Berlusconi, immer wieder

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Berlusconi, immer wieder

Von Heiner Hug, Rom - 26.04.2018

Wenn sich da nicht einer ins Fäustchen lacht ...

Beide waren heiratswillig. Die Protestbewegung Cinque Stelle, die stärkste italienische Partei, und die rechtspopulistische Lega wollten gemeinsam die neue Regierung bilden. Zwar stritt man sich noch, wer Ministerpräsident werden sollte, doch das Problem schien lösbar.

Ein anderes Problem hingegen nicht. „Mit Lega-Chef Matteo Salvini geht nichts mehr“, sagt jetzt plötzlich Luigi Di Maio, der Anführer der Cinque Stelle. Und er wirft die Lega aus dem Bett.

Das Problem heisst Berlusconi. Die 5 Sterne, die sich gern ein sauberes Image verpassen, wollen einzig mit der Lega regieren – nicht aber mit dem mehrmals verurteilten Berlusconi und seiner Forza Italia. Diese jedoch ist mit der Lega verbündet. Stellt aber Salvini Berlusconi kalt, besteht die Gefahr, dass das Rechtsbündnis zerbricht und Salvini von rechts unter Druck kommt.

Wieder also dominiert Berlusconi die italienische Politik. Doch diesmal ganz anders als früher. Der grosse Silvio, Milliardär, Frauenbetörer und Medienmogul – er ist plötzlich zur Belastung geworden: zum Klotz am Bein von Matteo Salvini. Zwar hat das Rechtsbündnis, dem neben der Lega und der Forza Italia auch die postfaschistischen Fratelli d’Italia angehören, zusammen am meisten Stimmen erhalten. Doch Berlusconi könnte erreichen, dass die Rechte nicht regieren kann.

Schon haben die 5 Sterne begonnen, mit dem sozialdemokratischen „Partito Democratico“ (PD) zu flirten. Ein Teil des PD ist offen für eine Regierung mit den Sternen. Doch nur ein Teil. Eine starke Fraktion um den früheren Ministerpräsidenten Matteo Renzi schliesst eine Koalition mit den Sternen kategorisch aus. Renzi will, dass die arg zerzausten Sozialdemokraten sich in der Opposition regenerieren. Käme es dennoch zu einem Bündnis zwischen den 5 Sternen und einem Teil des PD, würde das wohl eine Spaltung der Sozialdemokraten bedeuten.

Seit jeher hasst Berlusconi seinen Lega-Partner Salvini. Er hasst ihn mehr als seinen Lieblingsfeind, die Linke. Jetzt könnte es dem bald 82-jährigen schlauen Fuchs gelingen, Salvini daran zu hindern, an die Macht zu gelangen. Zweitens könnte Berlusconi die Sozialdemokraten wieder einmal spalten. Zwei Fliegen auf einen Schlag. Wenn sich da nicht einer ins Fäustchen lacht ...

P. S. Vielleicht kommt es ganz anders. Vielleicht hat Salvini doch noch die Kraft, Berlusconi kalt zu stellen und wieder ins Sterne-Bett zu kriechen. Dann dürfte die Rechte zerbrechen.

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