Öffentlichkeitsarbeit für Insider

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Öffentlichkeitsarbeit für Insider

Von Alex Bänninger, 22.07.2016

Behördliche Mitteilungen lesen sich immer wieder wie Kaffeesatz. Wir versuchen die Deutung eines hübschen Beispiels.

Es dürften Wenige sein, die unter dem Verlautbarungs-Titel „Interinstitutionelle Zusammenarbeit“ das Richtige verstehen, und noch weniger, die sich für die Evaluation der nationalen IIZ-Strukturen interessieren. Sofern das Bundesamt für Sozialversicherungen die Zielgruppe vergrössern will, läuft es mit einer kürzlich veröffentlichten Meldung ins Leere, weil sie nur mit Insiderwissen zu entschlüsseln ist.

Dem chiffrierten Text entnehmen wir, die „Ergebnisse der Evaluation“ hätten gezeigt, „dass die nationale IIZ-Struktur Auftrag und Ziele insgesamt erfüllt“, doch sei „in verschiedenen Bereichen Optimierungspotenzial auszumachen“, was von den zuständigen Instanzen „zur Kenntnis genommen“ worden sei mit der Einsicht in „die Notwendigkeit gewisser Verbesserungen.“ Die „nationalen Gremien“ würden „derzeit (…) den Anpassungsbedarf“ klären, um „für die kommenden Jahre die wichtigsten Handlungsfelder neu zu definieren.“

Das klingt dermassen nach dem guten Ding, das Weile haben will, dass die verabreichte Beruhigungspille aufputschend wirkt und fragen lässt, was genau die Frohbotschaft verhüllt. Es ist allerhand.

In der „Interinstitutionellen Zusammenarbeit“ kooperieren das Staatssekretariat für Wirtschaft, die Bundesämter für Sozialversicherungen und für Berufsbildung, die schweizerischen Arbeitsämter, Berufsbildungsämter und Sozialdirektoren sowie die IV-Stellen-Konferenz und die SUVA. Der sozial- und arbeitspolitische Olymp ist mit nichts weniger als mit dem Auftrag ausgestattet, die Armut zu bekämpfen, die Arbeits- und Ausbildungsintegration zu beschleunigen und den Arbeitsmarkt störende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Angesichts dieser Bedeutung wäre der Gedanke angenehm, die Verantwortlichen würden die internen Probleme mit höchster Effizienz lösen und allfällige Knöpfe in der Leitung ohne Evaluation zügig beseitigen, statt bedächtig „die wichtigsten Handlungsfelder für die kommenden Jahre“ festzulegen.

Alles andere als kommunikativer Luxus wäre auch, die Mängel klipp und klar zu benennen, samt Hinweis auf konkrete Gegenmassnahmen und einen verbindlichen Zeitplan. Was unter dem Decknamen „IIZ“ geschieht oder nicht geschieht, geht uns alle an.

Wir ziehen den Klartext dem Kaffeesatz vor. Öffentlichkeitsarbeit für Insider halten wir für einen Widerspruch in sich selber.

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