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Migranten-Export

Der König, seine 16 Frauen, das Foltergefängnis – und Trump

27. April 2026
Heiner Hug
König Mswati III.
König Mswati III. (KeystoneAP/Themba Hadebe)

Wohin mit «verdorbenen Monstern», die in die USA einreisen und die niemand will? Mehrere afrikanische Staaten nehmen sie auf – gegen Bezahlung. Eswatini, das winzige Königreich mit der höchsten AIDS-Rate der Welt und einem der weltweit brutalsten Gefängnisse, gehört dazu.

Das im Südosten Afrikas liegende, 17’000 Quadratkilometer grosse Eswatini, das bis 2018 «Swasiland» hiess, zählt 1,2 Millionen Einwohner und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast jede dritte schwangere Frau ist mit dem AIDS-Virus angesteckt. Der 68-jährige König Mswati III., der jetzt seit 40 Jahren herrscht, lässt sich «Löwe» nennen. Er regiert das Land zusammen mit seiner Mutter, der «Elefantin».

Zu seinen 16 Ehefrauen gehörte auch Nothando Dube, eine Schönheitskönigin. Der König heiratete die damals 16-jährige «Miss Swaziland» im Jahr 2005. Zusammen hatten sie drei Kinder. Da sie eine Affäre mit dem Justizminister hatte, wurde sie vom König verstossen. In einer Militäruniform war sie jeweils aus dem Königspalast geschlichen und hatte in einem Hotel den Minister getroffen. Als die Affäre aufflog, wurde sie unter Hausarrest gestellt. Nach eigenen Angaben wurde sie von den Wachen des Königs misshandelt. Ihre Kinder durfte sie nicht mehr sehen.

Nothando Dube
Nothando Dube, Schönheitskönigin, untreu, verstossen (PD)

Sie starb mit 31 Jahren an Hautkrebs. Der Justizminister trat im Jahr 2010 zurück.

Zurzeit ist König Mswati III. auch mit Nomcebo Zuma verheiratet. Sie ist die 16. Ehefrau und die Tochter des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma. König Mswati III. ist mit seinen 16 Frauen als «Polygamist» eher zurückhaltend. Sein Vater, Sobhuza II., hatte 70 Ehefrauen und 210 Kinder. 

Eswatini

Das früher unter britischer Verwaltung stehende Land legte sich nach seiner Unabhängigkeit im Jahr 1968 den Namen «Kingdom of Swaziland» zu. Anlässlich des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit benannte der König den Staatsnamen um: Aus Swaziland wurde 2018 Eswatini. So sollte ein Relikt aus der Kolonialzeit beseitigt werden.

Seit einigen Jahren versucht das Land, den Tourismus anzukurbeln, und wirbt mit Nationalparks, Safari-Touren und Tierbeobachtungen. Berühmt ist der achttägige «Umhlanga», der «Schilfrohrtanz», ein jährlich stattfindendes Frühlingsfest, an dem Zehntausende unverheirateter und kinderloser Frauen und Mädchen teilnehmen. Dabei ist immer auch der König. Er wählt hier seine Ehefrauen aus. Geheiratet allerdings wird erst, wenn die Auserwählte schwanger ist. So soll die Dynastie gesichert werden.

«Umhlanga»
«Umhlanga», der «Schilfrohrtanz» (Foto: Eswatini, Touristenbüro)

Doch hinter der Folklore verbirgt sich ein anderes Eswatini. Der Regierung werden schwere Vergehen gegen die Menschenrechte vorgeworfen. Politische Parteien sind verboten. Zwar gibt es ein Parlament, doch es hat nichts zu sagen.

Eines der berüchtigtsten Gefängnisse 

Kritik am Königshaus und an der Regierung wird hart bestraft. Die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt, Medienfreiheit gibt es nicht. Menschenrechtsaktivisten und Journalisten werden eingeschüchtert und teils inhaftiert. Der bekannte Menschenrechtsanwalt Thulani Maseko wurde 2023 erschossen; die Tat wurde nie aufgearbeitet. Festgenommene bleiben oft jahrelang ohne rechtliche Vertretung und ohne faires Verfahren in Haft. Homosexuelle werden kriminalisiert.

Muswati III.
Mswati III. am 19. Oktober 2024 in Belgrad (Keystone/EPA/Andrej Cukic)

Eswatini verfügt über eines der berüchtigtsten Gefängnisse Afrikas: das Matsapha-Hochsicherheitsgefängnis. Ehemalige Gefangene sprechen von «furchtbaren Missständen» in der Haftanstalt. Hier werden Gegner von König Mswati unter schlimmsten Bedingungen gehalten. Das Gefängnis ist eher eine Folteranstalt als ein Gefängnis. Zynisch werden die ankommenden Gefangenen «willkommen» geheissen.

Matsapha-Hochsicherheitsgefängnis
Das Matsapha-Hochsicherheitsgefängnis in Eswatini (Foto: AP)

Dieses Gefängnis bringt nun dem verarmten Land Millionen. Im vergangenen November hat Eswatini erstmals offiziell bestätigt, dass es Geld von den USA erhalten hat, um Migranten aufzunehmen, die aufgrund von Trumps aggressiver Deportationspolitik aus den USA ausgewiesen wurden.

Um wie viele Menschen es sich handelt, ist unklar. Mehrere Quellen sprechen von «einigen Dutzend». Human Rights Watch erklärt, das Königreich habe sich bereit erklärt, 160 Deportierte aufzunehmen. Trump bezeichnete einige von ihnen als «verdorbene Monster», die wegen Verbrechen wie Vergewaltigung und Mord an Kindern verurteilt worden waren. Das lässt sich nicht nachprüfen.

«Purer Menschenhandel»

Eine erste Gruppe war schon im vergangenen Sommer angekommen. Es handelt sich unter anderem um Kubaner, Vietnamesen, Filipinos, Kambodschaner und Laoten. Das Gefängnis befindet sich unweit des Flughafens Matsapha, einst der internationale Flughafen des Landes. Dort landen die aus den USA Abgeschobenen und werden ohne gerichtliche Verurteilung und ohne das Recht auf einen Anwalt in die Matsapha-Anstalt gebracht.

Und wie viel Geld hat Eswatini dafür erhalten? Neal Rijkenberg, der Finanzminister, spricht von insgesamt 5,1 Millionen Dollar. Nicht ganz klar ist, wer in Eswatini das Abkommen mit Washington unterzeichnet hat. Menschenrechtsorganisationen bezeichnen die Praxis als «puren Menschenhandel». Die Inhaftierten hätten keinerlei Rechte und dürften keine Besucher empfangen.

«Systematische Abschiebungen»

Eswatini ist nicht das einzige Land, das mit der Trump-Regierung ein Abkommen zur Aufnahme unliebsamer Migranten geschlossen hat. Inzwischen wurde bekannt, dass die USA auch mit Ruanda, Ghana, Äquatorialguinea, Kamerun, Südsudan und Uganda entsprechende Abkommen geschlossen haben. Anfang April erklärte das Kommunikationsministerium der Demokratischen Republik Kongo, sein Land werde noch in diesem Monat mit der Aufnahme von Abgeschobenen beginnen. Eine Zahl der Abgeschobenen teilte es nicht mit.

Laut dem «US-Komitee für Flüchtlinge und Einwanderer» (US Committee for Refugees and Immigrants, UCRI) werden Abschiebungen in Drittstaaten seit Februar 2025 «systematisch betrieben». Rechtsexperten und Menschenrechtsgruppen kritisieren die Praxis aufs Schärfste.

40 Millionen für 300 Migranten

«Personen, die von Abschiebungen in Drittstaaten betroffen sind, haben in der Regel keine Wahl, wohin sie geschickt werden. Diese Praxis wirft erhebliche Bedenken hinsichtlich rechtsstaatlicher Verfahren und der Menschenrechte auf, insbesondere wenn das aufnehmende Land möglicherweise nicht sicher ist», erklärt das UCRI.

Gemäss einem Bericht, der von den demokratischen Mitarbeitern des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats veröffentlicht wurde, hat die Trump-Regierung mindestens 40 Millionen US-Dollar ausgegeben, um etwa 300 Migranten in andere Länder als ihre Herkunftsländer abzuschieben.

Diese sogenannten «Third-Country»-Abschiebungen unterscheiden sich von klassischen Rückführungen von Migranten in ihre Heimatstaaten. Die nach Eswatini und anderen afrikanischen Ländern Deportierten haben keinerlei Verbindung zu den Ländern, in die sie gebracht wurden. Viele wissen jetzt gar nicht, wo sie sind. Das amerikanische Justizministerium rechtfertigt diese Praxis. Sie sei notwendig, um kriminelle Ausländer abzuschieben, deren Heimatländer die Rücknahme verweigerten.

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