1.4 Millionen Stimmen mehr für Hillary

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1.4 Millionen Stimmen mehr für Hillary

Von Reinhard Meier, 18.11.2016

Hillary Clinton hat nach dem jüngsten Stand ihren Vorsprung bei den Wählerstimmen gegenüber Trump auf 1.4 Millionen ausgebaut.

Dieser Zwischenruf richtet sich vor allem an jene ideologisierten Fanfarenbläser, die dauernd davon faseln, „das Volk“ in Amerika habe eine „Revolution“ losgetreten, die demnächst auch in ganz Europa die politischen Verhältnisse auf den Kopf stellen werde. Denn auf welcher Seite steht nun das vielbeschworene „Volk“ in den USA, wenn die Wahlverliererin  Hillary Clinton laut jüngstem Auszählungsstand vom Freitag (18. November) 1.4 Millionen Stimmen mehr bekommen hat als der angeblich überwältigende Sieger Donald Trump? – Die Zahlen stammen vom Popular Vote Tracker des Cook Political Report, der sich auf offizielle Quellen beruft.

Seit unserer letzten Meldung zu diesem Thema vom vergangenen Wochenende hat sich Clintons Stimmenvorsprung immerhin verdoppelt. Insgesamt haben sich an der Präsidentenwahl vom 8. November 131 Millionen Stimmbürger beteiligt. Der jetzige Vorsprung Clintons macht  rund 1.1 Prozent der abgegebenen Stimmen aus.

Wenn sich etwas halbwegs Handfestes über das amerikanische „Volk“ (respektive die Wähler unter ihnen, und das sind auch nur rund 50 Prozent aller Wahlberechtigten) sagen lässt, dann dies: Dieses Volk ist parteipolitisch ziemlich genau in der Mitte gespalten – von einem „überwältigenden Sieg“ der Trumpisten kann also im Ernst keine Rede sein.

Der Hinweis auf den beträchtlichen Stimmenvorsprung Clintons soll keineswegs bedeuten, dass damit die Wahl Trumps zum legitimen Präsidenten in Frage zu stellen wäre. Trump hat dank seiner in dieser Dimension überraschend hohen Zahl von Siegen in den umkämpften Swing-Staaten eine klare Mehrheit im Electoral College gewonnen. Dieses wird ihn im Dezember mit grösster Sicherheit zum offiziellen Wahlsieger küren.  

Dies entspricht den in der ehrwürdigen Verfassung verankerten Spielregeln der amerikanischen Demokratie. Gerade weil die Gründerväter dem mitunter wankelmütigen oder verführbaren direkten Volkswillen misstraut hätten, sei bei der Präsidentenwahl der stärker föderalistisch gewichtete „Filter“ des Electoral College eingebaut worden, schreibt ein Kommentator zu dieser seltsamen Einrichtung.

Ganz so fremdartig muss uns Schweizern dieser Mechanismus ja nicht anmuten. Auch wir kennen die Institution des Ständemehrs bei Volksabstimmungen. Allerdings kann man mit einem Ständemehr allein noch keinen politischen Entscheidungskampf gewinnen – wie das Trump nun gelungen ist.

Werden sich Trump und seine triumphierenden Claqueure daran erinnern, dass der Präsident nur von einer Minderheit der Stimmenden gewählt wurde, wenn sie sich bei nächster Gelegenheit wieder auf „das Volk“ als unantastbare Grösse und Legitimation berufen? Die Chancen sind nicht sehr hoch einzuschätzen. Aber es ist schon ein Fortschritt, wenn möglichst viele gewöhnliche Bürger hinter solche mythischen Begriffe nüchterne Zahlen und skeptische Fragezeichen setzen.

Kommentare

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Hat man vergessen, dass Bush ein in Florida ausgezāhlter Prāsident war? Mit desastrōsen Folgen für den Nahen Osten. Ob Trump oder Frau Clinton für Europa desastrōsere Folgen nach sich ziehen wird, oder wūrde, wissen wir nicht. Kommt auch auf die Perspektive an. Ein Krieg mit Russland wūrde jedenfalls ūber europāischem, und nicht ūber amerikanischem Territorium stattfinden.

B. Sanders hätte eventuell gegen Trump gewinnen können, aber das Establishment wollte H. Clinton und seine Erfüllungsgehilfen haben dafür Propaganda veräussert. Selbst als H. Clinton nachweislich die innerparteiliche Wahl manipuliert hatte, haben die Medien dies kaum kommentiert, auch in Europa. Tiefpunkt!

Danke. Eine gewisse Ehrenrettung for the American People.

Sie haben recht, die meisten kennen Trump nicht und wenn, dann aus dem Boulevard.
Das scheinbar nicht aufzuhörende Bashing aber, jenes der letzten Wochen und Monate hat mich bewogen nachzufragen! Bei den einfachen Leuten, meist Bekannten aus der Umgebung, von denen wollte ich es wissen. Und höre und staune, fast alle begriffen, begreifen die Medien nicht mehr! Dafür aber das amerikanische Volk umso mehr. Das wohl lächerlichste war wohl die Geschichte über den Schmuck von Trumps Tochter. Bei so hohem Staatsdefizit, bei so hohen Militärausgaben, (ca. 500 Milliarden im Jahr) bei so hoher Arbeitslosigkeit bei den Working Poor. Einer Wahlhelferin für die Demokraten die man gut kennt, sie aus dem illegalen Irakkrieg in Erinnerung hat. (Madeleine Albright) Dazu das riskante Handeln in der Ukraine, auch die Aussage Assad muss weg, als ob das wegen IS Priorität hätte usw. Trump betonte laut Spiegel, sie wird uns durch Syrien mit Russland und dem Iran in jene Konfrontation führen, die den dritten Weltkrieg bedeuten könnte und zwangsläufig in einem Atomkrieg enden würde! Das wolle er nicht. Das wollen scheinbar viele Amerikaner nicht und die Europäer schon gar nicht. Jetzt müssen wir abwarten ob der neue Präsident solchen Wahnsinn verhindern kann. Ich hätte auch lieber endlich eine Frau gehabt, aber eine die den Frieden anstrebt und nicht nur die Macht. So denken eben viele!.. cathari

Die Änderung des amerikanischen Wahlrechts wird traditionell immer von dem verhindert, der gerade davon profitiert. Das waren in der Vergangenheit sowohl die Demokraten als auch die Republikaner. Eine Diskussion darüber, was Mehrheit ist und was nicht, ist also völlig müßig, da niemand außer der gerade unterlegenen Partei oder dem unterlegenen Kandidaten daran etwas daran ändern will. Übrigens soll es auch in den USA schon Präsidenten gegeben haben, welche nur mit tatkräftiger Hilfe der Mafia gewählt wurden. Darüber hüllt allerdings die "politische Korrektheit" inzwischen das vornehme Mäntelchen des Schweigens. Unter anderem wird mit einer ähnlichen Masche seit langem in Frankreich die Front National um die ihr zustehenden Sitze im Parlament gebracht und niemand in der Mainstreampresse regt sich darüber auf. Der "großartige Mr.Hollande" regiert sogar mit einer Dreiviertelmehrheit obwohl er kaum mehr als ein Viertel der Wählerstimmen ergattert hat und erinnert sich auch nicht an sein miserables Wahlergebnis, wenn er meint, Politik machen zu müssen. Die einzigen, welche daran erinnern, sind gelegentlich wütende Arbeiter und Bauern. Also immer schön den Ball flach halten und herab würdigende Äußerungen wie z. B. Claqueure am besten einfach stecken lassen.

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