«Tutti fratelli!»: Henry Dunants Aktualität

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«Tutti fratelli!»: Henry Dunants Aktualität

Von Barbara Schmid-Federer, 06.05.2021

Der Weltrotkreuztag wird auf der ganzen Welt jedes Jahr am 8. Mai gefeiert. An diesem Tag wurde der Genfer Henry Dunant im Jahr 1828 geboren – Gründer des Roten Kreuzes und Friedensnobelpreisträger.

Die Vision von Henry Dunant, gemeinsam für die Verletzlichsten der Gesellschaft einzustehen, hat nichts an Aktualität eingebüsst. Bei der Entstehung der weltweiten Rotkreuzbewegung im 19. Jahrhundert standen für Dunant die Rettung und Pflege von Kriegsverwundeten in der Schlacht von Solferino im Zentrum. Aber nicht nur. Er wollte den Menschen auch in Friedenszeiten beistehen, insbesondere beim Ausbruch von Seuchen. Infektionskrankheiten spielten im 19. Jahrhundert eine zerstörerische Rolle und verbreiteten sich in erster Linie über das Trinkwasser.

Pandemie und der globale Süden

190 Jahre nach der Geburt von Henry Dunant sind seit Beginn des letzten Jahres durch Ausbruch der Corona-Pandemie zahlreiche Menschen weltweit erkrankt oder am Virus verstorben.

Armut, Ernährungsunsicherheit und eine unzureichende öffentliche Gesundheitsversorgung führen dazu, dass die Pandemie insbesondere im globalen Süden bestehende soziale Ungleichheiten weiter verschärft. Angesichts dieser Gesundheitskrise und deren Folgen für die Bevölkerung ist eine weltweite Solidarität von Nöten. Auch ärmere Länder sollen Personen, die zu einer Risikogruppe gehören, so rasch wie möglich schützen können. Dazu brauchen sie genügend Impfstoff, aber auch massive Unterstützung bei den enormen logistischen Aufgaben, die sie zu bewältigen haben. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften hat sich zum Ziel gesetzt, weltweit 500 Millionen Personen zu impfen.

Aktivitäten der nationalen Rotkreuzgesellschaften

Die nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften setzen sich global für die Pandemiebewältigung ein. Sie führen Präventionskampagnen durch, verbessern den Zugang zu Trinkwasser, unterstützen die lokalen Gesundheitsbehörden und leisten direkte Hilfe für besonders vulnerable Menschen. Auch in der Schweiz sind durch die Pandemie viele Menschen in finanzielle Not geraten. Selbständige, Arbeitnehmende aus Niedriglohn-Branchen oder Menschen, welche bereits vor der Krise an der Armutsgrenze lebten, können lebensnotwendige Ausgaben nicht mehr stemmen. Es ist wichtig, dass diese Menschen von Bund und Kantonen weiterhin unterstützt werden. Die subsidiäre Unterstützung von Hilfsorganisationen ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Allein im Jahr 2020 unterstützte das SRK Menschen in Not mit finanzieller Soforthilfe im Umfang von 11,5 Millionen Franken.

Corona wird uns auch 2021 weiter begleiten. Das Virus verursacht Verunsicherung und neue Herausforderungen. Es bringt aber auch eine Welle der Solidarität mit sich. «Tutti fratelli!» – der Aufruf Henry Dunants von 1859, wonach alle Menschen in Not ungeachtet ihrer Herkunft Hilfe erhalten sollen – ist aktueller denn je. Denn nur gemeinsam erreichen wir mehr Menschlichkeit in solch aussergewöhnlichen Zeiten.

Auf der ganzen Welt? In China, in Afrika, in Indien? Ja, es gibt ihn noch, den Eurozentrismus, noch schlimmer den Helvetozentrismus.

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