Advent der Satiren

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Advent der Satiren

Von Ulrich Meister, 08.12.2016

Politische Kommentare aus nah und fern gleichen im diesjährigen Advent immer mehr unfreiwilligen Satiren.

Man (ich) weiss nicht, ob das mit dem stets desolaten Zustand der Welt, der stets desolaten Völkerpsychologie, der neueren europäischen Dekadenz, dem nicht so neuen populären „Populismus“ und seinem  jüngeren siamesischen Zwilling „Globalisierung“ zusammenhängt oder mit eher kalendarischen Zufällen und banalen Anekdoten. Als es noch besser war, hat der nur 60 Jahre jüngere Zeitgenosse von Jesus, der Römer Juvenal, schon festgestellt: „Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben.“

Beginnen wir auf der unteren Ebene der Satirethemen. Die Ex-Frau von (fast)-Ex-Präsident Hollande, Ségolène Royale, hat als dritthöchstes Regierungsmitglied den Nachfolgestaat (nach diversen Kaisern) der französischen Revolution an der Beerdigung von Castro vertreten und dabei versichert, dass das revolutionäre Kuba keine Diktatur sei und keine politischen Gefangenen habe. Kurz danach wählte das „Time“- Magazin Trump zum Mann des Jahres, nachdem es 1938 Hitler und 2007 Putin erkoren hatte für den „grössten Einfluss in der Welt im Guten und Schlechten“. Eine sehr pädagogische Wahl, wenigstens medien- und geopolitisch. Oder Zynismus?

Unterdessen ist leider auch der „Tortellini-Pakt“ zwischen dem Toscaner Renzi und dem Katalonen Valls (der mit seiner Tessiner Mutter da sprachlich und kulinarisch mithalten konnte) von 2014 für einen „Reformsozialismus“ zerbrochen, so dass die Franzosen noch immer nicht den Unterschied zwischen Sozialismus und Sozialdemokratie verstehen, aber fröhlich mit dem Ausverkauf ihres Eigentums an die arabischen Emirate, an China und an Russland fortfahren. Auch der rechtsextreme Front National lässt sich schliesslich von russischen Banken finanzieren. Und der konservative Präsidentschaftskandidat Fillon findet (wie Trump) Putin respektabel, derweil die russisch-syrische Endlösung in Aleppo ihren Lauf genommen hat vor aller Weltöffentlichkeit. Zynismus? Das internationale Gericht im Haag hat bald freie Plätze auf den Anklagebänken.

Und so weiter mit einer sehr „flüssig“ gewordenen öffentlichen Meinung, in der das Problem der Immigration nicht ehrlich auftaucht. Regierungen desertieren, halten die eigenen Gesetze und die EU-Verpflichtungen nicht ein, hofieren einer nicht mehr hoffähigen Türkei. Österreich hat die EU und sich noch knapp gerettet. Derweil sich Grossbritannien immer noch solange wie möglich vor dem endgültigen Brexit im Brexit sonnen will. Und die Schweiz wie immer am Überlegen ist. Realpolitik?

Wie sagte Juvenal? „Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben.“ Ausser über den Terrorismus und die Gewalt gegen Kinder. Da fehlen die Worte.

Kommentare

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Christoph Kuhn erläutert in seinem Artikel, „Kein Überblick mehr, Wohin wir als Medienschaffende nicht steuern sollten“, wie sich Journalisten sich behelfen mit dem sogenannten „Narrativ“. Ich denke aber auch Journalisten übernehmen oft ganz einfach Meldungen von den grossen Nachrichtenagenturen. Nur wenige Journalisten werden an Ort und Stelle des Geschehens sein können, etwa in Somalia oder in einem der anderen über fünfzig Länder Afrikas, aber dennoch müssen sie Berichte liefern.

Das so genannte „Narrativ“, das Christoph Kuhn erwähnte, behandelte auch Madeleine Stäubli-Roduner in einem Vortrag am 10. September 2016 in Bern. («Nine Eleven und die Medien» http://www.ae911truth.ch/nineelevenunddiemedien.pdf) Sie untersuchte dieses "9/11 Narrativ», der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA.

Frau Stäubli-Roduner führte unter anderem aus:

«Die Terroranschläge von New York bilden eine historische Zäsur mit gigantischen weltweiten Folgen; zu diesen gehören Kriege, Völkerrechtsverbrechen und grosses menschliches Leid. Diese Folgen wären nicht denkbar ohne die Medien. Denn sie leisten die Hauptarbeit, damit dieses singuläre Geschehen überhaupt seine komplexe Wirkung entfalten konnte: Die Medien bildeten das Narrativ.»

Geschätzter Herr Meister

Richtig, richtig, nur:

Ein Utopist, wer schon nur hofft, geschweige denn glaubt, dass am Ende Alles mit Allem aufgeht.

Das Problem ist, dass wir heute viel mehr "wissen", als wir verarbeiten können. Die Widersprüche dieser Welt werden somit sicht-, aber niemals auflösbar.

Wir sind leider Gottes nun mal mehrheitlich darauf trainiert, den Inhalt unsers Kühlschrankes analysieren & bei Mangel einigermassen adäquate Massnahmen treffen zu können. Mehr ist nur Ausnahmetalenten gegeben.

Also freue ich mich über die gelungene Kombination von saisonaler Kaki & Geissen-Frischkäse aus dem nahen Frankreich zum Dessert; sowie über die Tatsache, dass noch mehr da ist.

Teilrückzug in das Private...

MfG, mb

Was haben Sie gegen Satire? In NATO- Staaten ist das doch der einzige Ort, wo Politsendungen noch möglich sind. Perfekt : Die Anstalt im ZDF. Youtuben sie die vorletzte Ausgabe über den Syrienkrieg.

Lachen sie aber nicht über das TV in Partnership for Peace - Ländern. Ein Infotainment-Clown beim Leibhaftigen in Syrien.

GRATULIERE. iHRE BEISPIELE HABENS AUCH IN SICH

MfG
Werner T. Meyer

SRF Archiv

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