Was halten Sie von Meinungsumfragen?

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Was halten Sie von Meinungsumfragen?

Von Verena Stauffacher, 01.05.2015

Gefragte und ungefragte Meinungsäusserungen prasseln auf uns ein. Daraus brauen sich dann öfters sogenannte Shitstorms zusammen

Laut einer Meinungsumfrage bei 1256 Schweizerinnen und Schweizern zwischen 15 und 74 Jahren wünschen sich zwei Drittel von ihnen Schweden als Nachbarland. (Ob da die innige Beziehung von Herrn und Frau Schweizer zu den allgegenwärtigen Produkten eines schwedischen Möbelhauses einen Einfluss hatte?) 49 Prozent würden auch gerne neben den Niederlanden wohnen, bei 42 Prozent liegen die Sympathien bei Dänemark und Grossbritannien. Ob als Konsequenz der Umfrage nun bei der UNO ein Antrag gestellt wird, diese Länder neu rund um die Schweizer Grenzen herum zu gruppieren, war nicht zu lesen.

Eigentlich eine demokratische Errungenschaft

Dass die Meinungsäusserungsfreiheit eine der grossen Errungenschaften einer demokratischen Gesellschaft und zudem ein Menschenrecht darstellt, ist unbestritten.  Doch scheinen nicht wenige diese Freiheit als Aufforderung zu verstehen, zu allem und jedem ihren Senf dazuzugeben. Dies wiederum schlägt sich etwa nieder in sogenannten „Shitstorms“, die über Leute hereinbrechen, wenn sie ihre ungefragte, unbeliebte oder gar ungehörige Meinung in die Welt hinausposaunt beziehungsweise -getwittert haben, die dann unzählige andere ebenfalls ungefragt und oft ebenso ungehörig kommentieren. Gleiches widerfährt Journalisten auf Medien-Online-Portalen, kann doch die geneigte Leserschaft ihre Meinung – ob nun fundiert oder nicht – beliebig und sofort unterhalb des Artikels anfügen. Wer einen Computer bedienen kann, wird so gleich selbst zum Medienschaffenden.

Meinungsäusserung scheint eine Art Hobby geworden zu sein, ein Jekami, für das man sich weder besonders qualifizieren noch anstrengen muss. Irgendeine Meinung – ob relevant oder nicht – zu irgendetwas – ob relevant oder nicht – hat ja schliesslich jeder. Mitmachen ist alles. Dies machen sich nicht zuletzt Meinungsforschungsinstitute und teilweise auch die Medien selbst zunutze. Da wird umgefragt und evaluiert, dass es eine Freude ist! Ob am Telefon, im Internet oder auf der Strasse, zu politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Themen, Meinungen werden gesammelt wie reife Früchte. Denn jede Meinung ist vermeintlich besser als keine.

Nicht vergessen: Meinungsäusserung per Stimmzettel!

Besonders beliebt sind Meinungsumfragen im Vorfeld von Wahlen und Abstimmungen. Die Resultate werden von Experten analysiert, die Analyse nach der nächsten Umfrage korrigiert, die dritte Runde führt zu neuen Prognosen, die sich dann nach der Abstimmung als falsch erweisen, was wiederum Expertenmeinungen hervorruft, welchen andere Meinungen konträr gegenüberstehen und so weiter und so weiter. Dass der Stimmzettel eigentlich der Ort wäre, auf dem unsere Meinung wirklich gefragt ist, scheint allerdings eine Mehrheit häufig zu vergessen, betrachtet man die Stimmbeteiligungen.

Nicht selten bleibt der Zweck all dieser Übungen im Dunkeln. Oder wollten sie schon immer wissen, ob die Schweizer lieber Rösti, Polenta oder Pasta essen? Überrascht es sie, dass Froschschenkel und Schnecken nicht hoch im Kurs sind? Finden Sie eine Schokoladeausstellung im Verkehrshaus fehl am Platz oder nicht? Was halten Sie davon, dass Frachtschiffe sicherer sind als Kreuzfahrtschiffe? Haben Sie dazu gerade keine eigene Meinung? Das ist nicht weiter schlimm, wählen Sie einfach eine der bereits vorgekauten (a: „Ich verzichte auf Kreuzfahrten – das ist mir zu gefährlich“; b: „Kein Problem. Ich fühle mich trotzdem sicher.“). Oder planen Sie Ihre nächste Kreuzfahrt auf einem Frachtschiff.

Geld verdienen mit Umfragen

Gefragte wie ungefragte Meinungsäusserungen sind also im Trend. Nach dem Motto „Ihre Meinung ist uns etwas wert!“ locken Umfrageplattformen gar mit Prämien oder Bargeld. Da wird das Hobby gleich zur Einnahmequelle. „Sag der Welt Deine Meinung und verdiene Geld mit Umfragen über Dein Handy“, heisst es da etwa. Bloss: Hat die Welt wirklich darauf gewartet, dass man ihr übers Handy die Meinung sagt? Auch eigene Umfragen lassen sich auf diesem Weg einfach starten. Meine würde lauten: „Was halten Sie von Meinungsumfragen?“

Ihre Meinung dazu dürfen Sie getrost für sich behalten. Ich habe meine ja jetzt unters Volk gebracht. Und falls es jemanden interessiert: Es gibt Meinungen, wonach die Schweiz überhaupt keine Nachbarländer bräuchte, sondern am besten einen eigenen Planeten.

 

Kommentare

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Mein Vorschlag,
Umfrage und danach Volksinitiative Abschaffung
des Uhren-Verdrehens Sommerzeit/Winterzeit und
Abschaffung von den kleinsten Münzen, für die
es keine Waren und keine Dienstleistungen gibt.

Eine Umfrage zur Reform, wie man die Zahlen lesen soll, wäre auch interessant.
Unsere deutsche Sprechweise der Zahlen ist komplizierter als in anderen Sprachen und ziemlich altmodisch. Ein Beispiel: Die Zahl 21 etwa wird entgegen der Reihung der Ziffern als „einundzwanzig“ gesprochen, obwohl die 2 in Leserichtung vor der 1 steht. Im Deutschen – wie in nur ganz wenigen anderen Sprachen – hat sich diese antiquierte Sprechweise bis heute erhalten. Im Englischen etwa gab es schon im 16. Jahrhundert eine Reform, mit der auf „twenty-one“ (zwanzigeins) umgestellt wurde. In Norwegen wurde 1951 im Parlament einstimmig die unverdrehte Sprechweise eingeführt.

Eine Umfrage wäre interessant,
wie viele Schweizer würden in
einer Volksinitiative für den Erhalt
des Bargeldes, gegen die Abschaffung
vom Bargeld, gegen einen Wechsel-
Kurs zwischen elektronischem Geld
und Bargeld und gegen negative Zinsen
für kleine Guthaben von Rentnern
stimmen.

Schweden als Nachbarland für die Schweiz, würde
bedeuten nur noch bargeldlos einkaufen, weil die
schwedischen Supermärkte kein Bargeld annehmen.
Die EU-Länder begrenzen nach und nach den
Maximalbetrag, der noch bar bezahlt werden darf.
Die großen Geldscheine 500 EUR und 100 EUR
sieht man nicht mehr. In 3 Jahren soll die EU gar
kein Bargeld haben. Eine Umfrage in Süddeutschand
wäre sehr interessant, wie viele Menschen werden den
schweizer Franken in großer Menge als Ersatzwährung
kaufen. Das könnte den Wechselkurs CHF/EUR drastisch
verändern.

Meinungsumfragen zeigen immer das vom Auftraggeber gewünschte Ergebnis. Wenn nicht, gäbe es sie nicht.

Illusionen, Frau Stauffacher, es sind Illusionen wir wissen es auch!

So lange jedoch lohnabhängige Redaktoren und Journalisten geglättete Schönschreibe-Artikel verfassen müssen, so lange bleiben die Querschüsse vieler Trolle bedeutungsvoll. Wer sonst würde es wagen es uns zu sagen? Im Jahr 2006 gab es über 118`000 Selbstmorde indischer Bauern wegen Überschuldung durch Abhängigkeiten. Die Gesamtschätzungen belaufen sich bis heute auf weit über 300`000 oder andersrum, es haben sich mehr amerikanische Soldaten, sehr jung, so um die zwanzig, in oder nach dem Vietnamkrieg das Leben genommen als es US-Gefallene gab, das waren immerhin 58`000. Die meisten Armeeangehörigen wegen befohlenen und ausgeführten Gräueltaten. Man erkennt die Lügner in der Politik leider nicht an den Pinoccio-Nasen, darum ist es von Vorteil ausserirdische Informationen zu bekommen. Eines Tages werden wir auch die wirklichen Hinter-Gründe und Interessen der Ukraine-Krise erfahren, möglicher Weise von Verschwörungstheoretikern, hoffentlich bevor es dazu zu spät ist. Zusätzliche Meinungen lassen vage Gesamtbilder entstehen und können durchaus von grossem Nutzen sein. …cathari

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