Donald Trump glaubte, im Iran einen Akt politischen Caesarismus inszenieren zu können: veni, vidi, vici. Ein schneller Schlag, ein taumelndes Regime, ein historischer Triumph. Doch die Wirklichkeit hält sich selten an die Dramaturgie imperialer Selbstgewissheit. Der Krieg hat den Sturz des Systems in Teheran nicht beschleunigt, sondern vorerst blockiert.
Noch im Januar stand die Islamische Republik gefährlich nahe am Rand eines wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruchs. Inflation, Korruption und soziale Verelendung hatten das Vertrauen in die Führung ausgehöhlt. Die Proteste nahmen zu, die Loyalität der Eliten wirkte brüchig. In solchen Momenten können Systeme plötzlich kippen – nicht spektakulär, sondern weil zu viele Pfeiler gleichzeitig nachgeben. Der Druck in der Gesellschaft war jedenfalls so gross, dass eine klare politische Strategie von aussen die inneren Risse des Regimes hätte vertiefen können.
Die eigene Logik des Krieges
Der Krieg hat diese Dynamik umgedreht. Was gestern noch als brutale Repression galt, erscheint nun als nationale Verteidigung. Das Regime hat den Ausnahmezustand zur politischen Ressource gemacht. Kriegswirtschaft ersetzt Reform, Mobilisierung ersetzt Legitimation. Ein ökonomisch erschöpftes System verschafft sich Zeit, indem es die Gesellschaft in den Kriegsmodus zwingt. Gleichzeitig radikalisiert der Mehrfrontenkonflikt die ideologische Grundordnung der Republik. Der Ton wird schärfer, die Grenzen enger, die Loyalitätsforderungen absoluter.
Wo politische Ziele fehlen, übernimmt das Militärische die Führung. Der Krieg entwickelt seine eigene Logik, und diese Logik arbeitet selten für jene, die ihn begonnen haben. Für das Machtzentrum der Revolutionsgarden ist jeder Moment, in dem die Kampfhandlungen nachlassen oder ein Ende des Krieges absehbar wird, bereits ein ideologischer Triumph. Denn jeder Krieg endet irgendwann. Und genau dieses Ende wird das Regime als Beweis seines historischen Durchhaltevermögens ausgeben.
In der Sackgasse
Hier liegt die eigentliche Paradoxie der amerikanischen Strategie. Der Krieg sollte das Regime schwächen – tatsächlich hat er ihm eine neue politische Grammatik geliefert. Er sollte die Macht der Revolutionsgarden brechen – stattdessen stärkt er ihre Stellung als Hüter der Nation. Er sollte die Gesellschaft gegen die Führung aufbringen – doch nun zwingt er viele, sich hinter ihr zu versammeln.
Die Alternative, eine Bodeninvasion, wäre politisch verheerend und militärisch extrem kostspielig. Sie würde die Region weiter destabilisieren und genau jene nationalistische Mobilisierung erzeugen, von der das Regime lebt. Ohne sie aber bleibt der Konflikt ein Krieg ohne strategischen Hebel.
Damit ist die amerikanische Politik in eine Sackgasse geraten. Ein Krieg, der das Regime nicht stürzen kann, stabilisiert es. Und ein Frieden, der ihn beendet, bestätigt es. Aus der Perspektive Teherans ist das fast die ideale Konstellation: Der Gegner führt Krieg – und liefert zugleich die Argumente, mit denen das System überlebt.