber für jede Tonne CO2 bares Geld auf den Tisch legen müssen. So verdient RWE derzeit nach eigener Auskunft drei Cent pro Kilowattstunde Braunkohleverstromung. Das deutsche Bundesumweltamt schätzt, dass eine adäquate CO2-Steuer bei etwa 19 Cent pro Kilowattstunde liegen würde.

Zahlreiche Länder machen inzwischen gute Erfahrungen mit der CO2-Steuer: in Europa zum Beispiel die Schweiz, Liechtenstein, Finnland, Norwegen, Schweden und Frankreich. Mit 115 Euro je Tonne CO2 hat Schweden die höchste CO2-Abgabe Europas.

CO2-Abgaben geben der Dringlichkeit des Umsteuerns unserer Energienutzung einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Ausdruck. Jeder möchte Kosten vermeiden. Also wird man den Verbrauch verringern, sei es durch Innovation oder Verzicht. Das ist mit Härten verbunden, aber wenn wir unseren energiefressenden Lebensstil nicht rasch und radikal ändern, werden uns die Folgen noch viel härter treffen, nur dass wir dann keinerlei Gestaltungskraft mehr haben.

Konservative Politiker und Wirtschaftskreise wehren sich gegen diese Abgaben und Steuern. Dazu verwenden sie ein in ihren Augen fabelhaftes Argument: Zeigen nicht die Gelbwesten in Frankreich, wie eine Verteuerung von Treibstoffen zu sozialen Unruhen führt!? Offenbar haben diese Leute noch nichts davon gehört, dass der Staat Einnahmen auch zur Stützung Benachteiligter verwenden kann. In einigen Ländern geschieht das bereits.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Es ist wahr, es ist fünf vor Zwölf aber….

Es herrscht auch Wirtschaftskrieg und da kämpft man eben so, halt so wie wir es schon lange kennen! Und wir? Der Wichtigkeit bewusst, hell leuchtend Vorbild und durchaus auch Mal Winkelried spielen ohne jede Garantie, dass andere wirklich mitziehen. „ Jeu dangereux“ Ich persönlich mag den Ablasshandel nicht, er taugt nicht! Es müsste anders funktionieren. Gerade hier im Bereich Klimaschutz wären eher Benutzer-Quotenregelungen das Mittel der Wahl, würde Reich und Arm gleicher Massen treffen. Ressourcenplanung wäre wohl auch ein Mittel und dadurch entstünde dann eine lineare Wohlstandminderung, eine die in Zukunft so oder so kommen muss. Noch was! Sie kam aus dem Westen und legte in San Remo im Hafen an, der Zähler ratterte und ratterte, bei 24`000 Liter fragte ich den Tankwart: Was braucht diese 50Meter Jacht auf 100 KM so etwa? Ungefähr 1600 Liter oder wenn sie wollen 600 Liter in der Stunde meinte er. Aha, OK denen geht’s wohl gut…. Schönen Tag noch! …cathari

Ein Weltkonzern steht vor grossen Herausforderungen, er muss sich neu ausrichten, einige Abteilungen schliessen und gleichzeitig in neue Geschäftsfelder investieren. Die Geschäftsführung orientiert die Angestellten. Grosses Geschrei: das sei doch alles übertrieben, es sei längst nicht so schlimm, wie dargestellt. Man wolle weitermachen, wie bisher und unterstütze die Reorganisation überhaupt nicht. Nach zwei Jahren passivem (und aktivem) Widerstand gegen die geplante Neuausrichtung nehmen die finanziellen Probleme Überhand. Die Geschäftsführung orientiert die Mitarbeitenden: Wenige, noch gesunde Abteilungen werden von der Konkurrenz übernommen, alle anderen Abteilungen werden geschlossen. Die selbe Gruppe der Mitarbeitenden, welche vor zwei Jahren strikte gegen eine Neuausrichtung waren, reklamieren nun: weshalb habt ihr uns nicht früher über den desolaten Zustand der Firma orientiert?
Es ist offensichtlich, dass in der Klimadiskussion weite Teile der SVP (Führung) dieser Gruppe von ignoranten Angestellten entsprechen. Die Rechnung, welche der Menschheit präsentiert werden wird, zahlen wir alle.
Deshalb: lasst euch nicht von blinden Ignoranten führen, sondern nehmt die Herausforderungen mutig und kreativ selbst an die Hand.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren