Strich drunter

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Strich drunter

Von Urs Meier, 21.07.2013

Bundespräsident Ueli Maurer war in die Enge getrieben. Urs Morf, China-Korrespondent von Radio SRF, konfrontierte den SVP-Mann im «Echo der Zeit» vom 18. Juli mit der Vermutung, sein Besuch bei chinesischen Panzertruppen könnte vom Gastgeber zur Aufbesserung des seit dem Tiananmen-Massaker angeschlagenen Rufs genutzt werden. Maurer darauf: «Ich denke, man kann den Strich längstens unter diese Geschichte ziehen.» Eine staatsmännische Antwort war das ganz bestimmt nicht. Der Präsident machte den Eindruck, als sei ihm die Frage lästig. Er wischte sie weg und ging im gleichen Atemzug zur Anerkennung der grossen Leistungen Chinas über. Die Episode hat unter Schweizer Aussenpolitikern einiges Stirnrunzeln verursacht. Maurer findet offensichtlich nicht zur magistralen Statur, die sein Amt verlangt. Die simple Gradlinigkeit, mit der er als Parteipräsident die Interessen seiner SVP verfocht, ist eben nicht kompatibel mit den vielschichtigen Anforderungen, die die Repräsentation des Staates Schweiz mit sich bringt. Gemeinsame Interessen mit der aufstrebenden Grossmacht zu eruieren und zu pflegen, ist das eine. Standfestigkeit und Klarheit beim Eintreten für die universalen Menschenrechte das andere. Nur wer klarmacht, voll und ganz hinter beidem zu stehen, genügt der staatsmännischen Aufgabe. (Urs Meier)

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Kommentare

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Ja genau! Und wie verhält es sich mit USA (Guantanamo, Drohnen etc.- und Rassismus bis zum Erbrechen - gerade jetzt wieder) - wie mit Russland (Terror gegen Andersdenkende und "Andersfühlende" wird immer akuter!) Wie war das nochmal als unter Berlusconi im Jahre weiss nicht mehr wild auf Demonstranten geschossen wurde. Wie war das anno dunnemals als der gesamte BR sich im Bundeshaus von einem fuchsteufelswilden chinesischen Staatsoberhaupt vor laufenden Kameras abkanzeln liess wie eine fehlbare Schulklasse, nur weil vor dem edlen Gemäuer ein paar Tibeter es wagten den feinen Herrn aus China an die (immer noch andauernden) Schandtaten gegenüber ihrem Volk und Land zu erinnern?

Damals fiel der gesamte BR vor der Wirtschaftsmacht China in die Knie und hat alles verraten was der CH angeblich so hoch und heilig ist! Oberpeinliche Erinnerung, nicht wahr?

Jetzt hat der amtierende Bundespräsident Maurer in seiner Mission, als hochoffizieller "Bekräftiger" eines von der offiziellen Schweiz hochgelobten Handelsabkommens mit den allseits angeprangerten chinesischen Menschenrechtsverletzern verbal einen Strich unter das Tiananmen Massaker gezogen und die ganze offizielle Schweiz zelebriert Empörung - ich fasse es nicht !!!!

Die ganze Restwelt ist wirtschaftlich gesehen hinter China her, will noch möglichst viel aus dem noch boomenden Riesen herausholen, bevor er ebenfalls platzt, wie Amerika und Europa. Was nichts anderes heisst, als das es bei dieser Jagd nach lukrativen Abkommen und Deals für die Wirtschaft allen Beteiligten 100% egal ist wie die chinesische Staatsgewalt mit ihren Bürgern umgeht. Irgendwelche kreuz- und querverweise zu Menschenrechten werden höchstens zwischen zusammen gepressten Lippen hervorgequetscht und wenns geht gar nicht auf chinesisch übersetzt (Merkel!?)!

DIESES AUFGEBAUSCHTE SOMMERLOCHEMPÖRUNG wegen Maurers verbaler Plattfüssigkeit, die eigentlich nur das ausdrückt, was in Wahrheit jeder Politiker und Wirtschaftsführer will, nämlich bei seinen Geschäften nicht durch moralische Entrüstung wegen verletzten Menschenrechten aufgehalten werden die seine hofierten Geschäftspartner beleidigen und vertreiben könnten, IST PURE HEUCHELEI!!!

Realität ist: Die MR-Verletzungen werden in allen Ländern weiterbetrieben, falls sie aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nötig sein sollten (oder auch nur aus Gewohnheit¨) und darauf werden auch immer die gleichen scheinheilig Empörten den Zeigefinger heben - um sich selber zu rechtfertigen - wohlwissentlich das ihr wehklagen nichts verändert!

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