Wahlkampfthema Islam

Stephan Wehowsky's picture

Wahlkampfthema Islam

Von Stephan Wehowsky, 03.04.2017

Der Islam gehört vielleicht nicht zu Deutschland, aber ganz sicher zum Wahlkampf.

Teile der CDU um das Präsidiumsmitglied Jens Spahn haben die Ausarbeitung eines „Islamgesetzes“ gefordert. Darin sollen unter anderem der rechtliche Status von Moscheen und das Verbot ihrer Finanzierung aus dem Ausland, die Ausbildung der Imame einschliesslich verpflichtender Deutschkurse, aber auch der Anspruch auf muslimische Seelsorge in Gefängnissen, Krankenhäusern und Pflegeheimen geregelt werden.

Auch aus der CDU erhebt sich dagegen Widerspruch. Es bedürfe keines eigenen Islamgesetzes, denn vieles sei bereits gesetzlich geregelt und für weitere Bestimmungen reichten die bisherigen gesetzlichen Grundlagen aus. So könnten schon jetzt Hasspredigten in einzelnen Moscheen „abgestellt“ werden, betont Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag.

Die Forderung nach einem „Islamgesetz“ mag politisch fragwürdig sein, aber sie ist mehr als Wahlkampfgetöse. Denn der Islam muss neu bewertet werden. Vor einem Jahr verabschiedete sich Bassam Tibi in dem Beitrag, "Warum ich kapituliere", in der Zeitschrift „Cicero“ von „seiner Vision des Euro-Islam“: „Der ´Kopftuch-Islam`ist der Gegensatz zum Euro-Islam, der Kopftuch-Islam ist ein Scharia-Islam.“ Die Scharia stehe gegen jede Art von Fortschritt: „Ich kapituliere.“

Bassam Tibi hat in zahlreichen islamischen Ländern gelebt und gelehrt. Thilo Sarrazin, „Deutschland schafft sich ab“, mochte man noch Gehässigkeit unterstellen; bei Bassam Tibi liegt das fern. Jetzt gilt es, noch einmal über die Bücher zu gehen und zu fragen, ob die aufgeklärte europäische Dialogbereitschaft gegenüber dem Islam sich nicht an einer ganz anderen Agenda stösst. Es ist gar nicht so schlecht, dass dieses Thema eine Rolle in den kommenden Wahlkämpfen spielen wird. Denn trotz aller Polemik und Übertreibungen kann es Klärungen geben, die dem Gemeinwesen insgesamt zuträglich sind.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21 behält sich vor, Kommentare gekürzt oder nicht zu publizieren. Dies gilt vor allem für unsachliche und themenfremde Beiträge sowie für Kommentare, die ehrverletzend oder rassistisch sind oder anderweitig geltendes Recht verletzen. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Endlich, das Drei-Affen-Prinzip kann nicht auf die Dauer aufrecht erhalten werden.
Der praktizierte Islam, nicht der erträumte Euro-Islam macht uns Sorgen. Eine politische Religion, klar definiert und in Hunderten deutschen Moscheen wöchentlich gefordert. Zitat Koran: Allah ist Sachwalter. Nicht unsere Regierungen.

Sorry, es sieht so aus, als wüssten Sie nicht, wen Sie da mit Bassam Tibi zitieren. Ich habe viele seiner Bücher gelesen. Er ist ein extrem kluger Gelehrter. Er ist in Theorie sehr belesen. Überdies ist er in aller Welt herumgekommen und hat das Leben der Muslime kennengelernt.
Er hat aber EINEN politischen Standpunkt, der ihn sehr heikel als Kronzeuge macht. Er lehnt alles islamISTISCH ab. Also alles, wo POLITIK aufgrund islamischen Glaubens (Werte und Glaubenspraxis) formuliert wird.
Das heisst, dass er eine Entwicklung ablehnt, die etwa parallel zu CDU/CSU, Democrazia Italiana etc hier in den Nachkriegsjahren erst eine Partei unter der Kuratel von Pastoren sah mit Hirtenbriefen zu Wahlen etc., die dann aber eine Emanzipation diesen Parteien vom Klerus brachte Also eine Säkularisierung der Institutionen ohne Verlust der Werte.
Seine Position gibt den Muslimen prinzipiell nicht den Status der Cristen oder Juden oder Humanisten ohne transzendenten Spuk.
Er hat daher zumindest in Deutschland als politisch unintegrierbar gegolten. Etwa so wie der ebenfalls als Islamkenner geniale Bernard Lewis, der als alter Imperialist galt.
Tibi kapituliert hier nicht. Er war schon lange politisch allein in Europa.
MfG
Werner T. Meyer

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren