Der französische Komponist Pierné ist bei uns wenig bekannt und wenig gespielt. Dabei ist sein Werk reich, vielfältig und umfasst 6 Opern, Ballette, Oratorien und Kammermusikwerke.
Er ist 1863 in Metz geboren und 1937 in Ploujean gestorben. Hier steht ein Werk aus dem Jahr 1935 im Zentrum, das er «Voyage au pays du tendre» nennt, also eine Art »Reise ins Land des Zarten». Er hat es 1935 komponiert, ein Spätwerk, das auch erst posthum erschienen ist.
Es ist ein Quintett für Flöte, Harfe, Geige, Bratsche und Cello. Inspiriert wurde es durch einen Liebesbrief der Madame de Scudérie, der sich in ihrem Roman «Clélie» findet.
Die Episoden des Werkes sind die folgenden: die Einschiffung, der Fluss, dessen Bewegung durch ein zartes Motiv der Flöte symbolisiert wird. Die Dörfer, an denen der Fluss vorbeizieht, ein Motiv mit wiederholten Noten deutet kleine Aufregungen an, ein sizilianischer Rhythmus der Bratsche deutet Freundschaft und Liebe an. Ein Solocello deutet spielvolle Neckereien und Ablenkungen an, Walzerrhythmen erinnern uns daran, dass Bewegungen im Reich des Zarten nur selten dissonant klingen, sondern von «billets doux» – von Liebeserklärungen geprägt sind.
Das Werk befindet sich in der Sammlung von 10 CDs mit Musik von Gabriel Pierné, die 2023 bei Warner Classics erschienen ist.