Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Kommentar 21

Kein Überblick mehr

12. Dezember 2016
Christoph Kuhn
Wohin wir als Medienschaffende nicht steuern sollten.

In der „Zeit“ lese ich einen Artikel, in dem sich der Autor – wie das heute viele unserer Kollegen tun – fragt, was denn „schiefgelaufen“ sei im Journalismus in jüngerer Zeit. Früher, meint er, sei ein Journalist einer gewesen, der versucht habe, „den Überblick“ zu behalten. Stimmt. Auch wenn sich, in relativierender Nach-Sicht, entsprechende Überzeugungen oft als illusionär erwiesen. In besonders euphorischen Momenten meinten wir sogar, über den Durchblick zu verfügen.

Das hat sich gründlich geändert. Die Zustände und Entwicklungen in all den Gebieten, die wir bearbeiten, sind derart instabil, wechselhaft und unübersichtlich geworden, dass die Behauptung, den Überblick zu behalten, obsolet und oft nur noch lächerlich wirkt. Weil das Über- und Durchblicken so aussichtslos geworden ist, behelfen sich immer mehr von uns mit der Erzählung. Nennen sie das „Narrativ“, um ein bisschen was herzumachen, spitzen sie zu, laden sie mit Emotionen und forcierten Sinngebungen auf.

In der Literatur kann ein derart aufgeheiztes Narrativ die schönsten Resultate liefern. Im Journalismus gibt es Grenzen. Sie verlaufen der Wirklichkeit entlang. Es werden von uns an Fakten orientierte Erzählungen erwartet, keine Fiktionen. Ein Kokettieren mit dem „Postfaktischen“, wie das (Un)wort des Jahres heisst, bringt uns in Teufels Küche. Will heissen: Unsere Texte verlieren die Glaubwürdigkeit, ohne die sie, auf kurze und lange Sicht, nun mal nicht existieren können.

Letzte Artikel

Ein Engel namens Meloni

Heiner Hug 1. Februar 2026

Was ist Wahrheit?

Christoph Zollinger 1. Februar 2026

Moskau hält sich nicht an Trumps angekündigte Feuerpause

Reinhard Meier 31. Januar 2026

Das nahe ferne Land des Ruhrgebiets

Stephan Wehowsky 31. Januar 2026

Homo fingens – die heimliche Macht der Fiktion

Eduard Kaeser 30. Januar 2026

Russische Feuerpause für ukrainische Städte?

Reinhard Meier 30. Januar 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.