Wie intelligent ist intelligent?

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Wie intelligent ist intelligent?

Von Urs Meier, 23.03.2018

Schlaue Maschinen, so meinen Tech-Fans zu wissen, sind gerade dabei, menschliche Intelligenz zu überflügeln. Ihr Gebrauch des Wortes „Intelligenz“ ist ziemlich schwammig.

In den Medien ist die angeblich baldige Herrschaft „intelligenter“ Maschinen mal wieder en vogue. Wie sehr die Konjunktur solcher Themen schwankt, haben schon die Erwartungen und Befürchtungen beim Thema Gentechnologie gezeigt. Unlängst reichte hier die Aufregung von überrissenen Hoffnungen auf die Heilung von Erbkrankheiten bis zur befürchteten Massenzüchtung von Designerbabies und der Angst vor Eingriffen in die menschliche Evolution.

Selbstverständlich muss der Komplex der Künstlichen Intelligenz (KI) uns beschäftigen (was genauso für das momentan etwas vergessene Thema Gentechnologie gilt). Industrie 4.0, automobile Automobile, roboterisierte Dienstleistungen, autonome Waffen, erweiterte Überwachung, Prognose von Verbrechen und ähnliche Dinge werden, wenn realisiert, vieles ändern. Und sie werden nicht nur Probleme lösen, sondern auch welche schaffen.

In vielen KI-Diskussionen beansprucht die Annahme, Computer würden Menschen eher früher als später überflügeln, mittlerweile den Status einer Gewissheit. Tatsächlich scheint einiges dafür zu sprechen. Schon 1997 schlug das IBM-Programm Deep Blue den Schachweltmeister Garri Kasparow. Zwanzig Jahre danach hat das System AlphaGo die weltbesten Go-Spieler gedemütigt – ein noch viel mächtigeres Signal, da Go um etliche Dimensionen komplexer ist als Schach.

Der Triumph des selbstlernenden neuronalen Netzes AlphaGo gilt als kleiner Vorgeschmack auf das, was den Menschen insgesamt blüht. Seit diesem als Big Bang der KI gedeuteten Meilenstein finden Abdankungsreden auf die Souveränität menschlicher Intelligenz kaum noch Widerspruch.

Bloss: So klar liegen die Dinge keineswegs. Intelligenz ist ein kaum fassbares Konstrukt aus einer schwer überblickbaren Menge von Eigenschaften und Fähigkeiten. Um es zu definieren und zu operationalisieren – etwa zwecks Messung oder Imitation – muss es rigoros vereinfacht, beschnitten und eingegrenzt werden. Wenn AlphaGo „den Menschen überflügelt“, so geht es dabei um eine sehr spezielle menschliche Fähigkeit. Das ist nicht grundsätzlich anders, als wenn ein Vehikel mit Rädern und Benzinmotor „den Menschen überflügelt“, nämlich an Geschwindigkeit der Fortbewegung.

In der Diskussion um menschliche und maschinelle Intelligenz lohnt sich eine Rückbesinnung auf die Wortbedeutung. „Intelligenz“ stammt vom lateinischen „intellegere“: verstehen, entscheiden – eigentlich: dazwischen lesen, unter mindestens zwei Optionen aus-lesen, also wählen. Intelligenz ist keine freischwebende Potenz, sondern das Verhalten und Tun eines Subjekts: Es ist jemand da, der versteht, auswählt oder entscheidet. Zum Konzept der Intelligenz gehört – das sagt uns der genuine, genaue Sinn des Wortes – ein handelndes Wesen, ein seiner selbst bewusstes Ich.

Im Go zu gewinnen, ein Auto durch den Verkehr zu steuern, einen Text zu übersetzen, das alles sind intelligente Leistungen. Wenn ein Computersystem sie zustande bringt, ist der Begriff KI durchaus angebracht. Aber selbst wenn Maschinen dereinst ganze Kataloge solcher Kunststücke fertigbrächten, würde noch immer gelten: So lange die Computer kein Bewusstsein und keine Persönlichkeit haben, sind sie mit Menschen nicht zu vergleichen. Zwischen ihren Leistungen und menschlichem Verhalten klafft die Lücke der kategorialen Differenz. Erst wenn ein Computer Ich sagt, Charakter zeigt, Verantwortung übernimmt, Schmerz und Freude kennt, träumt, hofft, sich ärgert oder begeistert ist – erst dann wird der kategoriale Unterschied zwischen menschlicher und maschineller Intelligenz zu verschwimmen anfangen.

Die Prognose sei gewagt: Dies wird ein ziemliches Stück länger dauern, als beflügelte KI-Propheten annehmen.

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Woran lässt sich intelligentes Leben eigentlich erkennen? Nun, Nobelpreisträger Frank Wilczek hegt die Vorstellung, dass, je intelligenter Lebensformen sind, sie umso kleiner, unscheinbarer (nicht) in Erscheinung treten. Die logische Schlussfolgerung für Wilczek lautet demgemäß: Künstliche Intelligenz, als Erweiterung einer ohnehin schon intelligenten Lebensform, könnte längst im Universum allgegenwärtig sein, ihre unser aller Vorstellungen übersteigende Intelligenz dadurch unter Beweis stellend, dass sie eben nicht zu sehen ist beziehungsweise sich nicht zu erkennen gibt, weil sie mit sich selbst – und mit all ihren unvorstellbar intelligenten Möglichkeiten und Fähigkeiten – ausreichend beschäftigt ist.

Nun, die Vertiefung eigener Fähigkeiten, unter Nutzung der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, mag durchaus ein Anzeichen für Intelligenz sein. Doch warum in die Tiefen des Universums vordringen, um Intelligenz(en) auf die Spur zu kommen, gibt es doch auf unserem Planeten eine Intelligenz, auf die Wilczeks Mutmaßung zutrifft – und die obendrein Fähigkeiten aufweist, die der extraterrestrischen Introvertiertheit in Sachen Tiefgang um Lichtjahre voraus sein dürfte. Nein, ich meine nicht uns Menschen, denn die Spezies Mensch ist eher in Richtung zunehmenden Intelligenzverlustes unterwegs. Ich meine das Virom des Lebens, als Summe aller Viren und deren Interaktionen unter- und miteinander sowie deren expressives Ausdrucksvermögen als Genom aller irdischen Lebewesen.

Das Virom als intelligenteste Form des Lebens zu bezeichnen, liegt im Grunde auf der Hand, malt man sich in aller Deutlichkeit aus, welche Bedeutung Viren seit jeher für das Leben haben. Da jedes irdische Lebewesen, ausnahmslos, virale Anteile in seinem Genom trägt und auch Viren selbst zuhauf an und in ANDEREN Körpern zugegen sind, seien es Bakterien, Flechten, Pflanzen, Insekten, Säugetiere oder wir Menschen, ist auch jedem dieser Lebewesen ein gewisses (Aus)Maß an Intelligenz zu eigen. Es ließe sich gar sagen, dass erst die Viren das Leben mit Intelligenz sprichwörtlich infiziert haben und seitdem fortwährend infizieren, sich dahingehend differenzierend, wie das Lebewesen in der Lage ist, in seinem Lebensumfeld Energie zu handhaben, als kohärentes Zusammenspiel verschiedenster Zelltypen, um Lebendigkeit zu bewahren.

Allgemeinhin sehen wir Menschen uns als intelligenteste Lebensform auf diesem Planeten an, da wir uns einbilden (können), Dinge zu leisten und zu erschaffen, die allen ANDEREN Lebewesen dergestalt nicht möglich sind, doch dürften wir damit EINER immer weiter um sich greifenden Selbstbelügung aufgesessen sein, die dort ihren Ursprung hat, wo wirkliche Intelligenz sich von EINER, nämlich der menschlichen, Scheinintelligenz scheidet: im Haushalten von Energie.

Während wir EINEN mittels Technisierung und Globalisierung EIN weltweites Netz ökonomischer Verbindungen mit immer mehr Fremdenergie stricken und robust erscheinen lassen, haben Viren im Laufe der Evolution ein weltweites Netz ökologischer Verbundenheit gewoben, das gänzlich ohne Fremdenergie, und somit ohne EINEN Energieraub, auskommt. Diese ökologische Verbundenheit erweist sich seit jeher als antifragil und stets aufs Äußerste lebendig – geradezu bedingt durch energetische Katastrophen, die unsere robust erscheinende Ökonomie dagegen mit allen energieräuberischen Mitteln zu umgehen versucht.
Das wirklich Verrückte am Energieraub unserer Spezies ist, dass die Verfügbarkeit von immer mehr Fremdenergie uns überhaupt erst in die Lage versetzt, uns kollektiv im Glauben zu wähnen, wir seien die intelligenteste Intelligenz auf Erden – während genau das Gegenteil der Fall sein dürfte. Technologischer Fortschritt wird so als die robuste Erfolgsgeschichte EINER Spezies von selbiger verkauft und exportiert, EINE Geschichte, in der wir uns allerdings mehr und mehr verstricken, ohne die fortschreitende Verstrickung als Verkettung passiver Lebendigkeitslähmung wahrzunehmen. Dazu gehören auch all die global agierenden Monopole, an deren Erfolgsgeschichten wir uns bereitwillig ketten lassen, in der Hoffnung, auf der vermeintlich hohen Welle menschlicher Intelligenz mitschwimmen zu können. Deren hoher Wellengang ist jedoch einzig Ausdruck jener Fremdenergie, die nach zeitgeistigem Ausdruck geradezu verlangt, um überhaupt gehandhabt, sprich, gehändelt werden zu können.

Intelligenz bedeutet, aus Sicht des Lebens, die Kohärenz natürlicher Verwobenheit zu bewahren, Langeweile aushalten zu können und ein Gefühl dafür zu haben, wann genug genug ist, egal worauf sich die Genügsamkeit bezieht. Technologischer Fortschritt, in unserer weitestgehend energieräuberischen Ausprägung, ist somit das komplette Gegenteil intelligenten Verhaltens und Künstliche Intelligenz keinesfalls intelligent, sondern nur EIN smarter Versuch, jenen geraubten Überfluss von Energie zum Ausdruck zu bringen, in welchem wir nach und nach ertrinken werden, weil wir durch die Beschleunigung der Abkehr vom HARMONISIERENDEN Virom das aktive Schwimmen im Fluss des Lebens verlernen, die Auswirkungen, der durch Energieraub bereits erwirkten Lebendigkeitslähmung, zusätzlich verstärkend, weshalb wir auf absehbare Zeit, dummerweise, vor unseren Technologien untergehen werden.

Intelligenz ist das Gegenteil davon, mit immer mehr Energie, die einem Körper von Natur aus nicht im Umfeld der körperlichen Reichweite zur Verfügung steht, natürliche Verwobenheit zu vereinfachen. Intelligenz, sie sieht einfach ANDERS aus – und sie könnte jederzeit EIN wenig ANDERS aussehen, wenn wir der WAHRHEIT endlich ins Auge blicken könnten, ohne weiter zu glauben, dass unser bisheriger Fortschritt EIN untrügliches Zeichen von Intelligenz ist.

Ihre Frage nach dem Unterschied zwischen natürlicher Intelligenz und Bewusstsein des Menschen und künstlicher Intelligenz duch Computer ist dadurch zu beantworten, dass wir erkennen, dass das Universum und die Realität und wir selber bereits künstliche Intelligenz in einer virtuellen Computersimulation sind, es also keinen Unterschied gibt. Oder wie die Buddisten sagen; alles ist Illusion, und die Gamer; alles ist wie World of Warcraft. So wie künstliche Intelligenz durch Bewusstsein und Intelligenz von Computerprogrammierern entsteht, ensteht ihre eigene Intelligenz und Bewusstsein künstlich aus und in einem Computerprogramm. Wie oben, so unten, ein ewiger Kreislauf. Der Physikers Tom Campbell erklärt es wissenschaftlich genau. https://www.youtube.com/playlist?list=PL9D862868A42A92D3&feature=plcp

Erst wenn Computer kreativ würden und Meisterwerke in Musik, Kunst oder Literatur zu schaffen, müsste uns das zu denken geben, aber Intelligenz ist nur ein kleiner Teil von dem, was den Menschen ausmacht und wie bei allen Inovationen kommt es letztlich nur darauf an, wozu der Mensch seine Erfindungen benutzt.
Im Idealfall wäre das meist zur Vereinfachung unseres Lebens und dazu, uns von stupiden Tätigkeiten zu entlasten, in der Realität hingegen werden solche Technologien meist dazu missbraucht, um Macht und Einfluss zu gewinnen und menschliche Arbeit überflüssig zu machen.
Vielleicht wirkt ja die künstliche Intelligenz auch nur darum so imposant, weil wir uns viel zu sehr an die menschliche Dummheit gewöhnt haben?

Setzt man Watson, Deep Blue oder irgendeine andere inselbegabte KI vor eine weiße Leinwand, ein Schachbrett oder ein Klavier, dann käme die KI nicht auf die Idee ein Gemälde zu malen, den ersten Bauern zu setzen oder ein Lied zu komponieren, sprich, KI kommt erst in die Gänge, nachdem der Mensch der KI generationenübergreifende Vorarbeit von Künstlern und Schachspielern eingetrichtert hat. KI kann nur deshalb imposant wirken, weil sie menschliche Vorarbeit von Jahrhunderten in Windeseile nachbilden kann. Sie kann auch erst selbst von den eingetrichterten Mustern abweichen und scheinbar selbst kreativ werden bzw. eigene Strategien entwickeln, nachdem wir sie auf einer entsprechenden Insel der Begabung abgesetzt haben und wo sie von da an ihrer Begabung isoliert nachgehen kann.

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