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Kommentar 21

Ende der Illusion

19. März 2014
Stephan Wehowsky
Als der Osten zusammenbrach, prophezeite der amerikanische Politologe Francis Fukuyama das „Ende der Geschichte“.

Er sah eine natürliche Drift der Menschheit zur westlichen Demokratie. Auch wenn viele diese Sicht für zu einfach und zu optimistisch hielten, glaubte man doch, dass die westlichen Ideale mit ihrer Freiheit und den Menschenrechten das natürliche Ziel der Menschheit seien.

Die Kriege und Bürgerkriege seither haben diesen Glauben zwar angekratzt, aber noch nicht erschüttert. Das ist erst jetzt geschehen. Dass der mächtigste Mann des Ostens unter dem tosenden Beifall erstaunlich vieler Anhänger offen auf den Westen pfeift, paralysiert hier die gesamte politische Führung. Die über Jahrzehnte aufgebaute und durch wirtschaftliche Verflechtungen gestützte Rationalität der Beziehungen hat sich als westliche Illusion erwiesen.

Das ist sogar ein Rückschritt gegenüber der Zeit des Kalten Krieges, als die Fähigkeit zur gegenseitigen vollständigen Vernichtung gepaart mit dem Überlebensinteresse auf beiden Seiten Eliten schuf, die sich in ihrer gegenseitigen Belauerung auf höchst rationale Weise verstanden. Diese Hierarchien sind zwar nicht verschwunden, aber sie werden durch anarchische populistische Bewegungen unterspült. Es gibt heute nicht einmal mehr einen rationalen Egoismus, auf den sich Taktiken und Verhandlungen gründen liessen. An die Stelle des vernünftigen Eigeninteresses sind auf beiden Seiten Emotionen im schlechtesten Sinne des Wortes getreten. Das kann der Anfang einer ganz neuen üblen Geschichte werden.

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