Blind für die Ursachen

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Blind für die Ursachen

Von Alex Bänninger, 15.12.2016

Wir bauen der wachsenden Mobilität hinterher. Dafür sorgt eine mächtige Lobby.

Lebten wir im Jahr 1970, könnten wir uns mit unschuldiger Fortschrittsgläubigkeit über den Bundesrat und das Parlament freuen, die mit der grossen Kelle das Verkehrsnetz verbessern, um die wachsende Mobilität zu bewältigen. Uns erschiene die Idee, die Strassenkapazität dem Verkehrsaufkommen anzupassen, als pionierhaft und einleuchtend.

Leider schreiben wir das Jahr 2016. Durch die Zersiedelung verdichtet sich die Schweiz. Die Umweltbelastung steigt. Trotz rassiger Beseitigung der Nadelöhre und kühner Tunnelbauten bricht der Verkehr regelmässig zusammen. Dennoch beschwören wir die Mobilität als modernen Freiheitsbegriff, als wäre sie gewährleistet wie vor einem halben Jahrhundert.

Wir lernten gar nichts. Neue Probleme lösen wir mit alten Werkzeugen. Der Rückgriff nennt sich Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds, kurz NAF. Wir naffen und naffen und steuern den Verkehr auf breiteren und begradigten Strecken an die Wand. Wie seit eh und je.

Offenbar gilt die Symptombekämpfung als Naturgesetz. Seine Lobby ist die Mehrheit der Bevölkerung. Noch. Zu spät wird dämmern, wie erfolgversprechend es gewesen wäre, sich mit den Ursachen der Verkehrskalamität zu befassen. Der Rückbau der dereinst zubetonierten Schweiz wird teuer. Aber zu gerne präsentieren wir der nächsten Generation hohe Rechnungen. Auch ein Naturgesetz.

Kommentare

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Wie wahr! Glücklicherweise kommt uns nun die technische Weiterentwicklung zu Hilfe. Selbstfahrende Autos werden uns Passagiere ohne Lenker unfallfrei zum Ziel chauffieren. Die bestehenden Strassenkapazitäten werden viel besser ausgenutzt, teure Erweiterungen sind obsolet. Wissen auch die SBB, wo sie bleiben werden?

Strassenfonds (NAF) NEIN: Zuerst Zuwanderung in den Griff kriegen!

Bevor der Bund die Zuwanderung in die Schweiz nicht auf ein vernünftiges Mass zurückgeführt hat, drängt es sich nicht auf, mehr Geld für den Ausbau der Strassenkapazitäten auszugeben. Durch den Ausbau der Infrastruktur schaffen wir nämlich die Voraussetzungen für noch mehr Zuwanderung. Die Kosten für den Infrastrukturausbau, der hauptsächlich durch die enorme Zuwanderung ausgelöst wird, tragen vorzugsweise die bereits Ansässigen.

Ach ja, seit Annahme der Personenfreizügigkeit steigt die Anzahl Automobile in der Schweiz um rund 90 Tausendn pro Jahr an. Es wanderten somit nicht nur Grüne ein. Allein, eine weitere Tabuzone.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist durch ihre zur Religion erklärte materialistische Habgier, dem Konsumerismus und "Geld machen" gezwungen, sich mit adäquaten kapitalistischen Status- und Prestige- Wegwerf-Objekten wie Autos und Töffs den Zutritt zu den multinationalen Tempelbauten der individuellen Verkehrszeremonien, den Strassen zu erkaufen. Jeder will dabei sein und fährt mit allen und alle mit jedem. Dann bist du Mensch, egal was es kostet.

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