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Kommentar 21

Personenkult statt Lektüre

23. Oktober 2022
Christoph Kuhn
Kim de l'Horizon
Kim de l'Horizon, Gewinner des Deutschen Buchpreises, aufgenommen am 17. Oktober 2022 an der Frankfurter Buchmesse (Keystone/EPA, Ronald Wittek)

Um den Schweizer Gewinner oder die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises ist ein gewaltiger Rummel ausgebrochen. Die kritische Beschäftigung mit dem preisgekrönten Werk hat mit dem Hype nicht so recht Schritt gehalten. Es muss hierfür wohl erst etwas Ruhe einkehren.

Kim de l’Horizon, eine schreibende nonbinäre Person aus Ostermundigen, hat kürzlich den deutschen Buchpreis für den Roman «Blutbuch» erhalten – und es würde niemanden erstaunen, wenn der Roman auch den Schweizer Buchpreis, der im November verliehen wird, gewinnen würde. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, will ein paar Wochen zuwarten und es mir vornehmen, wenn der Rummel um Kim de l’Horizon abgenommen hat. Denn der Rummel, der seit der Bekanntgabe des Preises um ihn entstanden ist, hat gigantische Ausmasse angenommen und würde einem ein ruhiges, vorurteilfreies Lesen sehr erschweren.

Die Person aus Ostermundigen hat ein Buch geschrieben. Es soll sich, so die Zeitungsartikel, in denen es um den Inhalt des Romans geht, um spannende Literatur handeln. Dass es um Literatur geht, um Wörter und Sätze, um Sprache und Stil, um eine Komposition – davon erfährt man im gewaltigen Papierausstoss, den der Roman verursacht, wenig bis nichts. Wenn Inhaltsangaben gemacht werden, dann atemlos, sie wirken wie Entschuldigungen. Das, was man früher Literaturkritik nannte, Beschreibungen, Bewertungen, Analysen, habe ich im Zusammenhang mit «Blutbuch» noch kaum entdecken können.

Es dreht sich, in schon fast grotesker Art, alles nur um die Person, die den Preis gewonnen hat. Nun versteckt sich Kim de l’Horizon nicht gerade vor der Öffentlichkeit und er/sie hat auch nichts dagegen, wenn ihn/sie die Medien zum Popstar küren. Geschrieben aber hat er/sie ein Buch, einen Roman, etwas zum Lesen. Lesen ist und bleibt eine stille Angelegenheit jenseits der Öffentlichkeit. Eine imaginäre Reise in fremde Welten verheisst der Roman «Blutbuch» und eine solche Reise, ein solches Lesen wird umso ereignisreicher, als sich Leser oder Leserin von der Person, die das Buch geschrieben hat, entfernen, um selber zu entdecken, zu erleben, zu begreifen, was geschrieben steht.

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