Rassismus und Toleranz im israelischen Fussball

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Rassismus und Toleranz im israelischen Fussball

Von Uri Russak, 12.02.2013

Auch in Israel müssen sich Fussballclubs mit rassistischen Fans herumschlagen. Besonders berüchtigt sind die Fans von Beitar Jerusalem. Der Clubbesitzer trotzte deren Terror und heuerte muslimische Spieler an.

Der Fussballclub Beitar Jerusalem hat ein jahrelanges Problem vielleicht gelöst. Der Rassismus seiner Fans wurde zu einer enormen Hypothek für den Club, es hagelte Strafen und die Finanzierung litt. Der Club schämte sich über seine Fans. Die Fans bedrohten Spieler und Clubleitung, die sich fürchtete, arabische oder muslimische Spieler anzuheuern, etwas das sonst im israelischen Fussball gang und gäbe ist.

Die Wut der Rassisten unter den Fans

Der Clubinhaber, der jüdisch-russische Milliardär Gaydamak, fand den Mut zwei muslimische Spieler aus Tschetschenien zu einzukaufen - Dzhabrial Kadayev und Zaur Sadayev vom tschetschenischen Club Terek Grosny der russischen Nationalliga. Die erste Reaktion der Rassisten unter den Fans war Schock und Wut. Sie reagierten entsprechend. Das Clublokal von Beitar Jerusalem wurde angezündet und es entstanden grosse Schäden. Der Club und viele Fans im Lande, wussten nicht wie das enden würden.

Dieser Tage spielte Beitar Jerusalem gegen Bnei Sachnin, einem arabischen Nationalligaclub aus dem Dorf Sachnin in Galiläa. Ich musste mir das ansehen.

Viele gemischte Mannschaften

Kadayevs Mutter wurde aus Grosny eingeflogen. Sie durfte im VIP-Raum zusammen mit dem Jerusalemer Bürgermeister, der Sportministerin Limor Livnat (der Hauptverantwortlichen für den Niedergang des israelischen Schulsystems) und anderen sich wichtig vorkommenden Leuten sitzen. Ihr neunzehn Jahre alter Sohn sass auf der Ersatzbank.

Beim FC Bnei Sachnin (Söhne Sachnins) spielen nicht nur arabische, sondern auch jüdische Spieler und afrikanische Söldner. Einer von diesen jüdischen Spielern heisst Weizmann, ein hochzionistischer Name. Er spielte gut und bekam eine gelbe Karte. Es ist eine Tatsache, dass arabische Integration im israelischen Fussball sehr fortgeschritten ist, weit über den Rahmen des arabischen Bevölkerungsanteils hinaus. Arabische Israelis spielen in fast allen Clubs und in der israelischen Nationalmannschaft.

Gaydamaks Courage

Dort wurden sie in der Vergangenheit mit Transparenten jüdischer Rassisten konfrontiert, im Sinne von „arabische Spieler repräsentieren uns nicht!“. Vielleicht führt der Mut Gaydamaks und der Clubleitung dazu, dass sich Fussballclubs in Israel nicht mehr von „ihren“ Fans terrorisieren lassen. Allerdings will betont sein, dass Rassismus im Fussball nicht weniger unter Fans im europäischen Fussball zu finden ist. Das macht den israelischen Fussball-Rassismus nicht appetitlicher.

Zwar haben wir ägyptische Zustände nicht erreicht, wie beispielsweise das blutige Gefecht vom 1. Februar 2013 nach dem Spiel zwischen den Fans vom „FC al-Mazri“ (Port Said) und dem Kairoer Klub „al-Ahly“, das mindesten 74 Tote produzierte. Als Jugendlicher wurde mir in Zürich gesagt, dass der Grasshoppers Club früher einen antisemitischen Ruf besass und Juden weder als Mitglieder noch als Spieler aufgenommen habe.

Versöhnliche Transparente

Wie verhielten sich die im Teddy-Stadion (genannt nach dem berühmten Bürgermeister Jerusalems Teddy Kollek) anwesenden Zuschauer? Es gab eine Überraschung: die Beitar Jerusalem Fans verhielten sich vorbildlich. Bekannte Randalierer und Rassisten waren nicht eingelassen worden. Es waren Transparente zu sehen mit den Worten: „Wir lieben euch alle, wir sind keine Rassisten“. Von den gegen neuntausend Zuschauern seien nur 35 rabiate Beitar-Fans aus dem Stadion geführt worden, wie auch 35 Fans von Sachnin, die die Sicherheit gefährdet hätten.

Der Reporter erzählte, es habe einige rassistische Demonstrationen gegeben, die von der Fernsehkamera nicht aufgenommen worden seien. Diese Ausbrüche seien nur von einer winzigen Gruppe verursacht worden. Von all dem war im Fernsehen nur eine Szene zu sehen: als vor Spielbeginn einige Sachnin-Fans von Wächtern der Ordnung aus dem Stadion geführt wurden.

Ein Spiel mit happy End

Zum Spiel selbst: in der ersten Halbzeit wurde Beitar Jerusalem von Bnei Sachnin förmlich überrollt. Beitar lag bei der Pause 0:2 im Rückstand. Die Ehrengäste im verglasten VIP-Raum schauten entsetzt durch die Scheiben. Gaydamak raufte sich sichtbar die Haare. In der zweiten Halbzeit holte Beitar auf und der Match endete 2:2. Zur lauten Freude aller durfte der junge Grosnyer Dzhabrial Kadayev die letzten fünfzehn Minuten mitspielen – wohl um seiner Mutter eine Freude zu bereiten. Ein Goal schoss er nicht. Der Trainer von Beitar Jerusalem sei zufrieden mit ihm, doch habe er noch sehr viel zu lernen.

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Kommentare

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Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Schweizer Fussballklub keine Spieler (oder Mitglieder) jüdischer Abstammung aufnahm. Avi Tikva hat doch auch bei GC gespielt und ist Israeli. Der Grund könnte eher sein, dass es zu jener Zeit keine grossen Fussball-Talente aus Israel gab. Leser Traveller mag vielleicht ein bisschen überreagiert haben, aber ansonsten finde ich seine Kommentare recht interessant.

Herr Russak, Ihr Beitrag über das Fussballwesen in Israel ist interessant. Ich hatte einen Jugendfreund, der anfangs 60'er Jahre bei Betar Haifa geboxt hat. Im Club waren selbstverständlich auch nichtjüdische Israelis. Uebrigens, Leser "Traveller", Typ antisemitischer Besserwisser, ist mir bereits als unangenehmer Leser aufgefallen.

Nennen Sie mich doch Franz Huber. Zufrieden? OK! Der von Ihnen beschriebene Zustand betreffend GC besteht also nicht mehr und liegt 60 (!) Jahre zurück. Sofern GC überhaupt jemals eine antisemitische Einstellung hatte. Ja, warum kochen Sie denn eine 60ig-jährige Geschichte hoch - welche mit grösster Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Warum?

Noch was: wenn sie schon von "schämen" schreiben, warum den anonym? Kostet das Mut?

Wenn sie richtig lesen könnten, hätten sie das Wort "früher" gesehen. Oder meinen sie, der von mir beschriebene Zustand vor 60 Jahren bestehe noch? Ich denke nicht.

Uebrigens, wieso sollte ich dem GC ans Bein pinkeln? Es gibt doch keinen Grund dazu.

Ich nehme mal an, dass Sie diesen "Artikel" nur geschrieben haben, um GC ans "Bein zu pinkeln". Schämen Sie sich.

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