Suche ohne Nebenwirkungen

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Suche ohne Nebenwirkungen

Von Stephan Wehowsky, 06.12.2013

Wer sucht, der findet – und hinterlässt jede Menge Spuren. Eine neue Suchmaschine schützt uns davor.

Google hat sich zum unentbehrlichen Helfer gemacht. Aber manchmal geht die Hilfe auch etwas zu weit. So kann man erleben, dass man nach einem bestimmten Gerät bei Google sucht und kurze Zeit später eine nette E-Mail von Amazon bekommt, in der genau dieses Gerät angeboten wird.

Russland suchen und Putin finden

Einen anderen Effekt merkt man gar nicht ohne einen Vergleich. Google, aber auch Yahoo und Bing sind, wenn man es positiv ausdrücken möchte sehr „anschmiegsam“. Sie versuchen, die Vorlieben des Nutzers zu erfassen und entsprechend die Suchergebnisse zu „optimieren“. Um es in einem banalen Beispiel zu verdeutlichen: Wenn jemand immer wieder das Wort Russland eingibt und bei den Suchergebnissen lediglich diejenigen anklickt, in denen Putin vorkommt, wird Google auf die Dauer unter dem Stichwort Russland nur noch Putin liefern.

Dieses Beispiel ist extrem, aber es genügt schon, einmal zwei Computer von zwei verschiedenen Besitzern nebeneinander zu stellen und dasselbe Suchwort bei Google, Yahoo oder Bing einzugeben. Die Ergebnisse unterscheiden sich.

Das Dateneldorado

Warum machen die Suchmaschinen das? Dahinter steckt das Konzept von „Big Data“. Darunter versteht man einmal die schlichte Tatsache, dass im Internet riesige Datenmengen anfallen, die sich sammeln lassen. Interessant werden diese Daten natürlich erst dann, wenn man sie auswerten kann. Wie das geschieht, ist nicht immer ganz klar und mit Logik hat das inzwischen auch nicht immer viel zu tun. Denn es werden Algorithmen entwickelt, die Daten miteinander verknüpfen, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben.

Was allein zählt, ist der Erfolg. Wenn es eine signifikante Häufigkeit zwischen bestimmten Eigenschaften der Nutzer oder deren Fragen und Vorlieben, die sich dann in Kaufentscheidungen niederschlagen, gibt, ist die Verknüpfung sinnvoll. Geheimdienste machen das übrigens ganz ähnlich, nur dass sie die Daten nicht unter dem Gesichtspunkt des Marketings analysieren…

Metasuchmaschinen

Der Gedanke, dass man mit jeder Suchanfrage Spuren hinterlässt, die auf unabsehbare Zeit mit der eigenen IP-Adresse und dem Nutzerprofil in den jeweiligen Suchmaschinen verbunden sind, ist störend. Man muss gar nicht fürchten, dass einem gleich die Geheimdienste auf den Fersen sind und man deswegen vielleicht bei der nächsten Einreise in die USA unangenehme Momente durchleben muss. Es genügt schon zu wissen, dass sie Suchergebnisse vermeintlich auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden, und jeder daher auf die Dauer im Prinzip nur das findet, was er in irgendeiner Form schon vorher gesucht und gefunden hat.

Seit geraumer Zeit gibt es die Metasuchmaschine Ixquick. Sie macht im Grunde nichts anderes, als Anfragen an die gängigen Suchmaschinen, hauptsächlich Google, weiterzuleiten und die Ergebnisse an denjenigen, der die Frage gestellt hat, zurück zu senden. Solche Metasuchmaschinen gibt es schon länger; die bekannteste ist der „Webrawler“. Im Gegensatz dazu aber speichert Ixquick nicht die Daten derjenigen, die diese Suchmaschine nutzen.

Anerkannte Datensicherheit

Wenn  eine solche Anfrage über Ixquick bei Google landet, dann weiss Google nicht, wer diese Frage gestellt hat. Entsprechend unbeeinflusst sind die Resultate. Und derjenige, der die Recherche ausgelöst hat, wird nicht von dritter, vierter oder fünfter Seite mit Werbebotschaften zugeschüttet.

Ixquick ist eine niederländische Firma, die 1998 von David Bodnick gegründet wurde. Ixquick hat zwar auch Server in den USA und ist daher nach dem PATRIOT Act verpflichtet, Nutzerdaten den Geheimdiensten zur Verfügung zu stellen. Aber die Betreiber versichern, dass die Europäer mit ihren Anfragen nicht auf amerikanische Server geleitet werden.

Im Jahr 2008 wurde Ixquick mit dem Europäischen Datenschutzgütesiegel ausgezeichnet. Seitdem sind andere Auszeichnungen gefolgt. Den besten Überblick über die Methoden von Ixquick und die Sicherheit findet man direkt auf der Website von Ixquick.

Die ökonomische Frage

Für die Sicherheit muss man nicht auf Komfort verzichten. Ixquick bietet genauso wie Google und andere Suchmaschinen die Möglichkeit der Verfeinerung der Suche sowie die gezielte Suche nach Bildern, Videos usw. Eine Besonderheit besteht darin, dass man auch direkt auf Telefonbücher zugreifen kann. Ausserdem kennzeichnet Ixquick die Suchergebnisse mit Sternen. Daran kann man ablesen, wie viele der abgefragten anderen Suchmaschinen dieses Ergebnis in welcher Rangfolge gelistet haben.

Eine Frage aber bleibt unbeantwortet: Wie finanziert sich dieses Unternehmen? Wird mit dieser Suchmaschine Geld verdient, und wenn ja, in welcher Weise? Oder ist diese Suchmaschine nur einem anderen Unternehmen unter- oder zugeordnet? Worin besteht dann aber der ökonomische Sinn?

Bislang aber findet sich kein Hinweis, dass es bei Ixquick nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Daher ist man gut beraten, sich dieser komfortablen Suchmaschine zu bedienen und dabei die Augen offen zu halten für den Fall, dass es auch dort Probleme geben könnte. Der Vorteil liegt zunächst auf der Hand: Die Suchergebnisse sind ungefiltert und daher „objektiver“ als die von Google und Co.

Kommentare

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Ich stimme grössenteils zu.

Jedoch kann meines Wissens Google nur ein personifizierte Suchergebnis liefern, wenn Google die Person, die den Such-Begriff eingibt, kennt.
Wird einer der Dienste von Google verwendet, ist es anschliessend für Google meist leicht die Person zu authentifizieren. Die Anmeldung erfolgte bei der Anmeldung für den Dienst und bleibt bestehen.
Ersichtlich auf der Seite der Suchmaske oben Rechts.

Es gibt aber die Möglichkeit, auch bei Google angemeldet, einem personifizierten Suchergebnis vorzubeugen.

Dazu lässt sich im Google-Kontos das Webprotokoll deaktivieren. Dieses wird beim Einrichten eines Kontos standardmässig aktiviert und muss händisch deaktiviert werden.

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