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Architektur

«Neue Einfachheit» aus den 80er-Jahren

8. September 2026
Fabrizio Brentini
Fotostudio Frei
Foto: Daisuke Hirabayashi

Das Museum Bellpark in Kriens dokumentiert mit einer kleinen Ausstellung Bau und Veränderungen des ehemaligen Fotostudios Frei in Weil am Rhein. Das Gebäude ist eine der ersten Realisationen des damals noch jungen Teams Herzog & de Meuron.

Die Frage, was aus dem Frühwerk von Herzog & de Meuron geworden ist, erinnert an die Recherchen nach dem Lebensweg ehemaliger Berühmtheiten, die in Vergessenheit geraten sind. Auch wenn man mit dem Gesamtwerk des inzwischen weltweit tätigen Architekturunternehmens vertraut ist, dürfte man das 1982 eröffnete Fotostudio Frei kaum kennen. Verschwiegen wurde es von Herzog & de Meuron allerdings nicht. Im ersten Band des Gesamtwerkes wird das bescheidene Gebäude, das auf der auf über 700 Einträge angewachsenen Werkliste als Nummer 14 figuriert, ausführlich präsentiert. 

Welch ein Unterschied zu den megalomanischen Monumenten der letzten Jahre! An ein bestehendes, 1930 erbautes Haus schoben die Architekten einen niedrigen schmalen Flügel, der auf einer Seite verglast ist, und im rechten Winkel dazu einen höheren Trakt mit drei auffälligen schrägen Oberlichtkästen, sodass ein intimer Hof gerahmt werden konnte. 

Die Konstruktion besteht aus einem Betonfundament und einem Holzgerüst, das mit Sperrholzplatten, Brettern und Teerpappbahnen ausgefacht und verkleidet wurde. Die stützenlose Halle als Arbeitsort für den Fotografen und seinem Team wurde weiss bemalt, um das Arrangieren der Kulissen und die Einstellungen für die Kunstbeleuchtung bestmöglich zu garantieren. Die Architektur lässt sich nahtlos in die zahlreichen Beispiele junger Architektinnen und Architekten einfügen, die in den frühen 1980er-Jahren mit der Etikette «Neue Einfachheit» versehen wurden und international auf grosses Interesse stiessen. 

Modell Fotostudio Frei
Foto: Rolf Frei

In Kriens werden originale Dokumente der Planungs- und Bauzeit aus dem umfangreichen Archiv von Herzog & de Meuron gezeigt: Skizzen, Ausführungspläne, Fotos und ein Modell. Faszinierend sind vor allem die Tusch- und Bleistiftzeichnungen auf Pergamentpapier, Resultate einer inzwischen vom Computer verdrängten Fertigkeit. Man kann nicht anders als geradezu andächtig vor diesen gerahmten Blättern stehen und die Resultate eines Handwerks bewundern, das höchste Konzentration und Präzision erforderte.

Die Erinnerung an diesen Aufbruch verblasst allmählich, so wie auch die Sorge um den Erhalt der Substanz abnimmt. Die Inhaber des Fotostudios Frei veräusserten 1990 das Ensemble, das bis 2022 unterschiedlichen Firmen als Werkstatt diente, verbunden mit baulichen Veränderungen. Es gab bald einmal Überlegungen, das Grundstück zur Disposition zu stellen. 2020 lag sogar ein Projekt für eine Wohnüberbauung vor, doch kurz darauf schaltete sich die Denkmalpflege ein und stellte die Gebäude unter Schutz. 

2022 übernahm Rolf Fehlbaum, der wesentlich für die Entstehung des Architekturparks auf dem Vitra-Gelände verantwortlich war, die Anlage mit dem Ziel, darin eine Art Kulturwerkstatt aufzubauen. Für den bis 2025 dauernden Umbau beauftragte er den jungen Basler Architekten Florian Stroh, der sich mit seinem Büro «studio ne» auf Transformationen bedeutender Bauten spezialisierte. Zudem war er längere Zeit im Team von Herzog & de Meuron tätig und somit am besten für eine solche Aufgabe prädestiniert. 

Würdigunng ohne sterile Musealisierung

«studio ne» stellte so weit wie möglich den originalen Zustand wieder her und wandelte das Untergeschoss in einen Kinoraum um – dies übrigens auf einen Vorschlag von Jacques Herzog selbst anlässlich eines Besuchs. Nach Abschluss des Umbaus wurde der japanische Fotograf und Architekt Daisuke Hirabayashi (auch er arbeitete etliche Jahre mit Herzog & de Meuron zusammen) für eine fotografische Dokumentation engagiert. Die Aufnahmen, die weitaus mehr sind als die üblichen kristallin reinen Architektur-Ansichten sind in Kriens in einem eigenen Raum zu sehen.  

Zur Ausstellung wird im Park Books Verlag eine Monografie erscheinen, die leider erst am 10. Oktober im Museum Bellpark vorgestellt wird. Architekturgeschichtliche Ausstellungen setzen üblicherweise den Urzustand eines Werkes als Massstab, an dem künftige Veränderungen gemessen werden. Dabei wird eher der Verlust des Originals beklagt, als dass wohlwollend zur Kenntnis genommen wird, dass die Benutzer und Benutzerinnen sich darum bemühen, ihre vier Wände sinnvoll zu bespielen und folglich Anpassungen vornehmen müssen. Wer dogmatisch nur das Ursprüngliche gelten lässt, übersieht, dass mit einer solchen Forderung ein architektonisches Artefakt nur als Museum bestehen kann. 

Den Verantwortlichen der Krienser Ausstellung kommt das Verdienst zu, den ganzen Weg dieses Frühwerkes von Herzog & de Meuron vom Neubau über die verschiedenen Nutzungen bis zum Umbau zu würdigen. Nicht ein Denkmal wird nobilitiert, sondern ein Gebäude, das auch nach über vierzig Jahren geschätzt und unterhalten wird. 

Museum Bellpark Kriens: 
Fotostudio Frei von Herzog & de Meuron
Geschichte eines Hauses 
bis 8. November 2026

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