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Kommentar 21

Burkini-Hysterie

4. September 2016
Ulrich Meister
Frankreich und seine Regierung zeigen am Burkini, wie man es nicht machen soll, wenn man Vernunft und damit politische Macht behalten will.

Ein Minister nach dem andern demissioniert  (weil in acht Monaten Präsidentenwahlen sind), der Verlust hält sich angesichts der kleinen Kaliber in Grenzen, nicht aber das Pathos von Hollandes Premierminister. Manuel Valls, Sohn von katalanisch-schweizerischen Eltern, zelebrierte die nationale revolutionäre Allegoriefigur "Marianne", von Delacroix verewigt. Sie zeige ihren nackten Busen, weil sie "das Volk nährt" und trage keinen Schleier, "weil sie frei ist". Das sei die Republik. Wir hatten dagegen nur oder immerhin Tell und Stauffacher als Gründermythen, aber – es ist wahr – damals noch keine Burkini.

Valls denunzierte damit den islamistischen Bikini als Unterwerfung der Frau und als Gründung einer "Gegengesellschaft" und als "Zeichen eines todbringenden Islamismus". Die Mehrheit der Franzosen – und offenbar auch der Schweizer – geben ihm Recht. Fälschlicherweise. Denn der Burkini wurde 2004 in Australien von einer Libanesin entworfen, um den Musliminnen das Schwimmen und damit die Integration zu erleichtern. Sie gleichen unseren Badenden der Jahrhundertwende, ausgenommen dem Elastan statt der damaligen aufsaugenden Baumwolle. Burkini ist nicht Burka, nicht Vollvermummung, die rechtens verboten werden kann/muss. Vor allem, wenn sie in Schwarz proselitisch die "Uniform" des sog. Islamischen Staates repräsentieren soll. Die Regierung hat wieder einmal den sozialistischen alt-Minister Chevènement mit der Aufgabe betraut, eine französisch-islamische Kommision zu bilden, um eine Staatskontrolle über die ausländische Finanzierung des Islam sicherzustellen.

Die Engländer sind sehr viel "cooler" in ihrem multikulturellen Schema als die Franzosen: je getrennter, desto besser. Ein pakistanischer (sozialistischer) Engländer wurde so aber trotzdem Stadtpräsident von London und konnte umso weniger den Brexit (den sein konservativer und trotzdem ewig pubertärer Vorgänger populistisch vorangetrieben hatte), noch die französische Integrationspolitik und das Burkini-Vebot verstehen. Aber alle Immigranten sind in Calais blockiert, weil die Engländer sie nicht aufnehmen wollen.

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