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Iran

Nicht nur Khamenei …

1. März 2026
Abdolrahim Mousavi
Generalmajor Abdolrahim Mousavi, der getötete höchster iranische Militärkommandant (Foto: X)

Bei den amerikanischen und israelischen Angriffen wurde nicht nur der oberste iranische Führer, sondern auch höchste Militärkommandanten getötet. So Generalmajor Abdolrahim Mousavi, der oberste Militärführer, Moahammad Pakpour, der Chef der iranischen Revolutionsgarden und weitere Führungskräfte.

Laut der iranischen Zeitung Hamshahri wurde Moahammad Pakpour ersetzt durch General Ahmad Vahidi. Er war iranischer Verteidigungsminister und später Innenminister, bis Präsident Ebrahim Raisi 2024 bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam. Seit November 2025 ist er stellvertretender Stabschef der iranischen Streitkräfte.

Vahidi leitete zuvor die Quds-Truppe der Revolutionsgarde und wird verdächtigt, an der Planung des Bombenanschlags auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Jahr 1994 beteiligt gewesen zu sein, bei dem 85 Menschen ums Leben kamen. Er wird von Interpol gesucht. Im April 2024 erneuerte Argentinien seinen Antrag auf einen Haftbefehl gegen ihn.

General Ahmad Vahidi
General Ahmad Vahidi (Foto: AP/Vahid Salemi)

Khamenei in seiner Residenz getötet

Die israelische Armee (IDF) bestätigt am Sonntag, dass Ali Khamenei bei einem israelischen Angriff auf die Residenz in Teheran des obersten iranischen Führers getötet wurde. Er habe sich bei dem Angriff in Gesellschaft zahlreicher iranischer Spitzenpolitiker und Würdenträger befunden. 

Laut der New York Times hat die CIA Khameinis Spur während Monaten verfolgt. So habe sie Kenntnisse über seine Gewohnheiten und Aufenthaltsorte gewonnen. So erfuhr sie, dass Khameini am Samstagmorgen in einer Residenz im Zentrum von Teheran ein Treffen mit hochrangigen iranischen Vertretern einberief. Diese Erkenntnis gab den Ausschlag zum Beginn der amerikanischen und israelischen Angriffe. 

Gemäss der israelischen Zeitung «Times of Israel» habe es sich bei dem Angriff um eine «präzise, gross angelegte Operation der israelischen Luftwaffe» gehandelt. 

Weitere Todesopfer

  • Ali Shamkhani – Sekretär des Sicherheitsrates und Berater Khameneis
  • Aziz Nasirzadeh – Irans Verteidigungsminister (ehemaliger Luftwaffenkommandeur)
  • Hossein Jabal Amelian – Leiter der Organisation für Defensive Innovation und Forschung (SPND)
  • Reza Mozaffari-Nia – ehemaliger Leiter des SPND
  • Saleh Asadi – Senior-Regime-Geheimdienstoffizier

Auch der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist bei einem Luftangriff in Teheran getötet worden. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Ilna.

Weitere israelische Angriffe

Laut  israelischen Angaben haben die israelischen Verteidigungskräfte IDF am Sonntag eine neue Welle von Angriffen «im Herzen Teherans» durchgeführt. 

Teheran
Sonntagmorgen: Israelischeer Angriff auf Teheran (Keystone/EPA/Abedikn Taherkenareh)

153 tote Mädchen

Die Zahl der Todesopfer eines Angriffs auf eine Mädchenschule in der südiranischen Stadt Minab ist laut Angaben eines Sprechers des iranischen Bildungsministers gegenüber den staatlichen iranischen Medien auf 153 gestiegen, 95 weitere Menschen wurden verletzt.

Ali Farhadi erklärte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA, dass die verletzten Schülerinnen von Rettungskräften in Spitäler gebracht worden seien. Die Schule sei während der US-amerikanisch-israelischen Angriffe dreimal bombardiert worden. Die Schule liegt nahe einer iranischen Militärbasis. 

Auf die Frage nach dem gestrigen Angriff sagte CENTCOM-Sprecher Tim Hawkins: «Wir sind uns der Berichte über zivile Opfer infolge der laufenden Militäroperationen bewusst. Wir nehmen diese Berichte ernst und gehen ihnen nach. Der Schutz der Zivilbevölkerung ist von grösster Bedeutung, und wir werden weiterhin alle verfügbaren Vorsichtsmassnahmen ergreifen, um das Risiko unbeabsichtigter Schäden zu minimieren.» Das israelische Militär erklärte zuvor, es «prüfe» Berichte über einen Angriff auf die Mädchenschule. 

Mädchenschule
Nach dem Angriff auf die Mädchenschule in Minab (AP)

Weitere iranische Vergeltung

Auch Iran startete neue Angriffe auf amerikanische Militärstützpunkte und Ziele in Israel sowie der gesamten Region. Explosionen werden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrein, Oman, Kuweit, dem Irak und Israel gemeldet. Der iranische Aussenminister Abbas Aragchi sagte, sein Land habe freundschaftliche Beziehungen zu den Staaten auf der anderen Seite des Golfs. Gegenüber Al-Jazeera erklärte er, «wir greifen nicht unsere Nachbarn an, sondern die amerikanischen Einrichtungen in den Nachbarländern». 

Drei Amerikaner getötet

Während der Angriffe auf Iran sind drei amerikanische Soldaten getötet worden. Fünf weitere wurden «ernsthaft verletzt». Dies gab das US Central Command bekannt. Weitere Angaben fehlen. 

Neun Tote in Israel

In der Stadt Beit Shmesh im Zentrum Israels ist die Zahl der Todesopfer nach einem iranischen Angriff auf neun gestiegen. Dies berichtet die israelische Zeitung Haaretz. Zwei weitere Personen, unter ihnen ein junges Mädchen, wurden schwer verletzt. Zwanzig weitere Menschen, unter ihnen ein vierjähriger Knabe,  erlitten leichtere bis mittlere Verletzungn. 

Beit Shemesh
Nach dem iranischen Angriff auf Beit Shemesh bei Jerusalem (Keysone/EPA/Abir Sultan)
Tel Aviv
Iranischer Angriff auf Tel Aviv (Keystone/AP/Tomer Neuberg)
Tel Aviv
Tal Aviv am Sonntagmorgen nach einem iranischen Angriff (Keystone/EPA/Abir Sultan)

Der Flugverkehr in der Region ist grösstenteils lahmgelegt. Mehr als 2000 Flüge wurden gestrichen.

Verminung der Strasse von Hormuz

Die USA rechnen damit, dass Iran versuchen wird, die Strasse von Hormuz zu verminen. Das würde zu einer weltweiten Ölknappheit mit steigenden Ölpreisen führen. Durch die Strasse von Hormuz wird ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung transportiert. Die US-Seeschifffahrtsbehörde riet Schiffen, die Strasse zu meiden. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, die Passage sei für den kommerziellen Verkehr unsicher.

Hormuz
Ein Cargo-Schiff am Sonntag vor der Küste von Dubai (Keystone/EPA/Str)

Opec erhöht Produktion

Wichtige Mitglieder des OPEC+-Ölkartells haben nach den US-amerikanischen und israelischen Angriffen eine Erhöhung der Produktionsquoten angekündigt. 

Die V8-Gruppe (Voluntary Eight) innerhalb des Bündnisses, zu der wichtige Ölproduzenten wie Saudi-Arabien und Russland sowie mehrere Golfstaaten gehören, die am stärksten von den Raketenangriffen Teherans betroffen sind, erklärte, man habe sich auf eine „^Produktionsanpassung von 206'000 Barrel pro Tag geeinigt.

Diese Anpassung werde im April umgesetzt, heisst es in einer Erklärung. Vor den Angriffen am Wochenende hatten Experten einen moderateren Anstieg von nur 137'000 Barrel pro Tag prognostiziert. Jorge Leon, Analyst bei Rystad Energy, warnte jedoch, dass die vereinbarte Erhöhung möglicherweise nicht ausreiche, um zu verhindern, dass der Iran-Konflikt bei Handelsbeginn am Montag zu einem Anstieg der Ölpreise führe.

Angriff auf Öltanker

Iran hat vor der Küste Omans einen Öltanker angegriffen. Dies teilte am Sonntag das maritime Sicherheitszentrum des Oman mit. Vier Menschen wurden verletzt und die gesamte 20-köpfige Besatzung wurde evakuiert, hiess es. Das Schiff heisst «Skylight» und fuhr unter der Flagge von Palau, einem kleinen Inselstaat im westlichen Pazifik.

Angriff auf das staatliche iranische Fernsehen

Israel hat einen Grossangriff auf das staatliche iranische TV-Gebäude in Teheran begonnen. Dies berichtet der saudische Fernsehsender Al-Arabiya.

Feiern in Teheran

Zehntausende Menschen strömten schon am Samstag auf die Strassen Teherans und anderer Städte, um den Tod Khameneis zu feiern. Da und dort wurde Feuerwerk gezündet und laute persische Tanzmusik erklang. An mehreren Orten tanzen Frauen ohne Kopfbedeckung.

Andererseits: Trauer in Teheran

Aufnahmen der iranischen staatlichen Nachrichtenagentur WANA zeigten, wie sich am Sonntagmorgen grosse Menschenmengen auf dem Enghelab-Platz in Teheran zu einer Massen-Trauerfeier versammelten. Gruppen von weinenden Menschen schwenkten iranische Flaggen und hielten Fotos von Khamenei hoch, während aus Lautsprechern Trauergesänge und Reden erklangen. Ähnliche Videos tauchten auch aus anderen Städten auf, beispielsweise aus Isfahan.

Teheran
Trauernde Iraner und Iranerinnen am Sonntagmorgen auf dem Enqelab-Platz in Tehran (Keystone/EPA/Abedin Taherkenarhe)

Chaos?

Die Tötung Khameneis und zahlreicher weiterer Führungskräfte könnte nach Ansicht von Nahost-Analysten zu einem Machtvakuum führen und die ohnehin schon turbulente Region in ein Chaos stürzen. Die New York Times schreibt am Sonntag: «Analysten warnen davor, dass die Kämpfe die Vereinigten Staaten in einen langwierigen Konflikt ohne klares Ende hineinziehen könnten. Die iranische Führung verfügt über umfangreiche militärische Kapazitäten und ein Netzwerk regionaler Stellvertreterkräfte, die dazu beitragen könnten, den Widerstand aufrechtzuerhalten.»

Trump: «Ziel ist Frieden auf der ganzen Welt»

Präsident Trump erklärte in den sozialen Medien, dass die US-Angriffe «die ganze Woche über oder so lange wie nötig fortgesetzt werden, um unser Ziel des FRIEDENS IM GESAMTEN NAHEN OSTEN UND IN DER GANZEN WELT zu erreichen!»

Wie lange hält Iran durch?

Der israelisch-iranische Zwölftagekrieg hatte Iran bereits wesentlich geschwächt. Analysen fragen sich nun, wie lange Iran seine Vergeltungsschläge fortsetzen kann und inwieweit die US-amerikanisch-israelischen Angriffe die iranischen Kapazitäten geschwächt haben. 

Putin kondoliert

Der russische Präsident drückte dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian sein «tiefstes Beileid» zum Mord an Ali Khamenei aus. Der Mord, so Putin in einer russischsprachigen Erklärung auf der Website des Kremls, sei «in zynischer Verletzung aller Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts begangen worden». Khamenei werde in Russland als «herausragender Staatsmann» in Erinnerung bleiben, der persönlich dazu beigetragen habe, die russisch-iranischen Beziehungen «auf die Ebene einer umfassenden strategischen Partnerschaft» zu heben. Es war Putins erste öffentliche Stellungnahme seit Beginn der Angriffe auf Iran.

Auch China kritsiert die Tötung Khameinis

Das chinesische Aussenministerium erklärte in einer Stellungnahme, dass es die Angriffe auf Iran und die Ermordung von Ajatollah Ali Khamenei, dem Obersten Führer Irans, «entschieden ablehnt und scharf verurteilt». China spricht von einer schwerwiegenden Verletzung der Souveränität und Sicherheit Irans und fordert die sofortige Einstellung der Kämpfe.

(wird aktualisiert)

Journal 21/hh mit Associated Press, New York Times, CNN, Al-Jazeera, Haaretz

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