Das Schauspielhaus Zürich steht in der Kritik. Es produziere am (potenziellen) Theaterpublikum vorbei, heisst es immer wieder. Dies erkläre die notorisch schlechten Besucherzahlen. Und hat eine Produktion doch einmal Erfolg, macht die Kritik sie nieder.
Und man siehet die im Lichte…
so Brecht in seiner Dreigroschenoper, angekündigt für die kommende Spielzeit im Schauspielhaus Zürich. «Glamourös, scharfsinnig und politisch brisant» soll sie werden.
Was in dieser Spielzeit «im Lichte» dort zu sehen war, stiess auf ein bescheidenes Interesse beim Zürcher Publikum. Mit einer Ausnahme: «Il Gattopardo» im Schiffbau. Stolz verkündete die Direktion die Einladung dieser Aufführung zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin. Die Ernüchterung danach muss gross gewesen sein.
Die Kritiken fielen harsch aus. «Pina Karabuluts ‚Il Gattopardo‘ versank komplett in Ausstattungs-Opulenz und gepflegter Langeweile…» (rbb). Oder: Man «rätselte, was diese dekadente Nachinszenierung von Luchino Viscontis ‚Der Leopard‘ uns erzählen soll» (swr). Und der Kritiker der Süddeutschen Zeitung «zweifelte schweran der Zurechnungsfähigkeit der Auswahljury für den Kunstgewerbekitsch aus Zürich».
Dabei gab eine Zeit, in der das Schauspielhaus Zürich das führende deutschsprachige Theater überhaupt war. Und auch viele Jahre danach fand es eigentlich immer ein Publikum.
Heute gehört es zu den am höchsten subventionierten Sprechtheatern mit den niedrigsten Besucherzahlen. Das Deutsche Theater in Berlin verfügt über ein Drittel weniger an Subventionen und kann seit Jahren auf eine Auslastung von über 80 Prozent verweisen. Aber man braucht gar nicht so weit in die Ferne zu schauen. Auch das Schauspiel in Bern oder in Basel findet mit einem anspruchsvollen Programm ein Publikum.
Nicht so in Zürich. Warum?
… die im Dunklen sieht man nicht
Das Schauspielhaus Zürich ist eine Aktiengesellschaft. Geleitet wird sie von einem Verwaltungsrat, der die Interessen der Aktionäre zu vertreten hat. Kompetenz im Theaterbereich ist nicht zwingend Voraussetzung für den Einsitz in diesem Gremium, «Finanz- und Immobilienwissen» dagegen ist gefragt. Eine seiner wichtigsten Aufgaben: Die Wahl der künstlerischen Leitung des Schauspielhauses.
Vor Jahren wählte der Verwaltungsrat das Duo Stemann und von Blomberg als Direktoren. Die mussten nach einer Auslastung des Schauspielhauses von 53 Prozent gehen. Zu ihren Nachfolgern berief dasselbe Gremium das Duo Karabulut und Sanchez.
Auslastung des Hauses, so Verwaltungsratspräsident Mühlemann im Mai, gegen 48 Prozent.
Zurück zur Dreigroschenoper:
«Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein grosses Licht!
Und mach dann noch ‘nen zweiten Plan.
Gehn tun sie beide nicht.»