Reden über? Reden mit!

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Reden über? Reden mit!

Von Christoph Kuhn, 29.01.2015

Das schlechteste Rezept, das die deutsche Politik gegen Pegida gefunden hat, heisst Gesprächsverweigerung.

Einer aus der Reihe hochrangiger Politiker ist an eine Pegida-Demo nach Dresden gefahren und hat – als Privatmann, wie er nicht müde wird zu betonen - mit Anhängern der Bewegung diskutiert: SPD-Chef Sigmar Gabriel. Viel Schelte wurde ihm zuteil.

Die Ablehnung, ja die Abscheu vor Gabriels Schandtat auf den Punkt zu bringen, das blieb der Parteivorsitzenden der Linken, Katja Kipping, vorbehalten. Man muss ihre angewiderte Miene gesehen haben, als ein Reporter sie um einen Kommentar anging. Der lautete kurz und bündig: Mit denen redet man nicht.

Über Pegida wird unheimlich viel geredet, gemutmasst, im Netz gezwitschert. Bis zum Abwinken. Mit Pegida-Anhängern spricht man lieber nicht. Obwohl sich selbst bei den strammsten Parteisoldaten die Meinung durchgesetzt haben dürfte, dass es sich bei den 20.000 bis 30.000 Dresdener Manifestanten nicht ausschliesslich um Verbrecher, Altfaschisten und Neonazis handeln kann.

Dass ein abgebrühter Politfuchs wie der CSU-Boss Horst Seehofer im Ernst verlautbaren lässt, dass er die Sorgen der Menschen immer zur Kenntnis nehme, aber nichts davon halte, mit den Leuten (von Pegida) zusammenzusitzen, zeigt, warum die sich Sorgenden, den Politikern nicht mehr glauben wollen, wenn die sich, angeblich, um sie sorgen. Auch wenn sich die Besorgten in diesem Fall mehrheitlich aus Frust- und Wutbürgern und anderen Wirrköpfen zusammensetzen: wäre es nicht venünftiger, mit ihnen statt immer nur über sie zu sprechen?

Mit Pegida nicht sprechen, über Pegida nicht reden,
das ist die einfachste und oft erprobte Taktik, wenn
eine neue Partei großen Zulauf hat oder eine unbeliebte
Organisation sich an die Gesetze hält.
Viel wirksamer ist es, wenn sich ein Organisator einen
Schnurbart und eine Frisur macht wie ein unbedeutender
Österreicher, der in Deutschland eine große Karriere
gemacht hat. Dann noch schnell mit dem Foto ins Internet,
wo viele Menschen und Dienste alles sehen können.
Wenn jemand so etwas ohne Bezahlung macht, dann
hat er Anspruch auf eine Invalidenrente wegen geistiger
Behinderung. Die regierungstreue Presse wartet nur auf
solche Verfehlungen der Pegida-Organisatoren.

Mit solchen Leuten zu reden vergeudet nur Zeit. Wer genug davon hat kanns ja gerne tun. Aber bitte nicht mit Fakten antreten. Darauf reagieren solche Mitläufer allergisch.

Gut! Für mich ist die von Ihnen kritisierte Haltung ("Mit denen reden wir nicht!") das gleiche, wie "Putinversteher" zum Schimpfwort zu machen. Oder die Verweigerung des Zuhörens oder ein Berufsverbot auszusprechen, wenn man von irgendwem ein Etikett wie "Verschwörungstheoretiker" angeklebt bekommen hat. Oder "Antisemit". Ich habe mehrfach gelesen, dass es sogar eine ganze Reihe jüdischer "Antisemiten" geben soll, nämlich solche, die die Politik der israelischen Regierung kritisieren oder die gezeigt haben, dass die Holocaustindustrie eine einträgliche Industrie ist, nur nicht für die überlebenden Opfer des Holocausts (siehe Norman G. Finkelstein).

Und auch Herr Kuhn muss sich am Ende seines Beitrages über die Menschen, die sich Sorgen machen, stellen.

Warum in Herrgottsnamen, muss man jetzt unbedingt mit den 'Pegidisten' in einen Dialog eintreten, aber niemand kommt auf die Idee, vielleicht auch einmal mit denjenigen zu sprechen, die in den Flüchtlingsunterkünften, im Kirchenasyl oder in irgendwelchen Bruchbuden am Rande der Städte leben?! Ein Lob für den bei nicht wenigen Anhängern der Pepita-Bewegung sehr beliebten Schlagerstar Roland Kaiser, der sich aus Anstandsgründen dem Dialog mit seinen Fans aus dieser Ecke verweigert. Als Journalist ständig als professioneller Lügner tituliert zu werden, ist auch nicht gerade eine Einladung für ein Gespräch auf Augenhöhe. Dann schon lieber auf die Strasse gehen und für eine Zivilgesellschaft demonstrieren, die die Erinnerung an die schrecklichen Folgen einer 'nazionalsozialistischen Volksgemeinschaft' nicht vergessen will und kann.
Carl Wilhelm Macke ( München )

Muss man wirklich mit jedem Idioten, Despoten und Rassisten reden? Ich meine nein. Dazu sind allenfalls die Gerichte da.
Wesentlich besser ist es, dafür einzustehen, dass Hass, Krieg und ungerechte Handelsbeziehungen beseitigt werden.
Mit Hasspredigern und Scharfmachern zu reden ist vergebliche Liebesmühe. Eine klare Haltung, wie sie die Regierung zeigt, gibt den naiven und frustrierten Nachläufern Orientierung. Ob diese lernwillig sind ? Dafür darf gebetet werden.

Von Zwingen, Schraubzwingen und Nährössern.
Eingeklemmt fühlen sich die Leute und ausgeliefert einer ständig steigenden Gesetzesflut. Erzeugt durch eigene und mehr noch, durch künstlich erzeugte Ängste. Im Nebel tappend suchen sie sich mangels genaueren Kenntnissen einen Feind und wählten prompt den falschen. Nicht „Fremd“ ist ihr Feind, nein, nein! Bis die das begreifen? Bis die das grosse Game endlich durchschauen? God bless Europa! ……cathari

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