Jean-Jaques Rousseau (1712–1778) ist einer der einflussreichsten französischen Philosophen und Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. Dass er auch als Komponist eine bemerkenswerte Figur war, wissen die wenigsten. Hier seine Oper «Le Devin du village – Der Dorfwahrsager».
Das Werk entstand 1752. Es ist eine einaktige Oper. Die Uraufführung fand im Schloss Fontainebleau statt.
Der Inhalt ist in etwa folgender: Die Schäferin Colette wurde von ihrem Geliebten verlassen. Colette befragt den Dorfwahrsager um Rat. Dieser prophezeit ihr, der Geliebte würde zu ihr zurückkehren. Doch sie solle ihn zunächst abweisen, weil dies die Liebe neu entfachen würde. Genau so geschieht es, und am Ende freuen sich alle. Ganz gemäss der Philosophie des Autors: Zurück zur Natur! Verstellung ist ja nur eine aufrichtige Art der Täuschung, keine böswillige Intrige.
Der musikalische Stil ist noch barock und erinnert an die Kompositionsweise von Pergolesi. Die Pariser Oper hatte das Werk bis 1829 im Repertoire. Nicht belegt ist die Geschichte, dass Hector Berlioz bei einer Aufführung eine Perücke auf die Bühne geworfen habe, um damit zu sagen, dass er diese Art von Oper für veraltet halte.
Ich empfehle die Aufnahme, die 2017 bei Château de Versailles Spectacles erschienen ist mit Caroline Mutel, Cyrille Dubois, Frédéric Calon und dem Ensemble Les Nouveaux Caractères unter der Leitung von Sébastien d’Hérin.