Prominente Frauen treten aus

Journal21's picture

Prominente Frauen treten aus

Von Journal21, 19.11.2018

Sechs bekannte mit der Kirche verbundene Persönlichkeiten geben mit einer gemeinsamen Erklärung ihren Austritt aus der katholischen Kirche bekannt. Sie haben genug.

Unter dem Titel „Wir gehen!“ rechnen sechs bekannte Insiderinnen mit der katholischen Kirche ab. Die heute veröffentlichte Erklärung ist unterzeichnet von

  • Cécile Bühlmann, ehem. Nationalrätin und ehem. Geschäftsleiterin des Christlichen Friedensdienstes cfd
  • Anne-Marie Holenstein, Mitgründerin Erklärung von Bern, ehem. Direktorin Fastenopfer
  • Monika Stocker, Sozialpolitikerin, ehem. Nationalrätin und ehem. Stadträtin Zürich
  • Doris Strahm, feministische Theologin und Publizistin
  • Regula Strobel, feministische Theologin und Hotelière
  • Ruth-Gaby Vermot, ehem. Nationalrätin und Mitglied des Europarates

Sie hätten es sich nicht leicht gemacht, sondern seit Jahren mit der Frage gerungen, ob sie als Feministinnen dieser Institution noch angehören könnten. Den berühmten letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, sei Papst Franziskus’ Äusserung vom 10. Oktober 2018, eine Abtreibung sei wie ein Auftragsmord. In der Medienerklärung heisst es hierzu: „Über Abtreibung kann man geteilter Meinung sein. Was aber am kirchlichen Nein empört: Frauen in einer Notlage werden zu Kriminellen gestempelt, während gleichzeitig Verhütungsmittel streng verboten sind. Wird eine Frau dann ungewollt schwanger, ist der Schutz des ‚ungeborenen Lebens‘ sakrosankt, die Lebenssituation der betroffenen Frauen dagegen wird komplett ausgeblendet. Die Frauen werden kriminalisiert, während die an der ungewollten Schwangerschaft beteiligten Männer überhaupt nicht in die Pflicht genommen werden.“

Die Frauenfeindlichkeit in der katholischen Kirche habe System. Deshalb stehe für die Unterzeichnerinnen durch die Zugehörigkeit zur Kirche die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Es gebe zwar in den Ortsgemeinden eine „andere Kirche“, und dieser würden sie weiter verbunden bleiben. In der gemeinsamen Erklärung halten sie abschliessend fest: „Unsere bisherigen Kirchensteuern sollen als Spende direkt diesen oder anderen sozialen Projekten zugute kommen. Doch den römisch-katholischen Machtapparat mit seiner patriarchalen Theologie wollen wir mit unserer Mitgliedschaft nicht länger stützen. Wir gehen.“

Meiner Meinung nach braucht es heute mehr Mut, in der Kirche zu bleiben oder gar öffentlich zu sagen, dass ich zu dieser Kirche gehöre, als aus ihr auszutreten. Ich bin keine Theologin, wurde mich manchmal, was die alles sagen und aufdecken, aber ich bin Teil dieser Kirche (in meinem Fall der reformierten). Es wäre falsch, ihr mit den vielen, die heute austreten, auch mithülfe, ihr den Todestoss erteilen, denn wir brauchen heute ethische Richtlinien, die sich im Christsein manifestieren.

Sechs Frauen aus der Kirche Roms ausgetreten, protestierten so gegen das Patriarchat darin. In der Sache natürlich verständlich. Nur, wie weiter? Was ändert sich so? Patriarchen werden so gleich natürlich kaum einsichtig, im Gegenteil. Diese Frauen werden als des Teufels eingeschätzt (wird selbstverständlich stets politisch korrekter ausgedrückt!). Fall erledigt. Was zu tun? Hinstehen und sagen, wir könnten nur so: innerhalb der Kirche weiter für die gleiche Würde von Frau und Mann einstehen. Mit dem Wurschtessen vielleicht einmal am Anfang von dieser Art: ganz auf Priester verzichten? Schriftgrundlage: Barmherzigkeit will ich, nicht Eucharistie (Hosea 6,6; Matthäus 9, 13)! Ja, Frauen haben doch Wichtigeres zu tun. Selbstverständlich dürfen die Männer den Hokussangpokus gerne unter sich weiter veranstalten.Ich denke, wenn sich die Frauen auf dieses Vorgehen einigen, könnten sie am Ende noch Erfolg haben - weil die Männer überflüssig werden, wenn sie sich weigern umzudenken.

Ein grosser Verlust für die kath. Kirch, gerade in der CH. Sind es doch markante Frauen und Leitfiguren. Ein weiteres Alarmzeichen nach innen, in ein System, das wie ein Bollwerk nur wenig "an sich selber herankommen lässt", was gerade dieser Papst brennend zu spüren bekommt. Immer noch stehen die ethischen und theologischen "Masstäbe" im Bereich von Sexualität, Ehe, Geburtenregelung, Ehescheidung und bez. der Gleichberechtigung der Frau in dieser Kirche quer zum Leben der Menschen. Die Auslassung von Papst Franziskus lässt jede Differenzierung schmerzlich vermissen. Sie wird weder dem Leid und der Not der Betroffenen gerecht noch trifft sie die Verharmlosung der ethischen Herausforderung in unserer Gesellschaft.
A. Imhasly

Der Austritt dieser engagierten Frauen schmerzt. In einem offenen Brief hat die Synodalratspräsidentin Franziksa Driessen-Reding in einem offenen Brief auf den Austritt der sechs Frauen aus der katholischen Kirche reagiert:
https://www.zhkath.ch/news/engagierte-frauen-treten-aus-2
Die Frauen sind aufgetreten. Wo sind die Männer?

Zuerst hätte ich gedacht, dass die Frauen die katholische Kirche iwegen dem massenhaften Kinderschänden, dem Missbrauch und der Gewalt bis Massen-Kindermord global in den Heimen und Anstalten nachweislich während der letzten hundert Jahre durch Geistliche, Nonnen und Anstaltsmitarbeiter_innen verlassen. Aber wegen Anti-Abtreibung ist natürlich auch ok.

Chapeau, Mesdames
Extra ecclesia, nulla salus, sie führen den Gegenbeweis.
Auf dass Sie viele Nachfolgerinnen finden werden.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren

«Belarus - ein Modell unserer Zukunft»

Reinhard Meier: Die belarussische Nobelpreisträgerin Swetlana Aleksijewitsch hat die russischen «Brüder» um Solidarität mit ihrem Volk gebeten. Die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja antwortete, Belarus sei ein «Modell unserer nahen Zukunft». Mehr…