Ohne Angabe der Nationalität

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Ohne Angabe der Nationalität

Von Medienwoche, 09.11.2017

Die Stadtpolizei Zürich nennt die Herkunft von Straftätern nur noch auf Anfrage. „Medienwoche“-Kolumnistin Nina Fargahi findet dies unschön, aber nötig und richtig.

Die neue Praxis, Nationalitäten von Tatverdächtigen, respektive Täterinnen und Tätern nicht mehr zu nennen, zielt vor allem auf die Berichterstattung über Straftaten wie Taschendiebstähle oder Bagatelldelikte. Hier sei die Nationalität nicht relevant, so der Zürcher Polizeivorsteher Richard Wolff.

Lesen Sie die Kolumne von Nina Fargahi in der "Medienwoche".

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Kommentare

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Die Herkunft von Straftätern wird nur noch auf Anfrage genannt. Nur von Straftätern? Von Straftäterinnen wird sie weiterhin genannt? Nein, im Ernst: Wolffs Entscheid ist unvollständig: Wenn schon, darf man mit derselben Begründung auch das Geschlecht nicht mehr nennen. Und es soll auch nicht mehr gesagt werden, wo die Straftat verübt worden ist. Sonst kommen gewisse Ortschaften oder Quartiere in Verruf, wenn sie immer wieder genannt werden. Wenn geschrieben wird, gestern Nacht hat ... , dann glauben die Leute nach Wolffs Logik, am Tag sei man sicher vor Straftätern. Etc. usf. - Das ergibt dann: Eine Person hat eine Person erschossen.
Aber sollte man nicht überhaupt aufhören, über Unglücksfälle und Verbrechen zu berichten? Was man totschweigt, existiert doch auch nicht.

Das Ignorieren von Missständen hat unter anderem zum Niedergang der Sowjetunion geführt.

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Ein weiteres Beispiel ist Venezuela. Als die Statistik der Morde immer mehr nach oben tendierte hat die Regierung der Presse verboten entsprechende, selbst recherierte Zahlen zu veröffentlichen. Es würde damit in der Bevölkerung ein Gefühl der Unsicherheit (percepcion de inseguridad) verbreitet, was sozial schädlich sei.

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