Der Krieg im Nahen weitet sich aus. Das Pentagon schickt weitere US-Truppen in die Region. Donald Trump sagt während seines ersten öffentlichen Auftritts seit Kriegsbeginn, die grosse Angriffswelle stehe erst noch bevor. «Von Anfang an haben wir mit vier bis fünf Wochen gerechnet, aber wir haben die Möglichkeit, weit darüber hinauszugehen», sagte Trump. «Wir werden es tun.» In einem Interview mit der New York Post sagte er: «Ich habe keine Angst vor Bodentruppen. Ich sage nicht, es wird keine Bodentruppen geben».
Trump sprach vom «kranken finsteren» iranischen Regime, das die USA und Israel bekämpften. Die New York Times kommentiert, dass Trumps Worte «Anzeichen für einen sich ausweitenden, langwierigen Krieg» seien.
Der Präsident zählte seine Ziele auf. «Wir sind dabei, die Raketenkapazitäten Irans zu zerstören. «Ihre Marine wird vernichtet.» Wir stellen sicher, dass Iran «niemals Atomwaffen erhalten kann». Das Land wird «keine militanten Gruppen im Nahen Osten unterstützen können».
Auf internationaler Ebene, so behauptete er, «standen alle hinter uns, sie hatten nur nicht den Mut, dies zu sagen».
Hegseth: «Kein endloser Konflikt»
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth äusserte sich am Montag zu den wachsenden Befürchtungen, dass die US-amerikanisch-israelischen Angriffe in Iran zu einem langwierigen regionalen Konflikt eskalieren könnten. Er erklärte: «Dies ist nicht der Irak. Dies ist kein endloser Konflikt.»
Hegseth sagte, die Operation habe eine «klare, vernichtende, entschlossene Mission» nämlich «die Raketenbedrohung» durch Iran zu zerstören, dessen Marine zu vernichten und «keine Atomwaffen» zuzulassen. (A clear, devastating, decisive mission to destroy the missile threat from Iran, destroy its navy and no nukes.)
«Keine dummen Einsatzregeln, kein Sumpf des Nation-Building, keine Übungen zum Aufbau der Demokratie, keine politisch korrekten Kriege. Wir kämpfen, um zu gewinnen, und wir verschwenden weder Zeit noch Leben», sagte Hegseth. «Wir werden dies zu den Bedingungen von America First zu Ende bringen.»
Reuters: Wenig Unterstützung für Trump
Nur jeder vierte Amerikaner befürwortet die US-Angriffe auf Iran, während etwa die Hälfte – darunter jeder vierte Republikaner – der Meinung ist, dass Präsident Donald Trump zu schnell bereit ist, militärische Gewalt anzuwenden. Dies geht aus einer Umfrage von Reuters/Ipsos hervor.
Etwa 27% der Befragten gaben an, dass sie die Angriffe, die parallel zu israelischen Angriffen auf den Iran durchgeführt wurden, befürworten, während 43% sie ablehnten und 29% sich nicht sicher waren.
Hisbollah greift Israel an
Die pro-iranische libanesische Miliz Hisbollah feuerte in der Nacht auf Montag erstmals wieder Raketen auf israelisches Gebiet ab, und zwar «als Vergeltung für den Tod von Ajatollah Ali Khamenei». Eine der Hisbollah-Raketen wurde von Israel abgefangen, andere schlugen in offenem Gelände ein. Bei anschliessenden israelischen Gegenangriffen auf Stellungen der Hisbollah südlich von Beirut starben nach Angaben libanesischer Staatsmedien 31 Menschen.
Am Mittag griff Israel erneut die Dahija-Vororte in Beirut an und traf nach eigenen Angaben ein hochrangiges Hisbollah-Mitglied. Angegriffen wurde auch ein Waffenlager der HIsbollah bei Tyros. Ein israelischer Militärsprecher kündigte an, dass das israelische Militär seine Präsenz auf der israelischen Seite der Grenze verstärkt habe und dass es derzeit keine Pläne für eine Bodeninvasion in Libanon gebe.
Die israelischen Angriffe haben eine neue Flüchtlingswelle ausgelöst.
Amerikanische und israelische Angriffe
«Iran ist heftigen Angriffen ausgesetzt, und die Welt schweigt, während Zivilisten, Schulen und Krankenhäuser getroffen werden», sagte ein iranischer Beamter am Montag. «Iran hat sich gegen Angreifer verteidigt und wird dies auch weiterhin tun.» Bei den amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran sind mehr als 550 Menschen getötet worden, teilte der iranische Rettungsdienst des Roten Halbmonds am Montag mit.
Die Zahl der Todesopfer eines Angriffs auf eine Mädchenschule in der südiranischen Stadt Minab ist laut Angaben eines Sprechers des iranischen Bildungsministers gegenüber den staatlichen iranischen Medien auf 153 gestiegen, 95 weitere Menschen wurden verletzt. Das israelische Militär erklärte, es «prüfe» Berichte über einen Angriff auf die Mädchenschule.
Nach Angaben iranischer Staatsmedien wurden am Sonntag Patienten im Ghandi-Spital im Norden Teherans evakuiert, nachdem dieses bei Angriffen schwer beschädigt worden war. Mehrere andere medizinische Einrichtungen sind laut iranischen Meldungen angegriffen worden.
Angriffe auf Atomanlagen?
Die USA haben nach Angaben von Reza Najafi die iranische Atomanlage in Natanz angegriffen. Najafi, der iranische Delegierte bei der UN-Atomaufsichtsbehörde IAEO, nimmt an einer Sitzung des 35-köpfigen Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde teil. Rafael Grossi, IAEO-Chef sagt, es gebe keine Anzeichen dafür, dass iranische Nuklearstandorte bei den Angriffen getroffen wurden. Er forderte die «grösstmögliche Zurückhaltung bei allen militärischen Operationen» und bezeichnete die Lage als «sehr besorgniserregend». Eine Freisetzung von Radioaktivität müsste zur Evakuierung weiter Gebiete führen.
Angriffe auf Israel
In weiten Teilen Israels heulten am Montag nach Angaben der israelischen Zeitung Haaretz die Sirenen. In Be'er Sheva imn Süden des Landes wurde eine Person bei einem iranischen Agriff schwer verletzt.
«Kein klares Ziel»
Ein Ende des Krieges, der nun in den dritten Tag geht, liegt in weiter Ferne. Neben Trump hat auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärt, die Angriffe auf Iran würden «in den nächsten Tagen intensiviert». Effie Defrin, ein israelischer Militärsprecher sagte, der Krieg werde «so lange dauern, wie er dauert». Ziel sei die existentielle Bedrohung zu beseitigen. Trump erklärte, er wolle die militärischen Fähigkeiten Irans dezimieren, um den Weg für einen Regimewechsel frei zu machen. Laut der New York Times sagen Kritiker, die Trump-Regierung habe «kein klares Ziel, und die Zahl der Opfer beginnt bereits zu steigen».
Andere Kritiker erklären, es sei einfach, einen Krieg zu beginnen, aber schwer, ihn zu beenden. Sie erinnern an Vietnam, Irak und Afghanistan – Kriege, die für die USA wenig ruhmreich endeten.
Iran will nicht mit Trump verhandeln
Trump sagte, die neuen Führer Irans hätten ihm mitgeteilt, dass sie mit ihm in Kontakt treten wollten, und er sei dazu bereit. Dies dementierte Iran am frühen Montagmorgen trotzig. Ali Larijani, der oberste nationale Sicherheitsbeamte Irans, unterstellte Trump «wahnhaften Fantasien». Er betonte, Trumps «Wunschdenken» habe die Region in einen unnötigen Krieg hineingezogen, von dem nur Israel profitiere. Iran, so Larijani, «hat sich auf einen langen Krieg vorbereitet».
Der Krieg weitet sich aus
Auch am Montag werden Explosionen aus den Golfstaaten gemeldet. Der iranische Aussenminister Abbas Aragchi sagte, sein Land habe freundschaftliche Beziehungen zu den Staaten auf der anderen Seite des Golfs. Gegenüber Al-Jazeera erklärte er, «wir greifen nicht unsere Nachbarn an, sondern die amerikanischen Einrichtungen in den Nachbarländern».
Absturz amerikanischer Kampffluzeuge
Das kuwaitische Verteidigungsministerium teilte mit, dass am frühen Montagmorgen mehrere US-Militärflugzeuge abgestürzt seien. Alle Besatzungsmitglieder hätten überlebt und seien in ein Spital gebracht worden. Videos zeigen, wie sich die Piloten mit Fallschirmen retten. Ein amerikanischer Militärsprecher erklärte, Grund des Absturzes sei «friendly fire» durch die Flugabwehr Kuweits.
Nachdem am Wochenende drei amerikanische Militärangehörige in Kuwait ums Leben gekommen waren, sagte Trump, man müsse mit «weiteren amerikanischen Verlusten rechnen».
Warten auf den neuen Obersten Führer
Ali Larijani, der oberste iranische Sicherheitsbeamte, sagte, nach dem Tod Khameneis werde ein Interimsausschuss das Land führen, und zwar so lange, bis ein Nachfolger für den Obersten Führer gewählt sei. Die Wahl eines neuen Obersten Führers obliegt der Expertenversammlung, einem konservativen Gremium aus Geistlichen.
Steigende Ölpreise
Die neuen Kämpfe im Nahen Osten führten dazu, dass der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus völlig eingestellt wurde. Durch die Strasse von Hormus wird etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung transportiert. Die Einstellung des Schiffsverkehrs führte dazu, dass die Ölpreise am Montagmorgen zunächst stark stiegen, im Verlauf des Handels jedoch wieder etwas nachgaben
Mit Associated Press, New York Times, CNN, Al-Jazeera, Haaretz