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Musik des Tages

Gustav Holst «The Planets, Op. 32»

7. Februar 2026
Iso Camartin
Gustav Holst
Gustav Holst «The Planets, Op. 32»

Planeten haben die Menschheit fasziniert, seit es Menschen gibt. Aus astronomischen und astrologischen Gründen. Wissenschaft ist das eine, Spekulierfreude und Aberglaube das andere. Sogar Goethe hat sich am Spiel mit Sternenkonstellationen beteiligt.

Die Planeten haben astronomisch eine längere Entdeckungsgeschichte. Als Gustav Holst sie in Musik verwandeln wollte, waren Mars, Venus, Merkur, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun bekannt. Er bezeichnete sie wie folgt: Mars der Kriegsbringer, Venus die Friedensbringerin, Merkur der geflügelte Bote, Jupiter der Bringer der Fröhlichkeit, Saturn der Bringer des Alters, Uranus der Magier, Neptun der Mystiker.

Das Werk entstand zwischen 1914 und 1916. Es ist für ein grosses Sinfonieorchester geschrieben. Im letzten Satz kommt ein sechsstimmiger Frauenchor dazu. Die Planeten von Holst, früher fast nur in England gespielt, sind heute im Repertoire aller grossen Orchester und Dirigenten.

Mars ist auch in der Musik eine Art von wütigem Haudegen, der alles niedermacht und zerstört. So brutal und rücksichtslos wie eben Verantwortliche für Kriege bis zun heutigen Tag sind. Man denke nur an Leute wie Putin oder Netanjahu.

Venus lässt uns an eine blühende Natur und an Liebe denken. Der Satz ist voller Klangzauber und Verführungsabsicht in der Instrumentierung. Wer hofft nicht, ob Mann oder Frau, einmal einer solchen Venus im Leben zu begegnen?

Merkur ist ein rastloser Bote, darum auch im Scherzo-Tempo komponiert, nicht ganz zuverlässig, geradezu schwindelerregend. Es ist nicht falsch, seinen Botschaften etwas zu misstrauen und ihn für einen lockeren Burschen zu halten. Aber es trägt zur eigenen Heiterkeit bei, ihm genau zuzuhören.

Jupiter ist in der Mythologie ein Herrschergott, der sich alles erlauben darf. Holst zeigt uns in seiner Musik einen jovialen Gott, der Tanz und Musik liebt und gerne feiert und festet. Hier gibt es keinen Gott, der wegen seiner Eskapaden von seiner Ehefrau Schelte einstecken muss, wie wir ihn sonst aus der Musik- und Theaterszene der westlichen Kultur kennen. 

Uranus hat einen exzentrischen Charakter, ist aber auch ironisch und witzig, kurzum kein unangenehmer Typ. Lieben wir auch sonst nicht alles, was in der Kunst uns entgegenkommt in Gestalt von Witz und Ironie? Da nehmen wir die Zweideutigkeit doch gern in Kauf!

Neptun ist der letzte Satz des Werks. Wir hören ersterbende Klänge, da fügt sich auch der Frauenchor perfekt ein. Holst versucht hier Entfernung und Auflösung kompositorisch einzufangen. Geht es uns nicht ähnlich beim Betrachten des Weltalls, wo wir den Eindruck haben, es ist für unser Begreifen zu riesig und zu weit entfernt?

Ich empfehle hier eine Aufnahme des Werks mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern. Diese Aufnahme hat den Vorzug, dass sie nicht allein Holsts Musik bietet, sondern ebenso Werke von zeitgenössischen Komponisten, die sich nach Holst mit Planeten beschäftigt haben. Erschienen bei Warner Classics 2006.

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