Mahlers «Lied von der Erde» ist ein berühmter Liederzyklus für Tenor und Altstimme mit grossem Orchester, basierend auf der Gedichtsammlung «Die chinesische Flöte» von Hans Bethge aus dem Jahr 1908. «Le chant de la terre» hat aber auch andere Komponisten angeregt zu Kompositionen. So beispielsweise Déodat de Sévérac (1872–1921). Er schrieb im Februar 1900 einen Klavierzyklus mit dem Namen «Le Chant de la terre», also ein alternatives früheres «Lied von der Erde».
Vor dem grossen Werk von Mahler ist dieser «Le Chant de la terre» nur eine musikhistorische Kuriosität eines heute beinah vergessenen Komponisten. Das war anders zu seinen Lebzeiten. Da galt er in Frankreich als wichtige Persönlichkeit, Verfasser vieler Orchesterwerke sowie Orgel- und Klavierliteratur.
Sein Gesang von der Erde ist impressionistisch, hat energische und heroische Passagen, wir hören Stadien der verschiedenen Elemente, Wind, Wasser und Felsenlandschaften. Wir glauben zu hören, wie die Erde zu Ruhe und zu Stille uns leiten will.
Dann gibt der Komponist wieder Gebetsartiges und auch wieder Grollendes zu hören. Déodat de Sévérac will den ganzen Planeten zum Singen bringen. Das ist kein bescheidenes Ziel, ist aber eingeschrieben bei allen Komponisten, die sich der Schöpfung widmen, um sie zum Klingen zu bringen. Wir haben denen zu danken, die das Wagnis eingehen, diesen Planeten in Musik zu verwandeln.